Der Nahe Osten steht am Abgrund eines neuen Krieges. Ein US-Angriff auf den Iran würde nicht nur die Region in Flammen setzen, sondern globale Schockwellen auslösen.
Die Spannungen im Nahen Osten verschärfen sich täglich, wobei ein direkter militärischer Schlag der USA gegen den Iran zunehmend als realistisches Szenario erscheint. Sollten amerikanische Streitkräfte tatsächlich iranische Militär- und Nuklearanlagen mit Raketen angreifen, würde dies unweigerlich einen offenen Kriegszustand auslösen. Obwohl Washington Israel bereits militärisch unterstützt, hat es sich bislang von unmittelbaren Kampfhandlungen ferngehalten.
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Aus dem Weißen Haus mehren sich jedoch die Signale, dass „die Geduld erschöpft“ sei, während Präsident Trump unverhohlen Militärschläge gegen iranisches Territorium in Erwägung zieht.
Besonders brisant: US-Präsident Donald Trump hat den Iran in den vergangenen Tagen öffentlich zur bedingungslosen Kapitulation aufgefordert und betont, die USA wüssten genau, wo sich der Oberste Führer des Iran aufhalte. Trump warnte Teheran zudem ausdrücklich vor Angriffen auf US-Soldaten oder Zivilisten. Die US-Regierung hat inzwischen zusätzliche Kampfflugzeuge in den Nahen Osten verlegt, betont jedoch, dass diese Maßnahmen defensiv seien und ein aktiver US-Militäreinsatz gegen den Iran bislang nicht beschlossen wurde.
In einem solchen Konfliktszenario würde Teheran seine Reaktion keineswegs auf Israel beschränken. Der Iran dürfte vielmehr sein gesamtes Netzwerk regionaler Verbündeter mobilisieren – die Hisbollah im Libanon, die Huthis im Jemen sowie schiitische Milizen in Syrien und im Irak. Dies könnte den gesamten Nahen Osten in einen vielschichtigen Kriegszustand versetzen. Iranische Streitkräfte könnten zudem amerikanische Militärstützpunkte in der Region ins Visier nehmen, darunter Einrichtungen im Irak, in Bahrain, Kuwait und Saudi-Arabien.
Globale Energiekrise
Die unmittelbarsten Auswirkungen eines solchen Konflikts würde der globale Energiemarkt zu spüren bekommen. Die Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wird, wäre sofort blockiert oder Schauplatz von Angriffen auf Tanker. Der Ölpreis könnte auf über 150 Dollar pro Barrel schnellen, was eine weltweite Preisspirale auslösen würde – von Treibstoffen bis hin zu Grundnahrungsmitteln. Die in vielen Ländern ohnehin schon hohe Inflation würde weiter außer Kontrolle geraten.
Auch die internationalen Finanzmärkte würden heftig reagieren. Die Börsen dürften massive Einbrüche verzeichnen, während Investoren in sichere Häfen wie Gold sowie stabile Währungen wie den Schweizer Franken und den US-Dollar flüchten würden. Die globalen Lieferketten, die sich nach der Pandemie und dem Ukraine-Krieg noch immer in einer fragilen Erholungsphase befinden, würden einen weiteren schweren Schlag erleiden.
In sicherheitspolitischer Hinsicht bestünde eine reale Gefahr terroristischer Aktivitäten in Europa und den USA. Verbündete und Sympathisanten des Iran könnten Anschläge innerhalb der NATO-Staaten verüben, während die internationale Sicherheitsarchitektur insgesamt in eine Phase extremer Instabilität eintreten würde.
Großmächte-Reaktionen
Eine weitere kritische Unbekannte ist die Positionierung von Großmächten wie Russland und China. Während Peking vermutlich zu einer friedlichen Lösung aufrufen würde, um seine globalen Wirtschaftsinteressen zu schützen, könnte Moskau die Situation nutzen, um seinen Einfluss in Syrien, im Irak und anderen Teilen der Region auszubauen. Im schlimmsten Fall könnte die Welt Zeuge eines neuen globalen Konflikts entlang der Ost-West-Achse werden – mit allen damit verbundenen Risiken.
Obwohl nach wie vor diplomatische Kanäle existieren, die einen offenen Konflikt zwischen den USA und dem Iran verhindern oder zumindest verzögern könnten, gibt die gegenwärtige Dynamik Anlass zur Sorge. Sollten sich die Lage in den kommenden Tagen nicht stabilisieren, könnte die Welt in eine neue Phase globaler Auseinandersetzungen eintreten, wie sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt wurde.
Trotz der angespannten Lage gehen internationale Beobachter und Regierungsvertreter derzeit nicht davon aus, dass die USA unmittelbar in einen offenen Krieg mit dem Iran eintreten werden. Mehrere hochrangige US-Beamte bestätigten gegenüber Reuters, dass die Verstärkung der US-Präsenz in der Region vor allem dem Schutz eigener Truppen und Verbündeter dient, während eine direkte Beteiligung an Kampfhandlungen weiterhin ausgeschlossen wird.
Die entscheidende Frage scheint nicht mehr zu sein, ob es zu einem Konflikt kommen wird, sondern wann und mit welcher Intensität.
Und wenn dieser Krieg ausbricht, werden die Folgen nicht nur in Teheran und Tel Aviv zu spüren sein.