Österreicher zahlen für die gleiche Schokolade, Pasta oder Konserve deutlich mehr als Deutsche. Ein neuer Preisvergleich zeigt, wie groß der Unterschied wirklich ist.
Ein aktueller Preisvergleich der Arbeiterkammer (AK, gesetzliche Interessenvertretung der Arbeitnehmer in Österreich) offenbart erhebliche Unterschiede bei Markenlebensmitteln zwischen Österreich und Deutschland. Die Erhebung zeigt, dass österreichische Konsumenten durchschnittlich 27 Prozent mehr für identische Produkte bezahlen müssen. Bei einzelnen Artikeln beträgt der Preisunterschied sogar bis zu 107 Prozent. Diese Erkenntnisse basieren auf einem umfassenden Preismonitor, der 70 identische Markenprodukte in Online-Supermärkten beider Länder verglich.
Für den Preisvergleich wurden am 20. und 21. Mai die Angebote der österreichischen Online-Händler Billa und Interspar sowie der deutschen Anbieter Rewe und Globus analysiert. Die Erhebung berücksichtigte die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze (Österreich: 10 bzw. 20 Prozent; Deutschland: 7 bzw. 19 Prozent) und führte zusätzlich einen Netto-Preisvergleich durch. Aktionspreise flossen in die Berechnung ein, während Kundenkarten-Vorteile und Mengenrabatte unberücksichtigt blieben.
Deutliche Preisunterschiede
Die Auswertung ergab, dass 84 Prozent der untersuchten Lebensmittel in Österreich teurer sind als in Deutschland. Lediglich neun Prozent der Produkte waren günstiger, während sieben Prozent in beiden Ländern gleich viel kosteten. Selbst nach Abzug der Umsatzsteuer bleibt ein deutlicher Preisunterschied von durchschnittlich 23 Prozent bestehen.
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Gabriele Zgubic, Leiterin der AK Konsumentenpolitik, kritisiert: „Die AK Preisvergleiche zeigen regelmäßig einen Österreich-Aufschlag. Diese Praxis gehört abgestellt – dafür setzt sich die AK schon seit langem vehement ein – auch auf EU-Ebene.“
Sie begrüßt, dass sowohl das österreichische Regierungsprogramm als auch die EU-Binnenmarktstrategie mittlerweile Maßnahmen gegen diese Benachteiligung österreichischer Verbraucher vorsehen.

Gründe für die Preisunterschiede
Die Ursachen für diese systematischen Preisunterschiede sind vielfältig und nicht eindeutig belegbar. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) nennt in einer aktuellen Analyse mehrere mögliche Faktoren: die höhere Filialdichte im österreichischen Einzelhandel, höhere Personalkosten sowie geografische Besonderheiten. Auch der vergleichsweise hohe Anteil an Bio-Produkten im österreichischen Sortiment wird als preissteigernder Faktor angeführt.
Trotz dieser Erklärungsansätze fehlt bis heute eine schlüssige Begründung für die teils extremen Preisdifferenzen. Die Arbeiterkammer Tirol bestätigt in einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung, dass bei 52 von 63 untersuchten Markenartikeln ein Preisaufschlag von durchschnittlich 26 Prozent festgestellt wurde – ein Wert, der die jetzt vorliegenden Ergebnisse nahezu exakt bestätigt.
Sowohl Branchenvertreter als auch Konsumentenschützer betonen, dass eine eindeutige Erklärung für diese anhaltenden Preisunterschiede bei identischen Produkten nach wie vor aussteht, was die Forderung der AK nach politischen Maßnahmen zusätzlich unterstreicht.