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56.000 Tonnen Rohöl

Iran-Krise erreicht Österreich: OMV zapft staatliche Notreserven an

Iran-Krise erreicht Österreich: OMV zapft staatliche Notreserven an
FOTO: iStock/FotoGablitz
4 Min. Lesezeit |

Österreich zapft seine Notreserven an – mitten in einer globalen Ölkrise, deren Folgen Europa erst noch spüren wird.

Bereits im März wurde die Entscheidung getroffen: Österreich gibt einen Teil seiner staatlichen Pflichtnotstandsreserve frei. Nun ist der erste Schritt vollzogen – die OMV hat die erste Tranche Rohöl aus diesen Reserven übernommen. Das Wirtschafts- und Energieministerium teilte am Montag mit, dass die Versorgungslage im Land weiterhin gesichert sei.

In der Aussendung des Ministeriums wurde auf die am 11. März 2026 gemeinsam mit anderen Ländern beschlossene Beteiligung an der internationalen Collective Action der Internationalen Energieagentur (IEA, koordiniert Energiepolitik der Industrieländer) verwiesen. In einem ersten Schritt hat die OMV nun 56.000 Tonnen der insgesamt für diese Maßnahme freigegebenen 325.000 Tonnen Rohöl erworben.

Hintergrund der Freigabe

Hintergrund der Maßnahme ist die Sperre der Meerenge von Hormus (strategische Schifffahrtsroute für Öltransporte), durch die dem Weltmarkt derzeit weniger Rohöl zur Verfügung steht. Michael Niklas, Geschäftsführer der Erdöl-Lagergesellschaft (ELG), erläuterte: „Mit dieser koordinierten Maßnahme soll dem entgegengewirkt und so zur Marktberuhigung beigetragen werden.“ Niklas ergänzte, die ELG sei „auf derartige Auslagerungen bestens vorbereitet und auch für mögliche weitere Krisenszenarien gut gerüstet“.

Das Wirtschaftsministerium betonte, dass die Versorgung in Österreich derzeit gesichert sei – wies jedoch zugleich auf die internationale Abhängigkeit hin: „Österreich ist vom Weltmarkt nicht abgekoppelt. Wenn sich die internationale Lage nicht entspannt, hat das auch Auswirkungen auf Österreich.“ Die Collective Action der IEA sei demnach „ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung des Marktes, genau deshalb beteiligt sich Österreich an der gemeinsamen internationalen Maßnahme: als Vorsorge für unser Land und zur Stabilisierung jenes Markts, von dem auch wir abhängen“.

Das Rohöl wird zu marktüblichen Preisen verkauft und fließt ab sofort in die OMV-Raffinerie in Wien-Schwechat. Das Ministerium zitierte Niklas dazu mit den Worten: „Seit heute werden 56.000 Tonnen Rohöl aus den österreichischen Notstandsreserven in die Raffinerie Schwechat gepumpt.“

Österreichs Gesamtreserve umfasst 2,47 Millionen Tonnen Rohöl, Benzin, Diesel und Kerosin. Ein Präzedenzfall existiert bereits: 2022 wurden im Zuge des Ukraine-Krieges 61.500 Tonnen Rohöl an die OMV veräußert. Wie Niklas im Ö1-Mittagsjournal erläuterte, sind die Notstandsreserven an Standorten in Linz, Wien und Lannach sowie im Ölhafen Triest gelagert.

Das freigegebene Rohöl darf ausschließlich in einer österreichischen Raffinerie verarbeitet und nur im Inland angeboten werden. Rechtliche Grundlage für die Freigabe ist eine Verordnung des Wirtschaftsministeriums, bei deren Erstellung der Energielenkungsbeirat angehört wird. Darüber hinaus ist die Zustimmung des Hauptausschusses des Nationalrates erforderlich. Erst nach dieser parlamentarischen Genehmigung setzt die ELG die Verordnung um.

Experten skeptisch

Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) warnte am Mittwoch, dass die durch den Iran verursachten Turbulenzen auf dem internationalen Treibstoffmarkt „zeitverzögert auch in Europa ankommen werden“. Sollte die Krise anhalten, geht die EU-Kommission davon aus, dass ab Mai in Europa fünf Prozent weniger Diesel und 15 Prozent weniger Kerosin verfügbar sein werden. Hattmannsdorfer kündigte an, Österreich werde die Versorgungssicherheit notfalls durch den Einsatz staatlicher Reserven gewährleisten.

Klaus Weyerstraß, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Höhere Studien (IHS), rechnet nicht mit nennenswerten Auswirkungen der Reservenfreigabe auf den Kerosinengpass. Im Ö1-Interview sprach er sich zudem dagegen aus, die Reserven derzeit aufzustocken.

Auf das Preisniveau werde die Freigabe der ersten Tranche kaum Einfluss haben, erklärte Weyerstraß im Ö1-Mittagsjournal. Die bloße Ankündigung der Maßnahme habe möglicherweise bereits eine preisdämpfende Wirkung entfaltet – von der tatsächlichen Umsetzung sei nun kein weiterer Effekt mehr zu erwarten.

Der Ökonom gab zudem zu bedenken, dass Raffinerien, die aus Rohöl Kerosin und Diesel gewinnen, „ohnehin schon stark ausgelastet sind“. Größere Auswirkungen auf die Versorgungslage erwartet er daher nicht – mit einem wichtigen Vorbehalt: „Wenn die Preise langfristig höher bleiben, als es vor der Krise der Fall war, dann ist das mit höheren Kosten verbunden.“

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KO KOSMO-Redaktion
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