Die Westbahnstrecke zwischen Wien und St. Pölten wird erneut gesperrt. Nach der verheerenden Flutkatastrophe im September 2024 stehen nun umfangreiche Reparaturarbeiten und der Abbau provisorischer Lösungen an.
Ab Montag bis zum 5. Juni müssen Reisende auf die historische Verbindung durch den Wienerwald ausweichen, was die Fahrzeit um rund eine halbe Stunde verlängert. Während Fernzüge mit dieser Verzögerung noch vergleichsweise gut bedient sind, trifft es den Regionalverkehr deutlich härter: Zahlreiche Nahverkehrslinien wie S80, S50, CJX5, REX50, REX51, R40, S40 und S4 werden teilweise oder komplett eingestellt. Als Ersatz richten die ÖBB Busverbindungen ein – unter anderem zwischen Tulln und St. Pölten für die S40 sowie Direktbusse von Wien-Hütteldorf zum Bahnhof Tullnerfeld für die Linie CJX5.
⇢ Pendler-Chaos droht: ÖBB sperrt Weststrecke für knapp vier Wochen (STRECKENPLAN)
Die Bundesbahnen hatten bereits vor Jahresbeginn auf bevorstehende „Einschränkungen im Fern- und Nahverkehr“ hingewiesen. Auch die Westbahn passt ihren Fahrplan entsprechend an. Nach den massiven Überschwemmungen hatten die ÖBB für eine rasche Wiederinbetriebnahme gesorgt – die Strecke durchs Tullnerfeld konnte am 15. Dezember 2024 wieder freigegeben werden. Dies gelang durch die landesweite Mobilisierung von Ersatzteilen und den Einbau temporärer Lösungen unter Einhaltung aller Sicherheitsstandards. Diese Provisorien werden nun besonders im stark beschädigten Tunnel Atzenbrugg durch dauerhafte Komponenten ersetzt.
Hochwasserschutz verstärkt
Am Bahnhof Tullnerfeld, der im Herbst schwer beschädigt wurde, entstehen zusätzliche Hochwasserschutzmaßnahmen. Die technische Infrastruktur wie Leitungen und Verteiler wird künftig höher positioniert. Im Lainzer Tunnel stehen Abdichtungsarbeiten an Kabeldurchführungen sowie die Erneuerung sicherheitstechnischer Anlagen auf dem Programm. Zusätzlich werden Elemente der Stromversorgung wie Verteilerkästen in höheren Wandpositionen neu installiert.
Pendler-Belastung
Für tägliche Bahnpendler bedeutet die Sperre eine erhebliche Belastung im Alltag. Frühere Abfahrten, spätere Heimkehr und vermutlich überfüllte Ersatzbusse sorgen für Stress und längere Wegzeiten. „Das dauert alles länger und im Bus kann man nicht arbeiten“, fasst ein Pendler aus St. Pölten die Situation zusammen.
⇢ 25 Tage Sperre: Pendler-Albtraum auf der Weststrecke kehrt zurück (STRECKENPLAN)
Manche Betroffene weichen während der Bauphase ins Homeoffice aus.
Wirtschaftliche Folgen
Die Wirtschaftskammer Niederösterreich rechnet während der 25-tägigen Sperre mit spürbaren wirtschaftlichen Auswirkungen entlang der Strecke. Besonders der lokale Handel und Dienstleistungsunternehmen im Tullnerfeld und Wienerwald dürften Umsatzeinbußen verzeichnen, da Pendlerströme regional umverteilt werden oder verstärkt ins Homeoffice abwandern.
Erfahrungen aus früheren längeren Streckensperrungen zeigen, dass vor allem kleinere Betriebe in den betroffenen Regionen wirtschaftlich unter solchen Einschränkungen leiden. Die Nachfrage nach alternativen Mobilitätsangeboten und Telearbeit nimmt in diesen Zeiten deutlich zu, was die Kundenfrequenz in lokalen Geschäften und Gastronomiebetrieben merklich reduziert.