Zwischen Meer, Hitzewellen und mystischen Socken: Der Sommer bringt für Reisende und Gläubige besondere Herausforderungen und spirituelle Erlebnisse.
Der Heilige Vasilije Ostroski, dessen Gedenktag immer am 12. Mai begangen wird, genießt als großer Wundertäter besondere Verehrung. Seine in den Felsen des montenegrinischen Klosters Ostrog ruhenden Reliquien ziehen jährlich Tausende Pilger an – unabhängig von Glaubensrichtung, Herkunft oder Alter. Geboren als Stojan Jovanovic in Popovo Polje bei Trebinje, wurde er bereits mit zwölf Jahren ins Kloster Zavala geschickt, wo sein Onkel Serafim als Abt wirkte.
Nach seiner Ausbildung und Mönchsweihe diente er als Pfarrer in seiner Heimatregion und später in verschiedenen Städten – von Mostar über Herceg Novi und Pljevlja bis nach Moraca, Ogonosto und Bjelopavlici. Nach seinem Tod 1671 fanden seine sterblichen Überreste im Kloster Ostrog ihre letzte Ruhestätte, das bis heute Gläubige aus aller Welt anzieht.
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Für viele Menschen verkörpert der Name des heiligen Vasilije Hoffnung, Glauben und wundersame Heilung. Sein Gedenktag gilt nicht nur als liturgisches Fest, sondern als besonderer Moment, in dem laut Volksglauben „himmlische Kräfte zu den Menschen herabsteigen“. Die Pilger kommen nicht mit leeren Händen: Traditionell bringen sie Öl, Weihrauch und Baumwolle mit, doch das charakteristischste Geschenk sind weiße Wollsocken.
Diese Gaben werden neben den Reliquien platziert, um die Nacht in der Nähe des Heiligen zu verbringen. Der Glaube besagt, dass alles, was seine Gegenwart berührt, heilende Kräfte erhält. Besonders die schlichten weißen Socken tragen dabei eine tiefere, fast mystische Bedeutung.
Nächtliche Wanderung
Der Überlieferung nach „erhebt sich der Heilige Vasilije jede Nacht aus seinem Sarg und wandert durch die Felsen von Ostrog“. Diese Legende wird sowohl von Priestern als auch vom Volk weitergegeben, und viele berichten von ungewöhnlichen Phänomenen. Besonders eindrucksvoll ist der Glaube, dass Socken, die abends neben den Reliquien zurückgelassen wurden, am Morgen Spuren des Gebrauchs aufweisen.
Zahlreiche Geistliche haben im Laufe der Jahrhunderte berichtet, dass zuvor unversehrte Wollsocken am nächsten Morgen Risse zeigten. Deshalb werden weiße Socken geopfert – damit der Heilige sie bei seinen nächtlichen Gebetswanderungen tragen kann. Der Legende nach hinterlässt der nächtliche Gang des Heiligen schwarze Spuren auf den Socken, die die Mönche am Morgen entdecken.
Pilger bringen daher neben Öl und Wein häufig selbstgestrickte Wollsocken als Gabe mit. Viele lassen auch persönliche Gegenstände von Angehörigen, die nicht selbst kommen können, über Nacht neben dem Reliquienschrein und bringen sie dann als gesegnete Objekte zurück.
Ort für Liebesversprechen
Ostrog ist zudem ein Ort für Liebesversprechen. Dem Volksglauben nach wird ein Paar, das Hand in Hand durch das Klostertor schreitet, für immer zusammenbleiben. Ihre Verbindung soll stark und fruchtbar werden. So ist es keine Seltenheit, verliebte Paare – oft künftige Brautleute – zu sehen, die geduldig darauf warten, gemeinsam unter die Gewölbe des Heiligtums zu treten.
Der Heilige Vasilije Ostroski wird nicht nur als Beschützer verehrt. Für viele verkörpert er Trost, Kraft und Licht in dunklen Zeiten. Menschen suchen ihn mit Gebeten, Hoffnung und Glauben auf. Und wer sich aufrichtig an ihn wendet, kehrt oft innerlich verwandelt zurück.
Das Fest des Heiligen Vasilije wird in stiller Einkehr und geistiger Sammlung begangen. Die Speisen können je nach Wochentag Fasten- oder Fleischgerichte umfassen – fällt der Gedenktag auf einen Mittwoch oder Freitag, ist Fasten angesagt. An anderen Tagen sind Fleischspeisen erlaubt. Entscheidend ist jedoch nicht die Art der Speisen, sondern wie der Tag verbracht wird: in Frieden, Gebet und Dankbarkeit.
Der Volksglaube besagt, dass am 12. Mai Gebete besonders schnell erhört werden und sich die Himmelspforten weiter als sonst öffnen. Nur eine Tradition sollte unbedingt eingehalten werden – der Besuch des Klosters Ostrog.