Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Armutsfalle

60 Stunden Arbeit pro Woche – trotzdem reicht das Geld nicht

60 Stunden Arbeit pro Woche – trotzdem reicht das Geld nicht
Symbolbild Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Vollzeit arbeiten, auf alles verzichten – und trotzdem nicht ankommen. Für Susanne S. ist das kein Ausnahmefall, sondern Alltag.

Susanne S. wird in wenigen Tagen 47 Jahre alt. Gefeiert wird nicht – dafür fehlt schlicht das Geld. Die Alleinerzieherin aus dem Linzer Umland kämpft jeden Monat aufs Neue darum, über die Runden zu kommen. Sie arbeitet, nimmt Zusatzjobs an, verzichtet auf Urlaub, Ausgehen und Zigaretten. Und trotzdem reicht es nicht. „Ich bin 24/7 Mutter“, sagt sie gegenüber „Heute“. Ihre Arbeit reiche finanziell „hinten und vorne“ nicht aus.

Dabei begann alles mit Zuversicht. Als Susanne die Entscheidung traf, ihren Sohn alleine großzuziehen, glaubte sie fest daran, es zu schaffen. „Ich dachte, das schaffe ich schon.“ Doch Miete, Kinderbetreuung und die monatlichen Fixkosten entwickelten sich rasch zu einer kaum zu bewältigenden Last. Als einzige Sparmaßnahme zog sie in eine kleinere Wohnung – für den Umzug selbst musste sie sich Geld leihen. Um die Lücken zu schließen, nahm sie Nebenjobs an und arbeitete zeitweise bis zu 60 Stunden in der Woche.

Bittere Fragen

Heute stellt sich Susanne Fragen, die sie selbst als bitter empfindet: „Kann man nur mit einem Mann überleben? Muss man abhängig sein, damit man sich ein Kind, Wohnung, Auto und Essen und Schulbildung für das Kind leisten kann?“ Obwohl sie auf nahezu alles verzichtet, schlägt ihr die Teuerung mit rund 2.000 Euro Mehrkosten pro Jahr zu Buche. „Wo soll ich die hernehmen?“, fragt sie.

Staatliche Entlastungen bleiben ihr weitgehend verwehrt. Bei der Rezeptgebührenbefreiung überschreitet ihr Einkommen die Grenze um nur wenige Euro. Eine Befreiung vom ORF-Beitrag wurde ihr erstmals abgelehnt – dabei hängt daran auch der Sozialtarif beim Strom, der eine spürbare Erleichterung bedeuten würde. „Ich will es alleine schaffen und bis jetzt ging es auch“, sagt Susanne. Doch das monatliche Rechnen höre nicht auf.

Ihr Sohn trägt mittlerweile Schuhgröße 46, Kleidung kauft sie unter anderem auf Kinderflohmärkten. Der 14-Jährige wünscht sich einen E-Scooter wie seine Gleichaltrigen – ein Wunsch, der unerfüllt bleibt. Und auch Urlaub ist kein Thema: „Ich muss ihm jedes Jahr sagen, dass wir wieder nicht wegfahren.“

Sorge um Zukunft

Was Susanne jedoch weit mehr beschäftigt als Urlaub oder ein E-Scooter, ist die Zukunft ihres Kindes. Ihr Sohn möchte eine höhere landwirtschaftliche Schule besuchen und dafür ins Internat wechseln. Die Kosten dafür beziffert sie mit rund 400 Euro monatlich. „Ich will meinem Sohn nicht die Zukunft verbauen. Er soll in eine Schule gehen“, sagt sie. Doch selbst mit noch mehr Arbeitsstunden sei diese finanzielle Belastung nicht zu stemmen.

Unterstützung aus dem familiären Umfeld ist kaum möglich – ihre Eltern kämpfen selbst mit finanziellen Engpässen. Susanne weiß, dass sie damit nicht allein ist: Freundinnen von ihr berichten, sie könnten sich eine Trennung vom Partner schlicht nicht leisten. Genau diese Form der Abhängigkeit lehnt die Oberösterreicherin für sich ab. „Ich will nur ein normales Leben. Nur eine Wohnung und für meinen Sohn sorgen.“

Doch nach Jahren des Durchhaltens ist eine Grenze erreicht. Sie gehe arbeiten und versuche seit Jahren, alles alleine zu stemmen – doch nun reiche es nicht mehr:

„Es reicht und es muss sich was ändern.“

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen