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Immobilientraum

1-Euro-Haus: Urlauberin schlägt zu – dann kommt die Kostenfalle

1-Euro-Haus: Urlauberin schlägt zu – dann kommt die Kostenfalle
FOTO: iStock
2 Min. Lesezeit |

Ein britisches Paar träumte seit langem von einem Eigenheim in Italien und stieß auf ein verlockendes Angebot in Mussomeli auf Sizilien: ein Haus für symbolische einen Euro. „Wir wollten schon immer ein Haus in Italien und waren in der Vergangenheit schon einmal auf Sizilien im Urlaub“, erklärten sie mit Begeisterung. Doch der anfängliche Enthusiasmus wich bald der Ernüchterung.

Die Eltern von Sally Boole hatten von der Initiative erfahren und ihre Tochter darauf aufmerksam gemacht. „Wir haben uns in Mussomeli und die sizilianische Kultur verliebt“, schilderte Boole. Nach der Besichtigung von 15 Objekten entschied sich das Paar rasch für ein Favoritenobjekt.

Versteckte Kosten

Der symbolische Kaufpreis stellte jedoch nur die Spitze des Eisbergs dar. Es folgten administrative und juristische Gebühren von 3.500 Euro sowie Steuerabgaben in Höhe von 800 Euro. Die größte Herausforderung offenbarte sich jedoch im Zustand der Immobilie. Die Substanz war erheblich sanierungsbedürftig, und nach ersten Kalkulationen müssen die neuen Eigentümer weitere 35.000 Euro investieren – trotz geplanter Eigenleistung bei den Renovierungsarbeiten.

Wie bei vielen ähnlichen Projekten verpflichten sich die Käufer in Mussomeli, innerhalb eines festgelegten Zeitraums – meist zwischen einem und drei Jahren – die notwendigen Renovierungsarbeiten durchzuführen. Zahlreiche italienische Gemeinden sichern sich zusätzlich durch eine Kaution ab, die erst nach erfolgreichem Abschluss der Sanierung zurückerstattet wird.

Erfolgreiche Initiative

Dennoch bleibt das Konzept der 1-Euro-Häuser in Italien wirtschaftlich attraktiv, da die Gesamtinvestitionen im internationalen Vergleich moderat ausfallen. Bei manchen Gemeinden wird bereits in den Ausschreibungen transparent kommuniziert, dass Käufer bestimmte Summen in die Modernisierung investieren müssen, um den Vertrag abschließen zu können.

In Mussomeli wurden mittlerweile 500 solcher Immobilien veräußert, was die Gemeindeverwaltung als durchschlagenden Erfolg wertet. Die sizilianische Gemeinde spricht gezielt internationale Käufer an, um die lokale Wirtschaft und das Gemeinschaftsleben zu stärken.

Langfristig zeigt sich, dass das 1-Euro-Haus-Modell in Mussomeli und vergleichbaren Orten tatsächlich zur Wiederbelebung der historischen Ortskerne beiträgt. Durch die Restaurierung leerstehender Gebäude und die Ansiedlung neuer Bewohner aus dem In- und Ausland gewinnen die Gemeinden wieder an Dynamik. Dennoch bleibt der demografische Wandel eine Herausforderung, da die Abwanderung junger Menschen in größere Städte weiterhin anhält und die nachhaltige Entwicklung stark von der erfolgreichen Integration der neuen Eigentümer abhängt.