Wo sonst kein Handtuch mehr Platz findet, herrscht nun gähnende Leere. Montenegros Strände bleiben in der Hochsaison verwaist – ein Schock für die Tourismusbranche.
Tourismuskrise
An Montenegros Küste herrscht gespenstische Leere, wo sonst um diese Jahreszeit kaum ein Durchkommen ist. Der Strand Zanjice, normalerweise ein Hotspot für Sonnenanbeter, präsentiert sich Mitte Juli um 10 Uhr morgens völlig verlassen. Zu einer Zeit, in der üblicherweise kein Liegestuhl mehr frei und jeder Quadratmeter Sand mit Handtüchern belegt wäre, dominiert nun die Abwesenheit von Touristen das Bild.
Dieses Phänomen beschränkt sich nicht auf einzelne Küstenabschnitte. In sozialen Netzwerken kursieren Videos aus dem sonst überlaufenen Budva, die dasselbe trostlose Szenario zeigen: Reihen leerer Liegestühle und menschenleere Promenaden. Der Kontrast zu den Vorjahren könnte kaum grösser sein – wo früher dichtes Gedränge herrschte, breitet sich jetzt eine beunruhigende Stille aus.
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Dramatische Zahlen
Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Bereits 2024 verzeichnete Montenegro einen spürbaren Rückgang der Touristenzahlen aus wichtigen Herkunftsländern. Die Besucherzahlen aus Deutschland gingen um rund ein Prozent zurück, während auch die traditionell starken russischen Gästeströme weiter sanken. Diese Entwicklung hat sich 2025 dramatisch verschärft – zahlreiche Küstenorte kämpfen nun ums wirtschaftliche Überleben.
Schockierte Reaktionen
„So etwas habe ich seit Jahren nicht erlebt. Früher musste ich schon im April Liegestühle reservieren, jetzt kann ich praktisch frei wählen„, kommentieren Nutzer in sozialen Medien die besorgniserregenden Aufnahmen. Lokale Vermieter sehen die Ursachen auf mehreren Ebenen: Das überhöhte Preisniveau, die wachsende Konkurrenz durch Nachbarländer und der zunehmend angeschlagene Ruf des Landes als Urlaubsdestination.
Verschärft wird die Situation durch strukturelle Probleme wie lange Wartezeiten an den Grenzen und unzureichende Verkehrsverbindungen, die potenzielle Urlauber bereits bei der Anreise abschrecken. Bürokratische Hürden und eine ineffiziente Verwaltung der touristischen Infrastruktur tragen zusätzlich zur Krise bei.
Wirtschaftliche Folgen
Viele Stammgäste, die jahrelang nach Montenegro reisten, entscheiden sich inzwischen für alternative Ziele – von Griechenland und der Türkei über Albanien bis hin zu Urlaubsregionen in Südserbien. In einer Branche, in der jeder einzelne Gast zählt und der Sommertourismus über die wirtschaftliche Bilanz des gesamten Jahres entscheidet, sind diese Bilder mehr als nur beunruhigend.
Die Regierung reagiert mit angekündigten Investitionen in Flughäfen und Straßen, um die Anbindung zu verbessern und das touristische Angebot zu diversifizieren. Ob diese Maßnahmen rechtzeitig greifen, um die aktuelle Krise zu bewältigen, bleibt fraglich.
Sie sind ein Alarmsignal für die gesamte Tourismuswirtschaft.