Živorad Milošević: „Das Jugendamt hat Mitschuld am Tod meiner Töchter!“

EXKLUSIV

Živorad Milošević: „Das Jugendamt hat Mitschuld am Tod meiner Töchter!“

4990
Živorad Milošević
FOTO: KOSMO

Teile diesen Beitrag:

Die Nachricht, dass in Wien eine Mutter und ihre beiden Töchter verhungert sind, fand ein Echo in der ganzen Region. Es gab fast kein Medium, das nicht über die Tragödie berichtete, und über den Vater der Kinder kursierten allerhand Anschuldigungen. KOSMO veröffentlich nun seine ehrliche Beichte.

Živorad Milošević (55) ist in einem Dorf bei Kraljevo geboren. In Österreich lebt und arbeitet er seit 34 Jahren, von Beruf ist er Schlosser und arbeitet seit 27 Jahren bei derselben Firma. Er war mit seinem Leben zufrieden und wurde glücklich, als er bei einem Besuch in der Heimat Vesna kennenlernte, ein Mädchen aus demselben Dorf. Sie verliebten sich und heirateten schon bald. Anfang 2001 wurde die Ehe mit der Geburt der Zwillinge Suzana und Tanja gekrönt. Die Geschichte, die so märchenhaft begann, endete jedoch in einer Tragödie, und viele Medien gaben Živorad die Schuld daran. Als die Beschuldigungen jedes Maß überstiegen, aber niemand der selbsternannten Richter seine Stellungnahme dazu hören wollte, öffnete der unglückliche Mann sein Herz in der Redaktion unseres Magazins. Wir bringen Ihnen das Interview mit Živorad, einem gebrochenen Mann, der in tiefes Schwarz gekleidet ist. Er weint nicht, sondern schluchzt verzweifelt, als er über das vergangene Glück spricht, das sich in schreckliches Leid verkehrte, hervorgerufen durch die Krankheit seiner Frau.

KOSMO: Haben Sie Vesna schon als Kind kennengelernt?
Živorad MIlošević: Wir kannten uns nicht, denn ich habe das Dorf früh verlassen. Zuerst bin ich wegen der Schule nach Kraljevo gegangen, dann nach Wien zu meiner Schwester, wo ich auch geblieben bin. Aber als ich sie kennengelernt habe, habe ich mich schnell in sie verliebt, und auch sie konnte ihre Gefühle nicht verbergen. Nach der Heirat blieb sie in Serbien, solange wir auf ein Visum für Österreich warteten, und dort wurden auch unsere Töchter geboren. Ich bin ständig nach Hause gefahren und habe ungeduldig darauf gewartet, sie endlich mit nach Österreich zu nehmen. 2002 kamen sie endlich nach und unser gemeinsames Leben begann. Ich war glücklich, dass die Familie zusammen war, und unsere einjährigen Töchter waren meine ganze Freude. Ich fand es nicht schwer, von morgens bis abends zu arbeiten, damit meine Familie besser leben konnte.

Wie hat sich Ihr Frau an das neue Leben gewöhnt?
Ich habe über Freunde versucht, für Vesna eine Arbeit zu finden, denn ich dachte, dass ihr eine Veränderung guttun würde, damit sie nicht nur mit den Kindern zusammen ist. Leider zeigte sie von Anfang an Symptome einer psychischen Unausgeglichenheit. Sie sagte ständig, dass sie Stimmen hörte, selbst wenn in der Wohnung totale Stille herrschte. Sie beschwerte sich, dass jemand über sie redete und ihr schaden wolle, und was das Schlimmste war, sie lehnte es ab, sich mit den Kindern zu beschäftigen, denn die Stimmen in ihrem Kopf behaupteten, die Töchter seien ihre Feinde. Ich habe bis zu zwölf Stunden täglich gearbeitet, aber meine Schwester, Nachbarinnen und Freundinnen der Familie sind eingesprungen. Es war sehr schwer, aber ich habe mich nach Kräften um meine Frau gekümmert. Wenn ich von der Arbeit kam, war ich die ganze Zeit bei den Kindern und ihr und habe ihnen jeden freien Moment gewidmet.

