Sechs von 18 getesteten Schnullern enthalten BPA-Spuren – trotz EU-weitem Verbot. Bekannte Marken stehen unter Verdacht.
Obwohl der Einsatz von Bisphenol A in Schnullern und Beißringen in der Europäischen Union seit 2011 untersagt ist, lassen sich entsprechende Verunreinigungen in Produkten nicht vollständig ausschließen. BPA gilt in der EU als besonders besorgniserregender Stoff. Aufgrund seiner strukturellen Ähnlichkeit mit dem Hormon Östrogen kann die Substanz laut Konsumentenschützern das menschliche Hormonsystem schädigen.
Eine Belastung in sensiblen Entwicklungsphasen – etwa im Säuglingsalter – wird mit Unfruchtbarkeit, hormonabhängigen Krebserkrankungen sowie neurologischen Beeinträchtigungen in Zusammenhang gebracht. Zwar ist es in Österreich verboten, Schnuller und Beißringe mit absichtlich zugesetztem BPA in den Handel zu bringen – doch Verunreinigungen können auf verschiedenen Wegen entstehen. „Dass wir dennoch mehrfach BPA nachweisen konnten, liegt daran, dass Verunreinigungen leicht entstehen können, etwa in der Produktionsanlage, beim Verpacken, durch das Verpackungsmaterial selbst oder durch kontaminierte Materialien im selben Produktionsumfeld. Selbst Partikel in der Luft können eine Rolle spielen“, sagte VKI-Chemikalienexpertin Birgit Schiller.
VKI-Testergebnisse
Gemeinsam mit anderen europäischen Verbraucherorganisationen hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) daraufhin eine Testreihe durchgeführt. Von 18 in Österreich erhältlichen Produkten wurden bei sechs BPA-Spuren festgestellt. Zu den für den österreichischen Markt geprüften Marken zählen Alvär (Eigenmarke Action), Babylove und Babylove Nature (Eigenmarke dm), Baby Nova, Bibs, Canpol Babies, Grün Specht, Mam, Medela Baby, Nip, NUK sowie Philips Avent.
BPA-Spuren wies der VKI in folgenden sechs Produkten nach: Babylove Nature (Schnuller Naturlatex), Babylove (Schnuller Silikon), Baby Nova (Schnuller), Nip (Cherry Natur-Latex), NUK (Space Night) sowie ein über Shein erworbenes Schnuller-Set (2 pcs Set Shiny Luxury Rose Gold Silicone Pacifiers). Darüber hinaus wurden zwei Produkte über die Plattform Shein bezogen. Der Einkauf erfolgte in Drogerien, Supermärkten, Online-Babyshops, Online-Naturgeschäften sowie über Plattformen wie Amazon und Shein.
Ein weiteres, ebenfalls über Shein bestelltes Set fiel bei der Sicherheitsprüfung durch – und zwar wegen der beigelegten Schnullerkette. Der Online-Händler hat das Produkt in seinen EU- und UK-Shops inzwischen aus dem Sortiment genommen. „Allerdings ist das gleiche Produkt in einer anderen Farbe weiterhin erhältlich“, kritisierte Schiller. Alle übrigen getesteten Schnuller bestanden die mechanische Sicherheitsprüfung ohne Beanstandung.
Strengere Prüfmethoden
Dass eine BPA-freie Produktion grundsätzlich möglich ist, zeigen zwölf Produkte, die sowohl in der Schadstoffbewertung als auch in der Sicherheitsprüfung mit „sehr gut“ abschnitten. Die Bestnote erhielten ausschließlich jene Erzeugnisse, in denen kein BPA nachgewiesen werden konnte. Geprüft wurden die Hauptbestandteile Mundteil und Schild nach einer Methode, die über die geltende österreichische Prüfnorm hinausgeht.
So kam etwa anstelle von Wasser mit 20 Grad Celsius eine künstliche Speichellösung mit 37 Grad Celsius zum Einsatz, um eine mögliche BPA-Freisetzung unter realistischen Bedingungen zu messen. „Außerdem haben wir auch das Mundstück getestet und nicht nur den Schild, wie es die Norm vorsieht.“ Besonderes Gewicht legte der VKI auf einen strengeren Grenzwert: Der normativ festgelegte Wert sei „mittlerweile nicht mehr zeitgemäß und liegt etwa zehnmal höher als die technisch vermeidbare Menge an BPA in Materialien mit Lebensmittelkontakt“ von einem Mikrogramm pro Kilogramm gemäß EU-Verordnung.