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45 Tonnen Stahl

Teil von SpaceX-Rakete schlägt heute auf dem Mond ein

Teil von SpaceX-Rakete schlägt heute auf dem Mond ein
FOTO: iStock/EPA/CRISTOBAL HERRERA-ULASHKEVICH
5 Min. Lesezeit |

Eine außer Kontrolle geratene Raketenstufe rast auf den Mond zu – mit der Wucht von 15.000 Stangen Dynamit.

Am Mittwoch, dem 5. August 2026, wird eine umhergeisternde Raketenstufe mit einer Geschwindigkeit von 8.700 Kilometern pro Stunde auf die Mondoberfläche treffen. Die Wucht des Aufpralls entspricht der Sprengkraft von 15.000 Stangen Dynamit. Das fast 45 Tonnen schwere Bauteil gehört zu einer Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX, das dem US-Milliardär Elon Musk gehört.

Die Stufe hatte vor rund eineinhalb Jahren ihre Nutzlast erfolgreich zum Mond transportiert – doch statt anschließend zur Erde zurückzukehren und in der Atmosphäre zu verglühen, pendelte sie seither unkontrolliert zwischen Erde und Mond, bis ihr Kurs sie nun unausweichlich auf Kollisionskurs mit dem Erdtrabanten brachte.

Unkontrolliertes Driften

Bei dem Objekt handelt es sich konkret um die Oberstufe einer Falcon-9-Rakete von SpaceX. Im Jänner 2025 hatte sie zwei Mondlander ins All befördert: Blue Ghost des US-amerikanischen Unternehmens Firefly Aerospace sowie Resilience des japanischen Start-ups ispace. Nach Erfüllung ihrer Mission trieb die Stufe ohne Steuerung durch den Weltraum, wie der britische Guardian berichtet.

Üblicherweise kehren solche Bauteile zur Erde zurück und verglühen beim Wiedereintritt in die Atmosphäre. Aus Gründen, die laut Time Magazine selbst Fachleuten nicht vollständig bekannt sind, gelang es der Stufe jedoch, der Erdatmosphäre bei mehreren Annäherungen zu entgehen. Stattdessen gelangte sie in eine Umlaufbahn, die sie schrittweise immer tiefer in den Einflussbereich des Mondes zog – bis eine Kollision nicht mehr abwendbar war.

Hinter dem Timing steckt schlicht die Physik. Nach eineinhalb Jahren des unkontrollierten Driftens hat die Flugbahn der Stufe einen Punkt erreicht, an dem ein Einschlag auf dem Mond zwangsläufig folgt. Der US-amerikanische Astronom Bill Gray hat den Aufprall für Mittwoch, den 5. August 2026, berechnet. Die Stufe soll in der Nähe des Einstein-Kraters auf der Rückseite des Mondes aufschlagen – jener Seite, die der Erde dauerhaft abgewandt ist.

Das Ausmaß des Aufpralls ist beachtlich: Bei einem Gewicht von knapp 45 Tonnen und einer Geschwindigkeit von rund 8.700 km/h entspricht die freigesetzte Energie laut Gray etwa drei Tonnen TNT – oder eben 15.000 Stangen Dynamit. Wissenschafter gehen davon aus, dass dabei ein Einschlagkrater von ungefähr 27 Metern Durchmesser und etwa fünf Metern Tiefe entstehen wird, begleitet von einer ausgedehnten Trümmerwolke.

Schwierige Beobachtung

Eine direkte Beobachtung von der Erde aus gestaltet sich schwierig. Der Einschlag ereignet sich nahe dem westlichen Mondrand, und der dabei entstehende Lichtblitz wird voraussichtlich zu kurz und zu schwach sein, um mit freiem Auge oder herkömmlichen Teleskopen wahrgenommen zu werden – er dauert weniger als eine Sekunde. Anders verhält es sich möglicherweise mit der aufgewirbelten Staubwolke: Sie könnte mehrere Kilometer hoch aufsteigen, sich vor dem dunklen Weltraumhintergrund abheben und so über mehrere Minuten hinweg mit Teleskopen sichtbar bleiben.

Für Europa ist eine Beobachtung zum wahrscheinlichen Einschlagzeitpunkt aufgrund der ungünstigen geometrischen Lage nicht zu erwarten. Selbst die NASA ist unsicher, ob das Ereignis von den Vereinigten Staaten aus verfolgt werden kann.

Vergleichbare Ereignisse hat es bereits gegeben – sowohl geplant als auch unbeabsichtigt. Im Jahr 2022 schlug eine chinesische Raketenstufe auf der Rückseite des Mondes auf und hinterließ einen auffälligen Doppelkrater. China bestreitet diesen Vorfall bis heute. Während der Apollo-Missionen der NASA in den 1960er- und 1970er-Jahren hingegen wurden Stufen der Saturn-V-Raketen gezielt auf den Mond gelenkt, um mithilfe von Seismografen Mondbeben zu messen.

SpaceX hat sich zu dem Vorfall bislang nicht geäußert und auf entsprechende Anfragen nicht reagiert. Grundsätzlich wäre der Absturz nach Einschätzung von Experten vermeidbar gewesen: Hätte man die Oberstufe nach dem Start in eine Sonnenumlaufbahn gelenkt, wäre ein unkontrollierter Mondeinschlag ausgeblieben – dafür hätte jedoch ausreichend Treibstoff eingeplant werden müssen.

Für die Bevölkerung auf der Erde besteht keinerlei Gefahr. Der Mond besitzt keine Atmosphäre, und der Einschlagsort liegt abseits jeglicher Mondstationen oder wissenschaftlicher Messgeräte. Für die Forschung stellt das Ereignis sogar eine willkommene Gelegenheit dar: Ein Objekt mit bekannter Masse und Geschwindigkeit, das auf die Mondoberfläche trifft, liefert wertvolle Rückschlüsse auf die Beschaffenheit des Mondbodens.

Die NASA-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter wurde deshalb bereits einige Tage vor dem Aufprall über die berechnete Einschlagstelle gelenkt und soll das Gebiet danach erneut überfliegen. Die dabei gewonnenen Aufnahmen könnten zeigen, in welcher Tiefe bestimmte Materialien unter der Mondoberfläche lagern. Auch die aufgewirbelte Staubwolke soll wissenschaftlich ausgewertet werden.

Berechnungen zufolge könnten Gesteinsbrocken durch den Einschlag mit bis zu 360 km/h in die Höhe geschleudert werden. Aufgrund der geringeren Schwerkraft auf dem Mond würden solche Brocken etwa eine Minute lang aufsteigen, dabei eine Höhe von bis zu drei Kilometern erreichen und anschließend wieder auf die Oberfläche zurückfallen.

Dass sich derartige Ereignisse in Zukunft häufen werden, gilt unter Fachleuten als wahrscheinlich. Sowohl die USA als auch China verfolgen Pläne für bemannte Mondlandungen bis 2030, verbunden mit einer Reihe von Versorgungsmissionen. Mit jeder weiteren Mission wächst die Zahl der Raketenstufen im Mondumfeld. Experten plädieren daher seit Längerem für verbindlichere internationale Regelungen zur Entsorgung von Weltraumschrott – doch entsprechende Vorschriften, die ungeplante Einschläge künftig verhindern könnten, existieren bislang nicht.

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KO KOSMO-Redaktion
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