Waren Sie mit Ihrer Frau beim Arzt?
Natürlich, und die Diagnose war vernichtend – sie hatte Schizophrenie. Sie bekam Medikamente und mir wurde gesagt, dass ich sie, wenn sich der Zustand verschlechtern sollte, in die Spezialklinik auf der Baumgartner Höhe bringen könnte. Später erzählten mir Leute aus unserem Dorf, dass Vesna bereits als Schulkind Anzeichen einer psychischen Störung gezeigt hätte, dass ihre Eltern sich aber bemüht hätten, das zu verstecken. So haben sie auch mir, als ich aus Wien kam, nicht erzählt, dass sie nach der Geburt unter einem postpartalen Syndrom litt.

SCHIZOPHRENIE. Psychiater stellten für Vesna Milošević eine vernichtende Diagnose.

War sie aggressiv?
Nein, sie schwieg nur schlecht gelaunt. Sie konnte stundenlang vor der Wohnungstür sitzen und sagen, dass sie darauf wartete, dass jemand sie abholen würde. Einmal sagte sie, sie warte auf einen Arzt, aber meistens definierte sie nicht, wer die erwartete Person war. Einmal fand meine Schwester sie halbnackt im Treppenhaus des Gebäudes mit gepackten Koffern und den Kindern. Sie sagte, sie erwarte einen Psychiater aus Serbien, der sie abholen sollte. Damals sagte der Arzt, den wir aufsuchten, dass die Kinder niemals mit der Mutter alleine bleiben dürften.

Wie haben Sie alle sich gegenüber Ihrer Frau verhalten?
Sie tat mir sehr leid, es war furchtbar für mich, wie meine Frau immer stärker erkrankte. Die Ärzte hatten betont, sie müsse immer eine Therapie gegen Schizophrenie einnehmen. Als es extrem schwierig wurde, habe ich sie als Notfall zum Arzt gebracht und gefragt, ob sie sich im Krankenhaus vielleicht schneller erholen würde. Die Antwort war, das Wichtigste sei, dass sie ihre Medikamente regelmäßig einnähme, und die Nähe der Familie sei für sie sicher besser als ein Krankenhaus.

Ihre Träume vom Familienleben haben sich nicht erfüllt. Waren Sie sehr unglücklich?
Es war sehr schwer für mich, ich wusste nicht, was ich tun sollte. Es gab Zeiten, in denen sie ihre Medikamente einnahm und diese wirkten. Dann kommunizierte sie normal mit den Leuten und verließ die Wohnung problemlos alleine. Wenn es wieder zu einer Verschlechterung kam, gaben ihr die Ärzte eine neue, stärkere Therapie, und ich glaubte, wir würden es schaffen, die Krankheit gemeinsam zu besiegen. Leider war sie, wenn wir nach Serbien fuhren, immer bei ihren Eltern, die sie überredeten, die Medikamente abzusetzen, weil sie sich damit vergiften würde.

Živorad Milošević
FOTO: KOSMO

Wo hatten Sie in dieser schweren Situation ihr Ventil?
Am besten fühlte ich mich in der Firma, in der ich arbeite. Ich wusste, dass Vesna bei meiner Schwester, der Nachbarin oder einer Freundin in guten Händen war, und die Arbeit war für mich echte Erholung. Ich habe mich bemüht, nicht über mein schreckliches Problem nachzudenken.

Haben Sie Alkohol getrunken?
Am Wochenende trank ich öfter ein Bier pro Tag. Ich habe außerhalb Wiens gearbeitet und musste Auto fahren, und in der Arbeit trinkt man natürlich nicht. Zu Hause habe ich mich am Abend um die Kinder und meine Frau gekümmert, da ist mir Alkohol gar nicht in den Sinn gekommen. So war es damals und so ist es noch heute.

