Ein Meistertitel, 23 Rote Karten und ein Rekord, der 70 Jahre Bestand hatte – Brasiliens Fußball erlebt seinen dunkelsten Derby-Abend.
Cruzeiro ist neuer Meister des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais – doch der Titelgewinn versinkt im Schatten eines Skandals, der seinesgleichen sucht. Eine Massenschlägerei verwandelte das Stadtderby in ein Schlachtfeld und schrieb auf die denkbar unrühmlichste Weise Fußballgeschichte.
Der Auslöser: In der Nachspielzeit kam es zu einem Zusammenprall zwischen Cruzeiros Cristian und Atléticos Torhüter Everson. Der Keeper der Gastgeber verlor jegliche Fassung – er riss den Gegenspieler zu Boden und drückte ihm brutal das Knie ins Gesicht. Dieser Moment war der Zünder für das, was folgte.
Eskalation auf dem Rasen
Innerhalb von Sekunden eskalierte die Situation ins Unkontrollierbare. Cruzeiros Spieler stürmten auf den Platz, um ihren Teamkollegen zu verteidigen, und die Auseinandersetzung weitete sich zur offenen Massenschlägerei aus. Lucas Romero traf Everson mit der Faust, Cristian revanchierte sich mit einem Schlag gegen den Kopf von Ljanco Vojnovic – einem ehemaligen serbischen Nachwuchsnationalspieler mit vier Länderspielen.
Auch der brasilianische Nationalspieler Hulk mischte sich in das Chaos ein.
Zahlreiche Ordner und schließlich die Militärpolizei mit Schilden mussten auf den Rasen stürmen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Der Schiedsrichter, der die Kontrolle über das Geschehen längst verloren hatte, forderte Polizeischutz an und pfiff die Partie ab – ohne auf dem Platz selbst Karten zu zeigen, da eine eindeutige Identifizierung aller Beteiligten in diesem Moment schlicht unmöglich war.
Damit wurde offiziell ein Rekord gebrochen, der seit sieben Jahrzehnten Bestand hatte. Die bisherige Höchstmarke im brasilianischen Fußball stammte aus dem Jahr 1954, als Schiedsrichter im Spiel zwischen Portuguesa und Botafogo 22 Rote Karten verteilten. Der Hass zwischen den Stadtrivalen aus Belo Horizonte hat diese Grenze nun noch weiter verschoben.
🟥 23 RED CARDS?! 🤯
The brawl between Cruzeiro & Atlético Mineiro generated 23 red cards! The most in Brazilian football history.
The previous record was 22 send offs, set in 1954 between Portuguesa & Botafogo. https://t.co/XosrLIUmON
— Ginga Bonito 🇧🇷 (@GingaBonitoHub) March 9, 2026
Schonungsloser Bericht
Die vollständige Bilanz des Abends wurde erst am Montagmorgen öffentlich – und sie schockierte. Das veröffentlichte Schiedsrichterprotokoll schilderte jeden Vorfall in schonungsloser Detailtiefe. „Torhüter Everson handelte brutal. Nach dem Foul riss er den Gegner zu Boden und traf ihn mit dem Knie ins Gesicht, was die Massenschlägerei auslöste. Cristian wurde ebenfalls ausgeschlossen, weil er den Rivalen mit dem Schienbein gegen den Kopf trat und dabei übermäßige Gewalt anwendete, während sich der Ball in den Händen des Torhüters befand“, heißt es im Bericht.
Für die übrigen 21 ausgeschlossenen Spieler – darunter auch Akteure von der Bank – griff der Schiedsrichter auf eine einheitliche Formulierung zurück: „Ausgeschlossen, weil er während der Massenschlägerei Gegner mit Fäusten und Füßen attackierte.“ Cruzeiro hatte das hochbrisante Finale mit 1:0 gewonnen und sich damit den Staatsmeistertitel gesichert.