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Stimmungswandel

Warum sollten sich stets Araber anpassen müssen?“ – Tabubruch erschüttert Tel Aviv

Warum sollten sich stets Araber anpassen müssen?“ – Tabubruch erschüttert Tel Aviv
(FOTO: EPA/ATEF SAFADI)
3 Min. Lesezeit |

In der israelischen Zeitung Haaretz erschien ein Kommentar, der die wachsende internationale Kritik an Israels Vorgehen in Gaza thematisiert. Der Autor stellt provokant die Frage, warum stets von Palästinensern erwartet werde, sich den Sicherheitsinteressen Israels unterzuordnen.

Der Kommentar nimmt Bezug auf ein Interview des britischen Journalisten Piers Morgan mit dem israelischen UN-Botschafter Danny Danon vom 30. Juli 2025. Als Danon erklärte, Palästinenser hätten das Recht, Gaza zu verlassen und in andere Länder zu ziehen, konterte Morgan mit der Gegenfrage, warum nicht Israelis Israel verlassen sollten, um den Bewohnern Gazas dort Leben zu ermöglichen. Diese Wendung im Gespräch – ausgerechnet durch einen bislang als Israel-freundlich geltenden Moderator – wertet der Haaretz-Autor als symptomatisch für einen Stimmungswandel.

In dem kontroversen Interview warnte Morgan explizit, Israel werde durch seine aktuelle Kriegsstrategie „für den Rest meines Lebens gehasst werden“ und kritisierte den Eindruck, das eigentliche Ziel sei die Vertreibung der Palästinenser aus Gaza. „Ich spürte, wie der Boden unter meinen Füßen bebte“, schreibt der Kommentator. „Der britische Interviewer, der bis vor kurzem Israel mit aller Kraft verteidigte, zahlt es diesem hochrangigen Israeli mit gleicher Münze heim.“ Die Frage stelle die übliche Logik auf den Kopf: Warum sollten sich stets Araber anpassen müssen? Besonders da die Bewohner Gazas historisch zuerst dort waren – nach dem Prinzip „der Letzte rein, der Erste raus“.

Wendepunkt der Wahrnehmung

Der Autor beschreibt einen Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung. Während die Kampfhandlungen in Gaza andauern, werden weltweit kritische Stimmen lauter, mit denen Israel bisher kaum konfrontiert war. Selbst langjährige Unterstützer wie Großbritannien signalisieren mittlerweile offen Distanz, was in internationalen Medienberichten als historischer Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung Israels gewertet wird.

Er vergleicht die Situation mit einem Fußballspiel, bei dem Israel alle Spieler in den Angriff geschickt und sein eigenes Tor ungeschützt gelassen habe. Fragen, die aus Rücksicht auf das Leid der Juden während des Holocaust lange unausgesprochen blieben, würden nun offen diskutiert.

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In sozialen Medien würden vermehrt Videos geteilt, die das Argument des jüdischen Rechts auf das Land als Vorwand für die Beschlagnahme arabischen Territoriums kritisieren. Auch die Darstellung der Araber als Bedrohung für Israel erscheine angesichts der militärischen Übermacht Israels zunehmend unglaubwürdig.

„Je extremer Israel wird, desto mehr zieht es den Teppich unter den eigenen Argumenten weg“, urteilt der Kommentator. Mit jedem weiteren Zerstörungsakt in Gaza und im Westjordanland wende sich die internationale Gemeinschaft stärker ab. Längst verdrängte Fragen tauchten wieder auf: „War die Massenvertreibung von 1948 nicht ein Kriegsverbrechen?“

Israels Dilemma

Der Autor sieht Israel in einem doppelten Dilemma gefangen: einem „Rache-Wahnsinn“ und einem „messianischen Wahnsinn“, für den der Hamas-Angriff vom 7. Oktober als Gelegenheit diene, „die Worte der Propheten zu erfüllen“. Während Rache auch den Rächer selbst zerstöre, führe der Messianismus in einen endlosen Konflikt.

Im Interesse Israels liege es daher, die historischen Streitfälle von 1948 und 1967 sowie die aktuellen Konflikte in Gaza und im Westjordanland rasch beizulegen. Andernfalls könnten kritische Stimmen sogar bis zum Ersten Zionistischen Kongress (1897 in Basel) zurückgehen und grundsätzlich hinterfragen, „was diese Europäer mit Krawatten mit Palästina zu tun haben“.

Der Kommentator warnt abschließend: Wenn die Hardliner in Israel weiterhin ihr Mantra „Entweder wir oder sie“ wiederholten, drohe eine Realität von „weder wir noch sie“.

Und die „Hölle wird uns alle verschlingen“.

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KO KOSMO-Redaktion
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