Vom Pflegedienst zur Erpressung: Eine 27-Jährige und ihr Partner nutzten intime Fotos, um einen 88-jährigen Wiener um sein Vermögen zu bringen.
Ein Wiener Gericht verhängte am Dienstag rechtskräftige Haftstrafen gegen ein Paar, das einen 88-jährigen Pensionisten mit kompromittierenden Fotos erpresst hatte. Die 27-jährige Frau muss für 20 Monate, ihr Partner für 22 Monate ins Gefängnis. Dem Opfer hatten die Verurteilten insgesamt 160.000 Euro abgenommen.
Die Verurteilte war zuvor als Pflegehilfe für die Ehefrau des betagten Mannes tätig gewesen. Der Pensionist entwickelte offenbar Gefühle für die deutlich jüngere Frau. Nachdem sie ihm von finanziellen Schwierigkeiten berichtet hatte, überwies er ihr zunächst freiwillig rund 20.000 Euro.
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Als das Arbeitsverhältnis im Herbst des Vorjahres endete, vereinbarten der Senior und die ehemalige Pflegerin den Austausch von Nacktaufnahmen über WhatsApp. Der 88-Jährige überwies daraufhin weitere 40.000 Euro an die Frau, stellte dann jedoch die Zahlungen ein. Daraufhin begann die Erpressung: Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten drohte die Ex-Pflegerin, die intimen Bilder des Pensionisten an dessen Familienangehörige weiterzuleiten. Auf diese Weise erpresste das Paar insgesamt 160.000 Euro.
⇢ Nach Anzeige wegen Gewalt: Opfer landet selbst vor Gericht
Gerichtsverfahren
Um das hochbetagte Opfer zu schützen, schloss das Gericht am Dienstagvormittag die Öffentlichkeit vom Verfahren aus. Laut Verteidiger Milorath Erdelean legten die Angeklagten ein Teilgeständnis ab. Sie räumten lediglich eine leichte Erpressung ein und bestritten den Vorwurf der schweren Erpressung.
Der Anwalt betonte die Bereitschaft seiner Mandanten zur Rückzahlung des Geldes. Die Frau war bereits einmal vorbestraft, ihr Partner sogar dreimal.
📍 Ort des Geschehens
Erpressung mit Nacktfotos nimmt zu
Laut aktuellen Angaben der Polizei und Opferschutzorganisationen steigt die Zahl der Erpressungen mit Nacktfotos in Österreich deutlich an. Besorgniserregend ist, dass besonders ältere Menschen zunehmend im Visier von Tätern stehen, die persönliche Beziehungen oder Pflegesituationen ausnutzen.
Die Polizei rät Betroffenen, keine Zahlungen zu leisten, sondern umgehend Anzeige zu erstatten und Beweismaterial wie Chatverläufe zu sichern. Erfahrungsgemäß stellen die Täter auch nach einer ersten Zahlung weitere Forderungen, und die psychischen Folgen für die Opfer können erheblich sein.
Opferschutzstellen wie „Rat auf Draht“ verzeichnen einen kontinuierlichen Anstieg von Beratungsanfragen im Zusammenhang mit sogenannter Sextortion. Neben Jugendlichen sind immer häufiger auch ältere Menschen betroffen. Präventionsmaßnahmen umfassen gezielte Aufklärungskampagnen und die Sensibilisierung für Risiken im Umgang mit intimen Bildern. Experten empfehlen, im Verdachtsfall sofort professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.