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WELTVEGANTAG

Veganismus – macht er uns gesund oder krank?

vegantag
FOTO: iStockphoto

Veganismus ist in unserer modernen Zeit nicht nur als Ernährungsweise, sondern auch als Lebensphilosophie aus dem Vegetarismus entstanden. Die Meinungen darüber gehen auseinander. Am 1. November feiern wir den Weltvegantag. Das nahmen wir uns zum Anlass um das Thema näher zu beleuchten.

Vegetarismus kennen wir, grob gesagt, als das Weglassen von Fleisch und Fleischprodukten aus der Ernährung. Er ist im Evolutionsprozess der Menschheit relativ spät aufgetreten, erst als alle Voraussetzungen erfüllt waren, dass der Mensch, der als Jäger und Sammler lebte, anfangen konnte zu wählen, was er essen wollte und auf welche Weise er sein Leben und seine Gesundheit bewahren wollte.

Wie auch viele andere Säugetiere war der Mensch von Natur aus für eine kombinierte Ernährung aus Lebensmitteln tierischer und pflanzlicher Herkunft eingerichtet. Einigen Bewohnern unseres Planeten haben es die Lebensumstände nicht erlaubt, viel an ihrer Art zu leben und zu essen zu ändern. Zum Beispiel kann man sich schwer vorstellen, dass es einem Inuit einfallen könnte, Vegetarier oder Veganer zu werden. Auch kann ein Mensch in seinen ersten Monaten nicht ohne Milch überleben.

„Es gibt Fälle, dass bei Menschen Allergien gegen gewisse Lebensmittel tierischer Herkunft auftreten, z.B. gegen Hühnerfleisch, Milch oder Eier, und dann wird er sie natürlich nicht essen. Es kommt auch vor, dass jemand den Geschmack oder Geruch irgendeines Lebensmittels nicht mag, und natürlich gibt es auch religiöse Gründe, dass Menschen bestimmte Fleischsorten nicht konsumieren. Manche nationalen Küchen kommen anderen Völkern aufgrund ihrer ungewöhnlichen Spezialitäten komisch vor. Aber nirgends trifft man auf eine so kategorische Ausschließlichkeit wie beim Veganismus, der der Extremfall des Vegetarismus ist. Egal, ob es sich um Lebensmittel, Kleidung, Gelatine in Medikamentenkapseln, Honig und Produkte handelt, die mit Hilfe von Tierexperimenten entwickelt wurden: Vegane lehnen unerbittlich alles ab, was mit Tieren in Beziehung steht“, erzählt Dr. Budić-Spasić, Ärztin in Wien, über ihre Erfahrungen aus ihrer Ordination.

Es gibt keinen absoluten Veganer
Diese Lebens- und Ernährungsart argumentiert vor allem mit der Behauptung, dass dies am gesündesten und auch ethisch richtig sei. Damit eine vegane Ernährung wirklich am gesündesten ist und alles enthält, was der Organismus benötigt, müssten wir mindestens 1000 verschiedene essbare Pflanzenarten, Körner und Algen verwenden, was für die meisten Veganer fast unmöglich und unerschwinglich ist. „Es ist unvermeidbar, dass es im Laufe des Lebens zu einem Mangel an bestimmten essentiellen Substanzen wie Aminosäuren, Fettsäuren und Vitaminen kommt. Statt diesen Mangel auszugleichen und die gesundheitlichen Defizite, die mit einer banalen chronischen Müdigkeit beginnen und bis hin zu Schädigungen der Schleimhaut gehen, zu korrigieren, lehnen es die Veganer meistens ab, die nötigen Präparate zu nehmen, weil sie tierischer Herkunft sind“, erklärt die Ärztin bedauernd.

„In jedem Produktionsprozess gibt es Bestandteile aus der Tierwelt“, betont die Ärztin.

Auf alles zu verzichten, was tierisch ist, ist fast unmöglich. Ein Beispiel, das vielleicht banal ist, aber die Situation gut illustriert, ist der Einsatz von Mist als Düngemittel, damit die Pflanzen auf den Feldern besser gedeihen. Das ist auch nach den Kriterien der Bioproduktion gesünder und empfehlenswerter als anorganische Dünger.