„Sie saß oft stundenlang vor der Wohnungstür. Einmal fand meine Schwester sie halbnackt mit ihren Sachen und den Kindern im Stiegenhaus.“

– Živorad Milošević

Hat das Verhalten Ihrer Frau Sie manchmal wütend gemacht?
Um ehrlich zu sein, ja. Sie hat viel geflucht, das ist mir auf die Nerven gegangen und ich habe sie gebeten, damit aufzuhören. Aufgrund ihrer Krankheit habe ich mich beherrscht, damit sie nur ruhiger wird. Manchmal hatte ich Angst, denn es kam vor, dass ich nachts aufwachte, und sie saß im Bett und schaute mich nur an.

Seien Sie ehrlich: Haben Sie sie im Streit jemals geschlagen?
Ja, einmal ganz am Anfang unserer Ehe, als sie nach Wien kam. Später, als klar wurde, dass sie krank war, habe ich niemals die Hand gegen sie erhoben.

Haben Sie an Scheidung gedacht?
Ja, gleich zu Anfang, als ich sah, dass unsere Ehe wegen ihres Verhaltens nicht funktionierte. Damals wusste ich noch nicht, dass sie krank war. Später, als die Krankheit fortschritt, wurde ich ihre Geisel und habe keine Scheidung mehr erwogen.

Haben Sie an den Kindern Auswirkungen der Krankheit der Mutter bemerkt?
Nein. Sie waren gute Kinder. Sie waren von meiner Liebe und Aufmerksamkeit umgeben und auch meine engagierte und aufopfernde Schwester war für sie da, denn Vesna konnte sich nicht um sie kümmern. Manchmal haben sie sich beschwert, dass ihre Mutter schimpfte, aber ich habe sie überzeugt, dass sie es in diesen Momenten nicht böse meinte.

Wie ist es dazu gekommen, dass Ihre Frau mit den Kindern in ein Frauenhaus gegangen ist?
Ich bin immer zu den Elternversammlungen gegangen und habe mit den Lehrern gesprochen. Allerdings hat unsere Tanja, als sie schon zwölf Jahre alt war, sich einmal geweigert, am Sportunterricht teilzunehmen, und da hat die Beratungslehrerin ihre Mama zum Gespräch eingeladen und Vesna ist – nach Absprache mit mir – dort auch hingegangen. Als ich an diesem Abend nach Hause kam, war meine Familie nicht da. Das war im Oktober 2013. Ich dachte, sie wären irgendjemanden besuchen gegangen, als sie jedoch um 20 Uhr noch nicht heimgekommen waren, begann ich, herumzutelefonieren, aber ich konnte sie nirgendwo finden. Ich ging zur Polizei und meldete ihr Verschwinden, und die telefonierte mit den Krankenhäusern, ebenfalls erfolglos. Dann begann ich, persönlich zu allen Krankenhäusern zu fahren und fand sie auch nirgendwo. Ich hatte schreckliche Angst, vor allem, weil meine Frau so schwer krank war. Auch meine Schwester und meine Freunde halfen bei der Suche, und dann erwähnte eine Freundin, dass Vesna vor einiger Zeit gesagt hätte, dass sie mit den Kindern in ein Frauenhaus gehen wollte. Das wusste auch meine Schwester, aber sie hatte mir nichts davon gesagt, denn sie wollte mich vor weiteren Sorgen schützen. Sie hatten diese Geschichte als eine weitere kranke Obsession meiner Frau angesehen. Sie wussten, dass Frauenhäuser für misshandelte Frauen da sind, und das war Vesna nicht. Leider glaubte ihr das Jugendamt und brachte sie mit den Kindern in das Frauenhaus, wie mir schließlich die Polizei erklärte.

