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Vidovdan: Ein Mythos als Grundlage der serbischen Identität?

Fakt versus Fiktion?
Eine der wichtigsten Figuren dieser Geschichte ist Car Lazar, welcher bereits kurz nach der Schlacht (1390/91) von der orthodoxen Kirche heiliggesprochen wurde. Ebenso bilden der Held Miloš Obilić, welcher den Sultan ermordete, und der Verräter Vuk Branković ein interessantes Held-Antiheld-Symposium für den Mythenkomplex.

Die mythische Erinnerung an den Vidovdan-, Kosovo- bzw. Amselfeldmythos besitzt einen zentralen Stellenwert in der kollektiven Identität der SerbInnen – man kann ihn als Nationalmythos der Serben bezeichnen. Die Bedeutung des Mythos ist es, eine „serbische Geistigkeit“, also eine kollektive Identität, zu kreieren und das serbische Volk zu mobilisieren. Man sollte, jedoch, aufgrund der Verschleierung von Sieg und Niederlage, zwischen den wirklichen, historischen Gegebenheiten und der literarischen und politischen Funktion differenzieren.

Oftmals wird diese Schlacht als Entscheidungsschlacht gesehen, welche den Osmanen die Unterwerfung des Balkan ermöglichte.  Dies ist aus historischer Sicht nicht tragbar, da es andere wichtige Kämpfe, wie z.B. die Schlacht an der Marica gab. Jedoch ist genau jener Gedanke der Entscheidungsschlacht einer der zentralsten des Amselfeldmythoses.

Da die Osmanen seit der Kosovo-Schlacht Jahrhunderte am Balkan herrschten, versuchte vor allem die orthodoxe Kirche dem entgegen zu wirken. Die schnelle Heiligsprechung des Caren Lazar begründete den bis heute zu spürenden Kult um den Heerführer. Bis heute ist er einer der wichtigsten Heiligen der orthodoxen Kirche. 

Eine Darstellung des Mordes von Miloš Obilić am osmanischen Sultan Murat I. (FOTO: zVg.)

Der Held den es nie gab?
Einen besonderen Stellenwert im Kult rund um den Kosovo hat Miloš Obilić – der Held der den Sultan ermordete. Bereits in den ersten 40 Jahren nach der Schlacht (1390 bis 1439) erschienen dreizehn Werke über den „Boj na Kosovu“. In diesen waren Allerdings der Teil „Kosovska večera“ aus der heutigen Version des serbischen Nationalepos „Kosovski ciklus“ und der Streit zwischen dem Helden Obilić und dem Verräter Branković noch nicht enthalten.

Bis heute ist es nicht möglich Miloš Obilić als existente historische Person nachzuweisen. Das erste Mal wird er vor 1410 im Text über die Schlacht von Ahmedi als „neki kaurin“ (Ungläubiger, Nicht-Muslime) erwähnt. Diese nicht-namentliche Erwähnung zieht sich von 1410 bis 1480, wo er nur mit diversen Eigenschaften aber niemals als Miloš Obilić beschrieben wurde. Bis zum 17. Jahrhundert erhielt er verschiedenste Namen und Bezeichnungen. Erst im Jahr 1765 wurde als Held Miloš Obilić namentlich genannt.

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