Eine gefährliche Hepatitis-A-Welle erfasst Mitteleuropa. Besonders betroffen sind marginalisierte Gruppen – in Österreich wurden bereits mehr Fälle als im gesamten Vorjahr registriert.
In mehreren mitteleuropäischen Ländern verzeichnen Gesundheitsbehörden zwischen Jänner und Mai 2025 einen besorgniserregenden Anstieg von Hepatitis-A-Infektionen. Die Erkrankungswelle betrifft Österreich, Tschechien, Ungarn sowie die Slowakei. Bei Hepatitis A handelt es sich um eine akute Lebererkrankung viralen Ursprungs, die vorwiegend über verunreinigte Nahrungsmittel, kontaminiertes Wasser oder durch engen persönlichen Kontakt mit Infizierten übertragen wird.
Besonders gefährdet sind Menschen in Regionen mit mangelhaften Hygienebedingungen oder unzureichender sanitärer Infrastruktur. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen mangelnder Zugang zu sauberem Wasser, enger Kontakt zu infizierten Personen, Drogenkonsum sowie Reisen in Gebiete mit aktiver Viruszirkulation. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe, ebenso bei Personen mit geschwächtem Immunsystem oder bestehenden Lebererkrankungen. Gegen Hepatitis A existiert eine präventive Schutzimpfung.
Betroffene Gruppen
Laut Angaben des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) konzentriert sich der Infektionsanstieg hauptsächlich auf erwachsene Personen aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen. Dazu gehören obdachlose Menschen, Personen mit Drogenkonsum – insbesondere bei intravenösem Gebrauch – sowie Menschen, die unter prekären hygienischen Bedingungen leben. In Tschechien und der Slowakei wurden zudem Erkrankungsfälle innerhalb der Roma-Gemeinschaften dokumentiert.
Die slowakischen Roma-Gemeinden verzeichneten bereits Ende 2022 eine Zunahme von Hepatitis-A-Fällen, wobei vorwiegend Kinder betroffen waren. Als Reaktion darauf initiierte die slowakische Regierung eine Impfinitiative, durch die etwa 40 Prozent der unter 15-jährigen Kinder in Roma-Gemeinschaften immunisiert wurden.
Aktuelle Fallzahlen
Im laufenden Jahr dokumentierte die Slowakei insgesamt 880 Infektionsfälle, wobei nur noch die Hälfte davon auf Roma-Gemeinschaften entfällt. Etwa ein Fünftel der Erkrankten sind Erwachsene in prekären Lebenssituationen, darunter obdachlose Menschen und Drogenkonsumenten. In Ungarn wurden bis Mai 530 Fälle bestätigt, mit Schwerpunkt auf Budapest und dessen Umgebung.
Tschechien meldete mindestens 600 Erkrankungen, darunter sechs Todesfälle. In Österreich wurden 87 Infektionen registriert, von denen 43 Fälle allein auf Wien entfallen. Die österreichische Gesamtzahl übertrifft damit bereits jetzt die Infektionszahlen des gesamten Vorjahres.
Deutschland wird zwar nicht zu den hauptbetroffenen Ländern gezählt, identifizierte jedoch drei Infektionsfälle mit Genomprofilen, die mit jenen in Ungarn und Österreich übereinstimmen. Die genetischen Analysen deuten darauf hin, dass es sich eher um kontinuierliche Übertragungsketten zwischen Menschen innerhalb verbundener sozialer Netzwerke oder geografischer Regionen handelt als um mehrere voneinander unabhängige Ausbruchsgeschehen.
Drei der österreichischen Fälle endeten tödlich.
Maßnahmen der Gesundheitsbehörden
Die AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) hat die Überwachung der Hepatitis-A-Situation in Österreich intensiviert und führt genetische Analysen der Virusstämme durch. Diese Untersuchungen helfen, Übertragungsketten zu identifizieren und ermöglichen gezieltere Schutzmaßnahmen. Der aktuelle Ausbruch betrifft laut AGES-Radar vor allem Männer zwischen 25 und 49 Jahren, mit deutlichem Schwerpunkt in Wien.
Für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen steht eine hochwirksame Hepatitis-A-Impfung zur Verfügung, die vom österreichischen Gesundheitsministerium ausdrücklich empfohlen wird. Die Impfung kann ab dem ersten Lebensjahr verabreicht werden und bietet einen langanhaltenden Schutz. Obwohl sie nicht Teil des kostenfreien Kinderimpfprogramms ist, wird sie im österreichischen Impfplan für Risikogruppen – darunter Menschen mit Drogenkonsum, Obdachlose und Personen in prekären Lebenssituationen – nachdrücklich angeraten.
Die Ausbruchsabklärung durch die AGES dauert weiterhin an. Die Gesundheitsbehörden bewerten die Situation fortlaufend, um bei Bedarf zusätzliche Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Aktuelle Impfempfehlungen und individuelle Beratung sind bei Hausärztinnen und Hausärzten sowie in Apotheken erhältlich.
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