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Reportage

Boxen ist ein ritterlicher Sport

Boxen ist ein ritterlicher Sport
FOTO: Igor Ripak
10 Min. Lesezeit |

Boxen ist eine der ältesten Kampfsportarten und stammt aus der Antike. In der heutigen Zeit treten nicht nur Männer, sondern auch Frauen im Ring gegeneinander an. Außerhalb des Rings gelten für beide Geschlechter strenge Verhaltensregeln.

Sportart der Arbeiterklasse

Als Sportart der Arbeiterklasse wurde Boxen in Österreich zwischen den 1920er- und 1930er-Jahren populär, als Hans Ziglarski international bekannt war. Mitte des 20. Jahrhunderts erlebte der österreichische Boxsport mit dem Auftreten einiger talentierter Kämpfer einen Aufschwung, wobei der bekannteste Josef Weidinger war. Er wurde 1956 Europameister im Schwergewicht, was die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregte und das Interesse an dem Sport wiederbelebte.

Wie der Boxsport in Österreich heute aussieht, erklärt Igor Miketić (46), Präsident des Österreichischen Boxverbands, der dieses Amt seit 2022 innehat. Neben seiner erfolgreichen Karriere als Unternehmer ist er auch dem Sport, den er seit seiner Kindheit liebt, sehr verbunden.
„Als sehr lebhaftes Kind habe ich bereits im Alter von acht Jahren angefangen, verschiedene Sportarten auszuüben.

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„Um Mitglied des Verbands zu werden, muss ein Verein qualifizierte Boxtrainer mit einer Arbeitserlaubnis haben,” so Igor Miketić , Präsident des Österreichischen Boxverbands.
FOTO: Igor Ripak

Der Gentleman-Code beim Boxen

Mit zwölf Jahren ging ich zum ersten Boxtraining beim Belgrader ‚Radnički‘ und wusste sofort, dass ich am richtigen Ort bin. Dank des hervorragenden Ansatzes meines Trainers, der mir die ersten Erkenntnisse über den Gentleman-Code im Boxen vermittelte – ohne den Boxen nicht funktioniert – habe ich gelernt, Siege und Niederlagen richtig zu erleben. Mir wurde klar, dass der Bessere gewinnt, und wenn ich das sein will, muss ich hart trainieren.

Diese Lektion hat mir im Leben sehr geholfen, und so wurde ich Juniorenmeister in Serbien und Dritter in der SR Jugoslawien im Weltergewicht (bis 69 Kilogramm). Im Boxen werden die Kämpfer nach Gewichtsklassen eingeteilt. Es gibt 13 Kategorien – von Papiergewicht bis Superschwergewicht, wobei es bei den Olympischen Spielen nur fünf gibt.“

STATISTIK

In Österreich gibt es 58 Box-Clubs, in denen zwischen 4.800 und 5.000 Boxer trainieren.

„Anstatt auf der Straße herumzuhängen, kamen sie in in die Sporthalle“

Der Umzug nach Österreich im Jahr 2003 trennte Igor Miketić vorübergehend vom Boxen, da dieser Sport in seinem neuen Land keine große Bedeutung hatte und er sich um die Existenz seiner Familie kümmern musste.

„Als ich mich etabliert hatte, trat ich 2016 dem Box-Club Korneuburg bei und wurde bald darauf dessen Präsident. Wir brachten den Club auf ein hohes Niveau und bildeten einen österreichischen Meister im Superschwergewicht aus, der kürzlich Profi geworden ist. Da wir immer sichtbarer und beliebter wurden, hatten wir immer mehr Kinder und Jugendliche in unseren Reihen. Anstatt auf der Straße herumzuhängen und vielen Gefahren ausgesetzt zu sein, kamen sie in in die Sporthalle, wo wo wir ihnen auch wichtige Lebenswerte vermitteln.“

Unser Gesprächspartner widmete seinem Lieblingssport viel Zeit und investierte sein Wissen und seine Energie in die Popularisierung des Boxens in ganz Österreich, was ihn bald an die Spitze brachte.

Es gibt klare Vorschriften für die Mitgliedschaft und den Erwerb einer Lizenz.
Igor Miketić, Präsident des Österreichischen Boxverbands

„In Korneuburg haben wir dreimal die österreichischen Meisterschaften organisiert, mit über 500 Teilnehmern aller Altersklassen und Kategorien. Irgendwann wurde ich zum Vizepräsidenten des Boxverbands der Region Niederösterreich gewählt und im Dezember 2022 wurde ich einstimmig zum Präsidenten des Österreichischen Boxverbands gewählt. Das empfand ich als große Ehre, aber auch als Verpflichtung, mich der Verbesserung des Boxsports im ganzen Land zu widmen.“

Wie erhält man eine Lizenz?

Die genannten Zahlen umfassen nicht die Vereine, die keine Mitglieder des Österreichischen Boxverbands sind, noch die Boxer, die nur aus Fitnessgründen trainieren. Es gibt klare Vorschriften, die die Voraussetzungen für die Mitgliedschaft und den Erwerb einer Lizenz festlegen.

„Um Mitglied des Verbands zu werden, muss ein Verein qualifizierte Boxtrainer mit einer Arbeitserlaubnis haben, gemäß unseren Statuten arbeiten und die Codes des Boxsports respektieren. Ein Boxer, der eine Lizenz erhalten möchte, muss zunächst eine umfassende Gesundheitsuntersuchung durchlaufen und in einem Verein gemeldet sein, der Mitglied des Verbands ist. Auf der Grundlage des Trainings und der Tests wird entschieden, ob der Sportler körperlich und gesundheitlich bereit ist, an einem Boxkampf teilzunehmen. Handelt es sich um ein Kind unter 13 Jahren, wird ein erster Kontrollsparring durchgeführt, der vom Landessportdirektor überwacht wird, der beurteilt, ob das Kind bereit für den Boxring ist. Schutzmaßnahmen wie Helme und altersgerechte Handschuhe sind obligatorisch. Bis zum Alter von 19 Jahren müssen Jungen Helme tragen, während Mädchen immer einen Helm auf dem Kopf haben müssen. Jungen können ab sieben Jahren eine Boxlizenz erhalten, und alle Boxer müssen sich einmal im Jahr einer systematischen Untersuchung unterziehen, um ihre Lizenz zu verlängern.“

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Igor Miketić , Präsident des Österreichischen Boxverbands – FOTO: Igor Ripak

Auch Frauen trainieren Boxen und sind in Österreich in denselben Vereinen wie Männer aktiv. Bei den Olympischen Spielen in Paris gab es viele Diskussionen über zwei Teilnehmerinnen, die ihren Gegnerinnen überlegen waren.

„Die letzten Olympischen Spiele werden wegen der Kämpferinnen Imane Khelif aus Algerien und Lin Yu-ting aus Taiwan in Erinnerung bleiben, die von der Weltboxorganisation wegen ihres XY-Chromosoms disqualifiziert wurden. Der Olympische Ausschuss wertete dies jedoch als Diskriminierung und erlaubte ihnen die Teilnahme. Beide gewannen Goldmedaillen. In Österreich haben wir etwa 200 Frauen unterschiedlichen Alters mit Boxlizenzen, die aktiv trainieren, fünf von ihnen sind nationale Meisterinnen in verschiedenen Kategorien.“

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VM Vera M.
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