Seit Jahren werde ich überredet, wenigstens einen Teil des Sommers an einer ausländischen Meeresküste zu verbringen. Und doch – ich kann mich einfach nicht dazu durchringen, denn tief in mir pflege ich stur die Erinnerungen an eine wunderschöne, aber längst vergangene Zeit…
Wohin es früher ging
Meine jungen Freunde wissen oft schon im November, wohin sie im kommenden Sommer wie Zugvögel ans Meer fliegen werden. Zu dieser Zeit sind die Preise für Reservierungen noch günstig, und die Entscheidung hängt vor allem von der Anzahl der Sterne des Hotels ab. Wichtig ist ihnen, dass es sich um ein „All-Inclusive“-Angebot handelt, damit exotische Cocktails auch direkt im Wasser serviert werden, das Buffet keine Wünsche offenlässt – bis hin zur sprichwörtlichen „Vogelmilch“ – und die Handtücher weich genug sind für ihre empfindliche Haut an den edleren Körperstellen.
Sie sagen, dass die Adria nicht den nötigen Komfort bietet, um die hohen Preise zu rechtfertigen, und so werden Länder wie die Türkei, Ägypten, Tunesien und Griechenland zu den beliebtesten Reisezielen. Versteht mich nicht falsch – am Ende ist alles eine Frage des Geschmacks, der Wünsche und des Geldbeutels. Junge Menschen kennen keine Grenzen, und Erinnerungen halten sie nicht gefangen – so wie uns, die wir in die Jahre gekommen sind.
Die Reise ans Meer
Um das alles besser zu verstehen, möchte ich versuchen, ein Stück meiner Erinnerungen an die Adria in Worte zu fassen – jenes Meer, an dem meine Generation vor Jahrzehnten dauerhaft vor Anker gegangen ist. Denn es war das einzige Meer, das wir kannten – abgesehen von dem Globus, auf dem wir problemlos auch andere finden konnten.
Man reiste mit dem Bus, mit der Bahn oder – wer es sich leisten konnte – im eigenen „Fića“, „Stojadin“ oder einem anderen der damals gängigen Fahrzeuge, zusammen mit dem gesamten Gepäck. Ganz gleich, wie lange die Fahrt dauerte – man schwitzte ohne Klimaanlage. Was es nicht gab, vermisste man auch nicht, oder? Im Übrigen weiß ich bis heute nicht, ob es damals überhaupt klimatisierte Verkehrsmittel auf dem Markt gab.

Vielleicht denkt jetzt jemand, dass wir rückständig waren – aber man darf nicht vergessen, dass ich von der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts in der damaligen, noch großen Jugoslawien schreibe. Aber zurück zur langen Reise ans Meer: Ein gebratenes Hendl galt als Festmahl, und Leitungswasser – auch wenn es warm war – wurde ohne Murren getrunken.
Rauchen war in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht verboten, und niemand beschwerte sich über den dichten Rauch. Wenn es keine Reservierungen gab, wurde im Zug auf dem Gang geschlafen. Doch die Jugend hielt alles aus – für ein paar Wochen Meer, egal ob in Istrien oder Ulcinj.
Einfache Unterkünfte
Natürlich gab es damals auch Hotels an der Adria, aber unsere Mittelschicht konnte sie sich kaum leisten.
Im Norden wohnten in den Hotels oft österreichische und deutsche Zimmermädchen, Metallarbeiter oder andere Vertreter der westlichen Arbeiterklasse. Im Süden waren es Gäste aus Osteuropa – vor allem aus der damaligen Tschechoslowakei. Unsere Arbeiterklasse verbrachte ihren Urlaub meist in großen Gewerkschaftsferienheimen, die von den Betrieben entlang der Küste gebaut wurden. Neben schlichter Unterkunft gab es dort meist eine Kantine mit drei sättigenden Mahlzeiten täglich. Das war unser „YU-All-Inclusive“ – inklusive Kulturabenden, die von den Gästen selbst organisiert wurden.
Man sang Schlager, veranstaltete Wettbewerbe – langweilig war es nie. Kinder und Jugendliche waren gut aufgehoben, und erste Urlaubsflirts am Meeresufer wurden unvergesslich. Manche davon entwickelten sich sogar zu lebenslangen Lieben.
Auch Campingplätze waren beliebt – auch ohne Auto. Hauptsache man hatte ein Zelt und das nötige Zubehör, um direkt an der Gischt des Meeres zu zelten.
Gemeinschaftstoiletten, kalte Duschen und Gaskocher für Kaffee oder einfache Mahlzeiten gehörten zur Grundausstattung. Schön war das alles – abgesehen von Mücken und anderem Getier. Komfort? Fehlanzeige. Auch Privatunterkünfte waren damals weit verbreitet – günstig und praktisch, sowohl für Gäste als auch für die Einheimischen. Viele Familien schliefen den ganzen Sommer über auf dem Boden eines Zimmers, um alle Betten an Touristen zu vermieten. Eine willkommene Einnahmequelle.

Strandleben damals
Wenn man sich heute alte Fotos von Stränden ansieht, ist man selbst als Zeitzeuge überrascht. Egal ob Kies- oder Sandstrand – sie waren voller Menschen, die einfach ganz „normal“ waren. Und das ist durchaus positiv gemeint.
Liegestühle gab es kaum, und Luxus bestand aus einem Sonnenschirm oder einer Luftmatratze. Der größte Unterschied zu heute: Es gab keine Handys. Die Leute unterhielten sich, spielten Karten, jagten dem Ball nach.Man hörte oft Musik aus batteriebetriebenen Radios – ein echter Luxus. Niemand störte sich an den Sommerhits der damaligen Zeit, ganz im Gegenteil.
Der Hunger kam schnell, und überall sah man Familien, die mit Appetit Brot mit Pastete aßen, dazu Käse, Tomaten und Wasser. Ich erinnere mich mit Nostalgie an Kinder, denen die Mütter riesige Stücke Wassermelone gaben – das Fruchtfleisch lief ihnen über Hände, Arme und nackte Bäuche. Nur Wespen konnten die Idylle stören.
Schönheitsideale und Mode
Damals galten noch natürliche Maßstäbe. Von Frauen wurde nicht erwartet, schlank, durchtrainiert oder künstlich aufgebessert zu sein.
Ästhetische Medizin war kein Thema – man trug, was Mutter Natur einem mitgegeben hatte.
Körperbehaarung war kein Thema – Frauen zeigten sich ungeniert. Die Mode? Zwei, drei Kleider von der Schneiderin reichten für den Abendspaziergang. Aus Hotelgärten klang Live-Musik, Ćevapčići oder ein Eis galten als Luxus. Am schönsten aber: Gitarre am Strand bis zum Morgengrauen.
Zum Schluss…
Zum Abschluss meines kleinen Spaziergangs durch die Erinnerung: Früher war nicht alles besser. Heute ist vieles komfortabler und vielfältiger – doch unsere Erinnerungen sind das Fundament unserer Identität.
Statt uns für die Vergangenheit zu schämen, sollten wir unsere Wurzeln bewahren.
Ich breche auf zur Adria – euch allen einen unvergesslichen Sommer!