Wien: Vermehrt KO-Tropfen-Übergriffe im Sommer

LIQUID ECSTASY & CO.

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Wien: Vermehrt KO-Tropfen-Übergriffe im Sommer

(FOTOS: iStockphotos)

Wie der 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien berichtet, haben die gemeldeten Fälle in den letzten zehn Jahren stark zugenommen.

In erster Linie handelt es sich bei den gemeldeten Fällen um junge Frauen, die im Zuge vom Fortgehen oder bei Festen (durchaus auch im „Freundeskreis”) Opfer von KO-Mittel Verabreichung wurden und sich dann bei dem 24-Stunden Frauennotruf melden. Tatvorsatz ist in den meisten Fällen sexualisierte Gewalt.

Diese Substanzen wie GHB, auch als Liquid Ecstasy bekannt, wirken unterschiedlich, je nach körperlicher Verfassung, wie lange die letzte Mahlzeit zurückliegt, Alkoholgenuss, Medikamenten- oder Drogenkonsum. Je nach Dosierung reicht die Wirkung von Entspannung, sexueller Enthemmung bis hin zu tiefer Bewusstlosigkeit, die auch lebensbedrohlich sein kann. KO-Tropfen sind farb- und geruchlos, schmecken salzig bis seifig, sind jedoch in Mixgetränken kaum wahrnehmbar.

Starker Anstieg
Während der 24-Stunden Frauennotruf der Stadtwien vor drei Jahren noch 89 Beratungsgespräche mit mutmaßlichen Opfern führte, so waren es vergangenes Jahr bereits 121. „Das kann allerdings auch daran liegen, dass die Bevölkerung sensibler für das Thema geworden ist und deswegen eher daran denkt, Übergriffe zu melden“, sagt Stellvertretende Leiterin Martina K. Steiner gegenüber dem ORF. „Da in den Sommermonaten tendenziell mehr Parties und Festivals stattfinden, ist auch hier die Zahl der Übergriffe höher.“ Die Häufung im Sommer bestätigte auch das Forensisch-Toxologische Labor (FTC) in Wien.

„Opfer sollten nicht duschen“
Steiner fügte hinzu, dass Opfer vor dem Gang ins Krankenhaus nicht duschen sollten. Auf diese Weise könne man noch eventuelle Spuren einer Vergewaltigung sichern. Auch die Kleidung, die am Tag der Tat getragen wurde, sollte nicht gewaschen werden, um als Beweismittel dienen zu können.

Ebenso verwies der 24-Stunden Frauennotruf auf eine hohe Dunkelziffer an Opfern von KO-Tropfen. Aufgrund schwerer Beweisbarkeit hätten sie oft Angst, unglaubwürdig zu wirken und würden daher den Vorfall gar nicht erst melden.

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