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Treibstoffkrise

Letzter Kerosintanker nach Europa unterwegs: Tausende Flugausfälle drohen

Letzter Kerosintanker nach Europa unterwegs: Tausende Flugausfälle drohen
Symbolbild FOTO: EPA/DIVYAKANT SOLANKI
2 Min. Lesezeit |

Ein blockierter Seeweg, sinkende Reserven, steigende Preise – Europas Flugbranche steht vor einem Sommer unter Druck.

Europas Luftfahrtbranche sieht sich mit einer ernsthaften Treibstoffkrise konfrontiert: Geopolitische Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran gefährden die Kerosinversorgung des Kontinents und könnten noch in diesem Sommer zu spürbaren Einschränkungen an touristischen Flughäfen führen. Der Tanker „Rong Lin Wan“ gilt derzeit als letztes Schiff, das Flugzeugkerosin aus dem Nahen Osten nach Europa transportiert – die Straße von Hormus ist blockiert. Da Europa rund die Hälfte seines Jet-Fuels aus dieser Region bezieht, können alternative Lieferländer wie Indien oder die USA den entstehenden Ausfall nicht vollständig kompensieren.

Angespannte Versorgungslage

Die Versorgungslage war bereits vor der aktuellen Zuspitzung angespannt: Raffinerieschließungen, rückläufige Eigenproduktion und verschärfte Umweltauflagen haben den Kerosinbestand in Europa über Jahre hinweg schrittweise reduziert. Wie aus Daten des Analyseunternehmens Vortexa hervorgeht, sind die Importmengen auf ein Rekordtief gesunken, während die Lagerbestände im Tanklagerzentrum Amsterdam–Rotterdam–Antwerpen unter dem langjährigen Durchschnitt liegen. George Shaw vom Marktanalysten Kpler weist darauf hin, dass auch potenzielle Ausweichlieferanten wie Südkorea und China inzwischen Exportbeschränkungen eingeführt haben – was die ohnehin kritische Situation weiter verschärft.

Airlines unter Druck

Angesichts dieser Entwicklungen arbeiten Fluggesellschaften bereits an Notfallszenarien. Lufthansa prüft nach eigenen Angaben, zwischen 20 und 40 Flugzeuge vorübergehend stillzulegen – bei einer Gesamtflotte von mehr als 800 Flugzeugen in der Unternehmensgruppe. Die Kerosinpreise sind deutlich gestiegen und belasten die Bilanzen der Airlines zusätzlich. Lufthansa-Chef Carsten Spohr bezifferte die Mehrkosten für die nicht gegen Preisschwankungen abgesicherte Treibstoffmenge auf 1,5 Milliarden Euro, obwohl der Konzern 80 Prozent seines Treibstoffbedarfs abgesichert habe. Ryanair-Chef Michael O’Leary sieht die Versorgungssicherheit ernsthaft gefährdet, sollte die Straße von Hormus dauerhaft gesperrt bleiben.

Olivier Jankovec vom Flughafenverband ACI Europe versucht, die Lage zu relativieren, und verweist auf noch vorhandene Lagerreserven – mahnt jedoch gleichzeitig an, die Produktionskapazitäten in Europa grundlegend zu überprüfen.