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SIEGES- UND TRAUERFEIERN

26 Jahre nach „Oluja“: Belgrad wirft Zagreb „Feiern über Gräbern“ von Serben vor

26 Jahre nach „Oluja“: Belgrad wirft Zagreb „Feiern über Gräbern“ von Serben vor
(FOTO: Twitter/@SRBinCoE)
3 Min. Lesezeit |

Serbien übt zum 26. Jahrestag der Militäroperation „Oluja“ (Sturm) Kritik an Kroatien und der Weltgemeinschaft. Das Land feiert heute den „Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit”.

Während der 4. August für das offizielle Kroatien einer der wichtigsten Nationalfeiertage ist, werden in Serbien an diesem Tag zahlreiche Trauerfeiern und Totengedenken abgehalten. Auslöser für Sieges- und Trauerfeiern auf der einen und auf der anderen Seite ist die Operation „Oluja“ (Sturm), mit der die kroatische Armee die von den Krajina-Serben besetzten Gebiete im Sommer 1995 zurückerobert hat. Anlässlich des Tages teilte die serbische Botschaft in Wien gegenüber der APA mit, dass die Aktion zur Rückeroberung der serbischen Krajina mit 220.000 Vertriebenen „eines der größten ethnischen Säuberungsverbrechen der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg“ gewesen sei.

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„Nicht über den Gräbern unserer Landsleute zu feiern“
In den frühen Morgenstunden des 4. August startete die militärische Offensive, die sich auf einer 630 Kilometer langen Front erstreckte und bei der innerhalb von 85 Stunden der Großteil der durch Serben besetzten Gebiete – fast ein Drittel des heutigen kroatischen Staatsgebietes – wieder unter die Kontrolle des Küstenlandes gebracht wurde.

Seitdem feiert Kroatien an diesem Tag jährlich den „Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit”. Von serbischer Seite werden diese Feierlichkeiten aufs schärfste kritisiert: Man zwinge niemanden, „den Völkermord zuzugeben, sondern nur, (…) nicht über den Gräbern unserer Landsleute zu feiern“, so der serbische Botschafter in Wien zur APA.

Auch die Teilnahme internationaler politischer Vertreter an den kroatischen Feierlichkeiten sorgt für Entrüstung bei den Serben: „Die Anwesenheit von Vertretern der Internationalen Gemeinschaft und des diplomatischen Corps bei den kroatischen ‚Feiern‘ der Operation ‚Sturm‘ ist unverständlich, weil die Anwesenden tatsächlich an der ‚Feier‘ des Jahrestages der ethnischen Säuberung teilnehmen“, so die serbische Botschaft. Tatsächlich werde der „verbrecherische Aspekt“ der Militäraktion „von einem Teil der internationalen Öffentlichkeit systematisch vernachlässigt“.

Im Vorjahr standen die Feiern in Knin im Zeichen der Versöhnung zwischen dem kroatischen Staat und der serbischen Minderheit. Erstmals nahm auch ein Vertreter der serbischen Volksgruppe an den Feiern teil, und der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenković erinnerte auch an die serbischen zivilen Opfer und Kriegsverbrechen: „Es ist uns bewusst, dass unser Sieg für viele kroatischen Serben traumatisch war“, räumte er ein.

1.852 Menschen, darunter 1.200 Zivilisten, seien bei der Aktion getötet worden oder vermisst. „Unermesslich“ sei der materielle Schaden, heißt es von der serbischen Botschaft mit Blick auf die Zerstörung von 25.000 Häusern, 78 Kirchen, 181 Friedhöfen, 920 Denkmälern, 52 Gesundheitszentren, hunderten Geschäften und Firmenobjekten. Während Kroatien feiere, begehen Serbien und die bosnische Serbenrepublik den Jahrestag von „Oluja“ seit 2014 als Gedenktag der Opfer und vertriebenen Serben.

Die Zahl der Serben in Kroatien sei infolge des Krieges um zwei Drittel – von 581.663 (Volkszählung 1991) auf 186.633 (Volkszählung 2011) – gesunken, rechnet die Botschaft vor. Heute lebten die Serben überwiegend in Gebieten, die von der Militäroperation nicht betroffen gewesen seien.

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