Živorad Milošević
SCHMERZ. „Ich habe überall versucht herauszufinden, wo meine Kinder sind, in welche Schule sie gehen, ob es ihnen gut geht.“ (FOTO: KOSMO)

Was war Ihr nächster Schritt?
Am folgenden Tag ging ich zum Gericht und bat, dass man auf meine Kinder achten sollte, weil ihre Mutter krank war. Dann erfuhr ich, dass Vesna bei dem Gespräch mit der Beratungslehrerin erzählt hatte, dass ich sie und die Kinder schlagen würde, was auch die Mädchen bestätigten, und die Lehrerin hatte sofort das Jugendamt alarmiert. Und so kamen sie ganz schnell ins Frauenhaus und gegen mich wurde ein Kontaktverbot gegenüber meiner Frau und den Kindern ausgesprochen. Die Dokumente über Vesnas Krankheit erkannten sie nicht an und die Frau vom Jugendamt behauptete vor Gericht, dass sie keine Anzeichen von Schizophrenie gesehen habe und dass sie glaube, ich sei gewalttätig. Neben der Sorge um die Kinder war ich auch über die ungerechtfertigte Beschuldigung sehr deprimiert. Die zuständigen Stellen ließen nicht zu, dass die Kinder ihre Beschuldigungen in meiner Gegenwart vorbrachten. Ich hatte mich bemüht, ihnen ein schönes Leben zu bieten, und hatte von morgens bis abends gearbeitet. Ich hatte meinen Kindern das Radfahren beigebracht, hatte viel mit ihnen gelacht, war ein guter Vater gewesen. Sie behielten meine Kinder drei Jahre lang im Frauenhaus und entzogen mir die Obsorge. Die Zeitungen haben geschrieben, dass Vesna dreimal ins Frauenhaus geflüchtet sei, aber das ist eine Lüge! Sie sind einmal weggegangen und niemals zurückgekommen.

Haben Sie versucht, Informationen über ihre Kinder zu bekommen, und wenn ja, von wem?
Natürlich habe ich das versucht, vom Jugendamt über das Gericht bis zu den Anwälten… Von allen, von denen ich gehört habe, sie seien zuständig. Alles war vergebens. In der Zwischenzeit haben sich Vesna und ich auf meine Initiative hin scheiden lassen. Damals habe ich sie vor Gericht gesehen. Sie schaute mich an und lachte mir ins Gesicht und ich habe vor Ohnmacht gezittert.

Was werfen Sie dem Jugendamt vor?
Sie haben ein gefährliches Spiel begonnen und die ganze Zeit weitergespielt, und das hat am Ende zum Tod meiner Töchter und ihrer Mutter geführt. Sie haben ihre Therapie beendet, die Vesna trotz gelegentlicher Abstürze elf Jahre lang in einem einigermaßen guten Zustand gehalten hat. Ich weiß nicht, wie ihre Psychiater sind, die behauptet haben, dass sie im Frauenhaus gesund war. Das Jugendamt hat mich und meine Schwester aufgrund von Vesnas Behauptungen wegen Gewalt angezeigt, aber das Landesgericht hat uns aufgrund des Gutachtens eines unabhängigen Psychiaters freigesprochen. Er hatte angegeben, dass sie unter Schizophrenie leidet und unfähig ist, sich selbständig um die Kinder zu kümmern. Leider hat mir dieses Urteil das Sorgerecht nicht zurückgegeben. Ich wurde weiterhin wie das schlimmste Monster behandelt. Zum Scheidungsverfahren erschien sie angeblich gesund, nach der Diagnose eines Psychiaters, den das Jugendamt engagiert hatte. Ich beantragte damals, dass die Kinder, wenn ich sie schon nicht bekommen konnte, jemand anderem übergeben würden, damit ich ruhiger sein könnte. Aber auch das wurde abgelehnt. Es wurde beschlossen, dass ich Vesna 4.000 Euro zahlen, ihr eine Waschmaschine und einen Kühlschrank kaufen und natürlich Unterhalt zahlen musste. In der ganzen Zeit hat mich das Jugendamt nur einmal angerufen und gefordert, dass ich einen Antrag auf Ausstellung von Reisepässen für die Kinder unterschreiben sollte, was ich natürlich auch getan habe.

Auf der nächsten Seite geht es weiter…

Teile diesen Beitrag: