Mit Windgeschwindigkeiten von 295 km/h fegt Hurrikan „Melissa“ durch die Karibik und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Die Todeszahlen steigen, während Hilfe anläuft.
Der verheerende Hurrikan „Melissa“ hat in der Karibik eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Nach seinem Durchzug über Jamaika, Kuba und Haiti bewegt sich der Wirbelsturm nun über die Bahamas. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 295 km/h traf der als Kategorie-5-Sturm klassifizierte Hurrikan am Dienstag auf Jamaika und zählt damit zu den stärksten je im Atlantik registrierten Wirbelstürmen. Nachdem „Melissa“ an Kraft verlor, zog das Unwetter weiter nach Kuba. Die Naturkatastrophe forderte in allen drei betroffenen Karibikstaaten Menschenleben.
Auf Jamaika wurden mindestens acht Todesopfer bestätigt. Im westlichen Teil der Insel kam auch ein Kleinkind ums Leben, als ein Baum umstürzte, wie Staatsminister Abka Fitz-Henley gegenüber dem Sender Nationwide News Network erklärte. Zehntausende Menschen mussten in Notunterkünften Schutz suchen.
Besonders der Südwesten Jamaikas wurde von schweren Überschwemmungen und massiven Gebäudeschäden getroffen. Eine aus Deutschland stammende Auswanderin schildert die Lage vor Ort. Bildungsministerin Dixon teilte mit, dass 77 Prozent der Insel ohne Stromversorgung auskommen müssen, während die Wasserversorgung weitgehend intakt geblieben sei.
Behördenangaben zufolge wurden Krankenhäuser und Brücken in Mitleidenschaft gezogen. Die regionale Gesundheitsbehörde Serha warnte die Bevölkerung in den überschwemmten Gebieten vor Krokodilen. Angesichts des enormen Ausmaßes der Schäden erklärte die Regierung Jamaika zum Katastrophengebiet.
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Folgen für Kuba
Nach seinem Durchzug über Jamaika verursachte „Melissa“ auch in Kuba erhebliche Schäden. Die Folgen des Hurrikans könnten die bereits bestehende schwere Wirtschaftskrise des Inselstaates mit seinen etwa elf Millionen Einwohnern weiter verschärfen. Das Land leidet bereits unter ausgedehnten Stromausfällen sowie Engpässen bei Treibstoff und Nahrungsmitteln.
Laut Regierungsangaben wurden vorab mehr als 735.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der kubanische Staatschef Miguel Diaz-Canel verkündete auf der Plattform X: „Wenn es die Bedingungen erlauben, beginnen wir mit dem Wiederaufbau. Wir sind bereit.“
In Haiti forderte der Hurrikan mindestens 24 Menschenleben, wie der Katastrophenschutz bekannt gab. In der haitianischen Gemeinde Petit-Goâve kamen etwa 20 Menschen ums Leben, nachdem ein Fluss aufgrund der anhaltenden Niederschläge im Westen des Landes über die Ufer trat. Der Leiter des Zivilschutzes, Emmanuel Pierre, informierte lokale Medien darüber, dass mindestens 18 weitere Personen vermisst werden.
Die Hälfte der Todesopfer seien Kinder. Die Tageszeitung „Le Nouvelliste“ berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, dass Häuser, Fahrzeuge und Vieh von den Wassermassen fortgerissen und landwirtschaftliche Flächen zerstört wurden.
Internationale Hilfe
Die Vereinten Nationen beschrieben die Verwüstungen als Zerstörung in beispiellosem Ausmaß. US-Präsident Donald Trump sicherte den betroffenen Staaten Hilfe zu. US-Außenminister Marco Rubio entsandte ein Katastrophenhilfeteam in die Region, darunter auch Such- und Rettungseinheiten.
Die Fachleute sollen den Hilfsbedarf ermitteln und erste Such- und Bergungsaktionen unterstützen, wie das Außenministerium mitteilte. Man kooperiere mit den Vereinten Nationen, Nichtregierungsorganisationen und den Regierungen der betroffenen Länder, um Lebensmittel, Wasser, medizinische Hilfsgüter, Hygieneartikel und Notunterkünfte bereitzustellen, hieß es weiter.
Am Mittwoch erreichte der Hurrikan die Bahamas. Dem Inselarchipel im Atlantik südöstlich von Florida drohen zerstörerische Winde, extreme Regenfälle und gefährliche Sturmfluten, wie das US-Hurrikanzentrum in Miami warnte. Die Behörden ordneten für sechs der mehr als 700 Inseln Evakuierungen an.
Mit konstanten Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde wurde „Melissa“ inzwischen auf die niedrigste Kategorie 1 herabgestuft. Das Zentrum des Wirbelsturms bewegt sich vergleichsweise schnell in nordöstlicher Richtung fort.
Nach den Bahamas soll das Unwetter Kurs auf Bermuda nehmen, wo es voraussichtlich am Donnerstagabend eintreffen wird.