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Impfmüdigkeit

Tausend Tote jährlich: Influenza-Impfung in Österreich weiter ein Flop

Tausend Tote jährlich: Influenza-Impfung in Österreich weiter ein Flop
FOTO: iStock/SeventyFour
4 Min. Lesezeit |

**Nach dem kurzen Corona-Impfboom fällt Österreich bei der Grippeimpfung wieder zurück. Eine 40-Jahre-Studie zeigt die hartnäckige Impfmüdigkeit trotz tausender Todesfälle.**

Die Influenza-Impfung in Österreich erlebt nach einem kurzen Aufschwung während der Corona-Pandemie erneut einen deutlichen Abwärtstrend. Obwohl die Grippesaison 2020/2021 aufgrund der gleichzeitigen Covid-19-Krise einen Anstieg der Impfzahlen verzeichnete, ist seither ein markanter Rückgang zu beobachten. Forscher der Wiener Sozialmedizin haben nun die Entwicklung über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten (1982-2023) untersucht.

Die Analyse der Wissenschaftler über diese 40 Jahre zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung. Von 1982 bis 2003 stieg die Nutzung des Grippeimpfstoffs von anfänglich sehr niedrigen 20 Dosen pro 1.000 Einwohner auf 127 Dosen. Den Höchststand erreichte die Impfquote in der Saison 2006/07 mit 142 Dosen pro 1.000 Einwohner. Ab der Saison 2007/08 setzte jedoch ein kontinuierlicher Abwärtstrend ein – zunächst auf 81 Dosen pro 1.000 Einwohner im Jahr 2011, gefolgt von einem weiteren Absinken auf lediglich 62 Dosen in der Saison 2015/16.

In den darauffolgenden Jahren war zwar wieder ein leichter Anstieg auf bis zu 85 Dosen pro 1.000 Einwohner in der Saison 2019/20 feststellbar, bevor die Corona-Pandemie für einen außergewöhnlichen Ausschlag sorgte.

Kurzlebiger Corona-Effekt

Die Wiener Sozialmedizinerin Ursula Kunze (MedUni Wien) und ihre Kollegen heben in ihrer Untersuchung hervor: „Die Saison 2020/21 war bemerkenswert, da sich die Anzahl der verabreichten Dosen auf 221 Dosen pro 1000 Einwohner mehr als verdoppelte.“ Dies war das erste Jahr der Covid-19-Pandemie und das erste Jahr, in dem umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit für die Grippeschutzimpfung durchgeführt wurde. Dieser ,Covid-19-Effekt‘ war jedoch nur von kurzer Dauer, da die Anzahl der Dosen in den folgenden Saisons wieder sank (auf 168 Dosen pro 1000 Einwohner in der Saison 2021/22, 136 Dosen pro 1000 Einwohner in der Saison 2022/23 und 133 Dosen pro 1000 Einwohner in der Saison 2023/24).“ Mit der aktuellen Durchimpfungsrate von 13 Prozent gehört Österreich nach wie vor zu den Schlusslichtern im internationalen Vergleich.

Ursula Kunze und ihr Forschungsteam fassten ihre Erkenntnisse kürzlich im Fachjournal „Frontiers in Public Health“ prägnant zusammen: „Trotz umfassender Impfempfehlungen wird die Grippeimpfung von der österreichischen Bevölkerung und vielen Bereichen des Gesundheitssystems weiterhin deutlich unterschätzt.“ Dabei wäre der jährliche Impfschutz gegen Influenza, besonders zur Vermeidung schwerer Krankheitsverläufe, mehr als nur empfehlenswert.

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Erhebliche Krankheitslast

Die Forscher verweisen auf Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO): „Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verursacht die saisonale Grippe jährlich weltweit etwa eine Milliarde Infektionen, wobei drei bis fünf Millionen Fälle als schwer eingestuft werden und 290.000 bis 650.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen auftreten.„

Neueste systematische Literaturauswertungen beziffern die jährlichen schweren Erkrankungsfälle mit Krankenhausaufenthalten weltweit auf 3,2 Millionen. Im Raum der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EU/EWR) treten jedes Jahr etwa 50 Millionen symptomatische Grippefälle auf, die zwischen 15.000 und 70.000 Todesfälle nach sich ziehen.

Für Österreich schätzen Experten die Zahl der jährlichen Influenza-Infektionen auf 350.000 bis 400.000, mit rund 1.300 Todesfällen pro Jahr (die Spanne reicht von 360 bis 4.000). Damit zählen grippebedingte Todesfälle zu den häufigsten durch Impfung vermeidbaren Todesursachen in Österreich.

Die historischen und aktuellen Impfdaten zeichnen für Österreich ein ernüchterndes Bild. Trotz im europäischen Vergleich sehr weitreichender Empfehlungen zur Influenza-Impfung gehört das Land mit Impfraten von nur etwa zehn Prozent in der Gesamtbevölkerung zu den Staaten mit dem geringsten Schutzgrad. Selbst intensive Bemühungen offizieller Stellen zur Förderung der Grippeimpfung haben laut den Experten bisher kaum Wirkung gezeigt: „Die erstmalige Durchführung landesweiter öffentlicher Impfprogramme in der Saison 2023/24 führte nicht zu einem messbaren Anstieg der Impfraten.“

Der untersuchte Zeitraum von 1982 bis 2023 sei bezüglich dieser Impfung durch „Jahrzehnte anhaltender Ignoranz und Verweigerung“ gekennzeichnet gewesen.

Österreich bleibt damit im internationalen Vergleich weiterhin schlecht positioniert – trotz eindeutiger Empfehlungen und der erheblichen Krankheitsbelastung durch Influenza.

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KO KOSMO-Redaktion
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