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Wehrpflicht

Wehrpflicht in Kroatien: Erste Rekruten nach über 17 Jahren

Wehrpflicht in Kroatien: Erste Rekruten nach über 17 Jahren
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Kroatien schickt wieder junge Männer in die Kaserne – zum ersten Mal seit über 17 Jahren. Der Balkan rüstet auf.

Kroatien hat erstmals seit 2008 wieder Grundwehrdiener in seine Kasernen einberufen. Die Entscheidung zur Wiedereinführung der Wehrpflicht fiel vor dem Hintergrund einer grundlegend veränderten Sicherheitslage in Europa – allen voran des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. „Die Situation in Kroatien und unserer Umgebung war einst stabil. Heute ist sie eine völlig andere“, sagte Verteidigungsminister Ivan Anusic.

Mit diesem Schritt reiht sich Zagreb in eine wachsende Gruppe von zehn NATO-Mitgliedern ein, die den verpflichtenden Wehrdienst wieder eingeführt haben – darunter Griechenland, die Türkei, die skandinavischen Länder sowie die baltischen Staaten. Die erste Kohorte junger Rekruten ist an drei Standorten im ganzen Land eingerückt, wo sie in den kommenden zwei Monaten eine militärische Grundausbildung absolvieren werden.

Erste Einberufung

Bei ihrer Ankunft wurden die Rekruten mit Ausrüstung versorgt und in Schlafsälen untergebracht. Vor ihnen liegt ein Alltag, der militärische Disziplin und eine neue Lebensrealität abseits des gewohnten zivilen Umfelds verlangt. „Jetzt sind sie aus ihrem zivilen Leben herausgerissen worden“, sagte der Chef des Generalstabs der kroatischen Streitkräfte, Tihomir Kundid.

Die Armee werde die Rekruten schrittweise in das System einführen, um übermäßigen Stress zu vermeiden. Eine Regelung dürfte für Erleichterung sorgen: Mobiltelefone sind nicht verboten – während der Ausbildungseinheiten selbst allerdings tabu. Der ersten Einberufungskohorte gehören rund 800 Rekruten an.

Bemerkenswert dabei: Mehr als die Hälfte von ihnen hatte sich bereits freiwillig gemeldet, bevor überhaupt ein Einberufungsbescheid ausgestellt wurde. Rund zehn Prozent der Teilnehmenden sind Frauen – obwohl diese nicht zur Ableistung des Wehrdienstes verpflichtet sind. Lediglich zehn Personen haben bislang Kriegsdienstverweigerung geltend gemacht und leisten stattdessen vier Monate Zivildienst – allerdings mit deutlich geringerer Vergütung als die Soldaten, die monatlich rund 1.100 Euro erhalten.

Das Ausbildungsprogramm werde „sehr dynamisch und interessant“ gestaltet sein, kündigte Kundid an. Neben klassischen militärischen Fertigkeiten stehen auch Grundlagen der Drohnensteuerung, Drohnenabwehr sowie Elemente der Cyberkriegsführung auf dem Lehrplan.

Regionale Spannungen

Die Debatte über eine Rückkehr zur Wehrpflicht erfasst zunehmend die gesamte Region. In Slowenien spricht sich die größte Oppositionspartei für deren Wiedereinführung aus. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic hat angekündigt, die Wehrpflicht innerhalb des kommenden Jahres wieder einzuführen – eine Entwicklung, die in Bosnien-Herzegowina sowie im Kosovo Nervosität auslöst.

Analysten mahnen zur Vorsicht: Jede neue Aufrüstung auf dem Balkan berge das Risiko eines Dominoeffekts. „Wenn ein Staat beginnt, Waffen zu kaufen, empfinden die Nachbarn das als Bedrohung und reagieren mit denselben Maßnahmen“, warnt Balkan-Experte James Ker-Lindsay. Kroatien plant unterdessen, bis Jahresende noch drei weitere Einberufungsrunden durchzuführen – mit dem mittelfristigen Ziel, jährlich rund 4.000 Rekruten auszubilden.

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KO KOSMO-Redaktion
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