„In jedem Produktionsprozess kann man zumindest ein Element nicht umgehen, das aus der Tierwelt stammt. Es gibt Millionen Produkte und Situationen, in denen Teilchen tierischer Herkunft verborgen sind, deren sich niemand bewusst sein kann und die man auch auf der Deklaration auf der Produktetikette nicht findet. Die Liste der verborgenen Produkte tierischer Herkunft ist unendlich. Wussten Sie, dass in Zigarettenfiltern Schweineblut enthalten ist? D.h. 100% vegan – das gibt es auf diesem Planeten nicht. Darum muss man die vegane Lebensphilosophie, die manchmal auch ein psychisches Problem darstellt, in extremen Fällen auf ein vernünftiges Niveau zurückführen. Aber man muss die ethische Komponente dieses Phänomens akzeptieren, das Leben eines Elefanten und einer Ameise gleichermaßen zu achten und wertzuschätzen“, unterstreicht die Doktorin.

Veganismus als Lebensart wird am häufigsten mit dem Argument begründet, dass sie am gesündesten und ethisch am besten ist. (FOTO: iStockphoto)

Gesundheitsprobleme
Die Möglichkeit einer veganen Ernährung ist dort am größten, wo sie eigentlich gar nicht vorkommt. Denn die Einfuhr verschiedener orientalischer und südamerikanischer Getreide wie Quinoa, Bulgur und Couscous und Gemüsesorten wie verschiedener Arten von Pastinaken, Wurzelgemüse oder Tofu macht den Veganismus in Europa, wo solche Produkte nicht gedeihen und auch nicht Teil der Kultur sind, erst möglich.

„Die gesundheitlichen Folgen der veganen Ernährung sind, obwohl diese als so gesund und antikanzerogen angepriesen wird, vor allem Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Parodontose, Zahnfleischbluten, Blähungen, Durchfall, psychische Spannungszustände, Muskelschwäche, Sehstörungen, Zittern usw. Bei Veganern ist eine extreme Unterernährung und Immunschwäche erkennbar, und infolgedessen treten Pilze und opportunistische Infektionen sowie Muskelschmerzen auf.

100 % vegan gibt es auf dem Planeten Erde einfach nicht.

Eine kleine Zahl von Veganern kann sich pflanzliche orthomolekulare Präparate leisten, die man intravenös zuführt und wegen des chronischen Mangels sein Leben lang einnehmen sollte. Vitamin B12, bei dem sie sofort fragen, ob es nicht aus Fleisch gewonnen wurde, Eisen, Aminosäuren, Vitamin D, das Coenzym Q10 und eine Reihe weiterer Präparate wirken mit Sicherheit positiv auf den Gesundheitszustand eines Veganers. All diese Störungen oder sogenannten Zivilisationskrankheiten lassen sich am besten durch eine Rückkehr zur gemischten Ernährung oder zumindest zum Vegetarismus behandeln. Manchmal ist auch die Hilfe eines Psychologen nötig, denn in einigen Fällen basiert die vegane Lebensphilosophie auf einem psychischen Problem. Es kommt vor, dass auch die Mode eine wichtige Rolle spielt, denn heute finden es manche cool zu sagen: „Ich bin vegan.“, meint die Ärztin.

Veganismus im Sport
Der bekannteste Veganer der Welt ist das Tennis-As Novak Đoković. Er begann zuerst mit glutenfreier Ernährung, denn angeblich litt er unter einer Glutenintoleranz. Allerdings ging der berühmte Nole noch einen Schritt weiter und wurde Veganer, indem er sich ausschließlich aus frischen Pflanzen und Körnern ernährte. Natürlich kann er sich die hochwertigsten Nahrungsergänzungsmittel leisten, um gesund zu bleiben. Đokovićs Fans in aller Welt behaupten jedoch, dass der Verlust von Platz eins der Weltrangliste und sein immer schlechteres Spiel in den letzten Turnieren eine Folge davon ist, dass er keine Lebensmittel tierischer Herkunft mehr zu sich nimmt. Allen Kritikern, die ihm hartnäckig auf den Teller schauen, teilte Novak unlängst mit:

„Diese Ernährung hat meine Bewegungen schneller gemacht und ich fühle mich bestens“, sagt Nole. (FOTO: GettyImages)

„Ich bin nicht wegen des Tennis auf einer besonderen Ernährung, um meine Matches zu gewinnen, sondern weil das für meinen Körper gut ist. Diese Diät ist Ausdruck meiner Lebensart. Ich werde davon auch nicht abgehen, weil es nicht mehr meine Priorität ist, zu siegen, Titel zu gewinnen und der Beste der Welt zu sein. Ich habe abgenommen, aber diese Ernährung hat mir geholfen, dass meine Bewegungen schneller und genauer geworden sind, und ich fühle mich bestens“, behauptet Nole, der in Monaco ein veganes Restaurant eröffnet hat.

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