Kalifornien meldet einen bestätigten Pestfall – die mittelalterliche Seuche existiert noch immer in der Natur. Gesundheitsbehörden sehen keinen Grund zur Panik.
In Kalifornien wurde ein Pestfall bestätigt, nachdem zunächst nur ein Verdacht bestand. Die betroffene Person befindet sich derzeit in medizinischer Behandlung und erholt sich zu Hause. Bei frühzeitiger Diagnose und antibiotischer Therapie ist die Krankheit gut heilbar. Für Kyle Fliflet, den kommissarischen Gesundheitsdirektor von El Dorado County, kommt dieser Fall nicht überraschend: „Die Pest ist in vielen Teilen Kaliforniens natürlich vorhanden, einschließlich der höher gelegenen Gebiete von El Dorado County.“
Die Übertragung des Bakteriums erfolgt hauptsächlich durch Flohbisse, wobei die Flöhe den Erreger zuvor von infizierten Nagetieren wie Eichhörnchen oder Streifenhörnchen aufgenommen haben. „Es ist wichtig, dass jeder im Freien Vorsichtsmaßnahmen für sich und seine Haustiere trifft“, warnt Fliflet. Auch Haustiere können infizierte Flöhe in Wohnräume einschleppen. Besonders betroffen sind laut dem Gesundheitsexperten Wanderer und Camper in Gebieten mit wildlebenden Nagetieren.
⇢ Bakterien-Alarm in beliebter Metropole: 600 Infizierte und drei Tote
Die Gesundheitsbehörden Kaliforniens führen regelmäßige Kontrollen der Nagetierpopulationen auf Pestaktivität durch und kooperieren eng mit den lokalen Gesundheitsämtern. Im Zeitraum von 2021 bis 2024 wurden im El Dorado County 41 Nagetiere mit Anzeichen einer Exposition gegenüber dem Pesterreger identifiziert. Im laufenden Jahr 2025 kamen vier weitere positive Fälle hinzu. Sämtliche betroffenen Tiere stammten aus der Region des Tahoe-Beckens.
Vorsichtsmaßnahmen für Outdoor-Aktivitäten
Gesundheitsexperten empfehlen beim Aufenthalt in pestgefährdeten Gebieten verschiedene Schutzmaßnahmen: Das Tragen langärmeliger Kleidung und fester Schuhe reduziert das Risiko von Flohbissen erheblich. Campingplätze sollten bevorzugt in Bereichen ohne dichte Nagetierpopulationen gewählt werden. Haustiere müssen regelmäßig auf Flöhe kontrolliert und entsprechend behandelt werden, da sie als Träger infizierter Parasiten fungieren können.
Weltweites Vorkommen
Infektionen mit Yersinia pestis treten heutzutage selten auf, sind jedoch nicht vollständig verschwunden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO verzeichnet jährlich zwischen 1.000 und 3.000 Fälle weltweit, vorwiegend in asiatischen und afrikanischen Ländern. In den USA registriert die Gesundheitsbehörde CDC durchschnittlich sieben Fälle pro Jahr, überwiegend in den westlichen Bundesstaaten. Besonders betroffen sind New Mexico, Arizona und Colorado. Ein tödlicher Fall ereignete sich 2015 in Colorado, als ein 16-Jähriger der Krankheit erlag.
Erscheinungsformen
Die Pest zählt zu den akuten und hochgradig ansteckenden Infektionskrankheiten, die – abhängig von der Erscheinungsform – mit schwerwiegenden Symptomen einhergeht. Bei rechtzeitiger Erkennung lässt sich die Erkrankung effektiv mit Antibiotika bekämpfen. Die Beulenpest, die häufigste Form in den USA laut CDC, hat eine Inkubationszeit von wenigen Stunden bis zu sieben Tagen. Zu den Symptomen zählen Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Benommenheit und später Bewusstseinsstörungen. Charakteristisch sind die namensgebenden Beulen an Hals, Achseln und Leisten, die durch Blutungen in den Lymphknoten eine blau-schwarze Färbung aufweisen.
Die seltenere Lungenpest gilt als besonders gefährlich, da sie die Lymphknotenbarrieren umgeht und direkt die Lunge befällt. Betroffene leiden unter Atemnot, Husten, blutigem Auswurf und einer Blaufärbung der Lippen. Ohne Behandlung führt diese Variante nach zwei bis fünf Tagen zum Tod. Bei der Pestsepsis gelangen die Bakterien über Wunden oder aufgeplatzte Pestbeulen in die Blutbahn. Die Folgen sind hohes Fieber, Schüttelfrost, Schockzustände und innere Blutungen. Unbehandelt verläuft diese Form nahezu immer tödlich.
Frühe medizinische Intervention ist entscheidend: Bei Verdacht auf eine Pestinfektion sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Die Heilungschancen steigen drastisch, wenn die Behandlung mit Antibiotika wie Streptomycin oder Tetracyclin innerhalb der ersten 24 Stunden nach Auftreten der Symptome beginnt.
Da sich die Krankheit permanent in Tierpopulationen fortpflanzt, ist eine vollständige Ausrottung praktisch unmöglich. Erschwerend kommt hinzu, dass die Erreger Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln können.