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Warum sich der Balkan in der demokratischen Steinzeit befindet!

Undemokratische Vergangenheit als Gift für die Zukunft
Die Probleme, welche aufgrund der nicht aufgearbeiteten nicht-demokratischen Geschichte der Balkanländer immer wieder aufflammen, sind heute aktueller denn je. Der Blick in die Vergangenheit und die Suche nach einer Legitimierung für das Bestehen eines eigenen homogenen Nationalstaates, sowie das Verharren auf der Beweissuche für historische Kontinuität bestimmen auch heute das politische Bild am Balkan.

Die kurze demokratische Geschichte der Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens, sowie die oben genannte Besessenheit von der Vergangenheit sind Gift für die Zukunft. 25 Jahre sind einfach nicht genügend Zeit, um bei potentiellen Wählern das Bewusstsein zu stärken bzw. erst zu bilden, dass ihre Stimme entscheidet und nicht die, die an der Spitze sitzen.

Gleichzeitig fehlt es den Menschen am Balkan an Mut zur Veränderung. Die Politiker, die seit dem Jugoslawienkrieg an der Macht sind, sind alle durch die gleiche sozialistische Schule gegangen und haben totalitäre bzw. Ein-Parteien-Systeme verinnerlicht und möchten diese in einer Demokratie durchsetzen.

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Es vergeht wohl kein Tag an welchem unter politischen oder geschichtlichen Themen auf der KOSMO-Facebookseite oder anderen Beiträgen ekelhafte Kommentare abgegeben werden. Gleichzeitig kann dir jeder Kroate, Serbe, Bosnier, usw. „die Geschichte“ seines Landes seit dessen Ursprung und jene seines Volkes seit der ersten Generation nach Adam und Eva bis in kleinste Detail nacherzählen.

 

Feige Schäfchen und ihre ewigen Schäfer
Ein Izetbegović, zum Beispiel, lebt vom Mythos rund um seinen Vater und dem Erbrecht, der Sprecher aller Bosniaken zu sein. Dodik ikonisiert seine Person auf historischer und emotioneller Ebene, ohne jeglichen Bezug zur Gegenwart.

Die serbische Elite, alla Dačić, Vučić besteht nur aus „Kindern“ und billigen Kopien der Miloševićs, Šešeljs etc. der Region. Und auch Kroatien kommt hier nicht besser weg, da Minister dort den Holocaus verleugnen, faschistische Strömungen im Land nicht sehen wollen und eine Kolinda Grabar-Kitarović wissentlich in Amerika mit Diaspora-Kroaten mit der NDH-Flagge posiert.

Aber so lange innerhalb der Bevölkerung die Macht der Demokratie nicht wahrgenommen wird, kein Mut vorhanden ist und man sich auf das frührere Fremdherrschaftsprinzip „Die oben/die Anderen machen schon was“ beruft, so wird sich, mein geliebter Balkan, einfach nichts ändern.

Wenn man jetzt ganz direkt, oder fast schon gemein ist, könnte man auch sagen, dass es dumme Schäfchen gar nicht anders verdienen. Wenn man nur blind den bösen Führern (Schäfern) nachläuft, bzw. jedes ihrer Tun einfach für voll nimmt und nicht genug Eier besitzt, um endlich mal aufzustehen, dann braucht man sich nicht wundern.

Es bleibt dem Balkan somit nur eine Möglichkeit, sich aus diesem Teufelskreis zu befreien – man muss sich von alteingesessenen Politikern und Regimen lösen und gleichzeitig als Bürger die Chance wahrnehmen, politisch aktiv zu sein. Sei das nun mit seiner Stimme oder gar aktiv als junge politische Kraft, welche sich den verstaubten Werten entgegensetzt.

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Der gebürtige Wiener hatte seine ersten Berührungspunkte mit Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien bereits im Teenageralter. Ihre Sprache faszinierte ihn sehr schnell und die Liebe zum Balkan führte ihn bis zum Abschluss des Studiums der Slawistik (B/K/S). Heute ist er ein hervorragender Kenner der Balkangeschichte, der südslawischen Sprachen sowie der kleinsten kulturellen Nuancen der bosnischen, kroatischen und serbischen Dialekte. Mit einem kritischen Blick auf dem Balkan, schreibt er seine Texte aus einer besonderen, transslawischen, internationalen Perspektive, und seine Kritik lässt niemanden unberührt.