Ein Vorschlag an einer Salzburger Volksschule sorgt für Aufruhr – und zieht prompt eine klare Ansage der Bildungsdirektion nach sich.
An einer Salzburger Volksschule hat ein Vorschlag der Schuldirektorin eine lebhafte Debatte ausgelöst: Die Leiterin der Volksschule Liefering I. regte an, die künftigen ersten Klassen anhand der Religionszugehörigkeit der Schülerinnen und Schüler zusammenzustellen. Hintergrund ist ein organisatorisches Problem beim Religionsunterricht.
„Wir haben immer weniger getaufte katholische Kinder. Wenn ich diese auf die drei Klassen aufteilen würde, würde das bedeuten, dass jede Klasse nur eine Religionsstunde hat“, sagt sie den Salzburger Nachrichten (SN). Eine einzige Wochenstunde reiche nicht aus, insbesondere mit Blick auf die Vorbereitung zur Erstkommunion.
Ihr Konzept sah vor, eine Klasse ausschließlich mit katholischen Kindern zu bilden, eine weitere für muslimische und orthodoxe Schülerinnen und Schüler sowie eine dritte für Kinder ohne religiöses Bekenntnis. „So hätten wir homogene Gruppen und der Stundenplan könnte besser eingeteilt werden.“
Breiter Widerspruch
Der Plan stieß jedoch auf breiten Widerspruch. Unter den Eltern machten sich Befürchtungen breit, es könnten de facto Ausländerklassen entstehen. Dem tritt die Direktorin entschieden entgegen: „In der Klasse, in die die muslimischen Kinder gehen, haben 17 von 21 die österreichische Staatsbürgerschaft. Die sprechen perfekt Deutsch.“
Hinzu kommen praktische Schwierigkeiten im Schulalltag: Nehmen viele Kinder nicht am Religionsunterricht teil, fehlt es laut der Direktorin häufig an Lehrpersonal für die Aufsicht. Die Schülerzahlen an der Einrichtung wachsen derweil weiter – im Herbst werden 220 Kinder die Schule besuchen.
Bildungsdirektor Rudolf Mair sprach sich laut SN klar gegen den Vorschlag aus. „Die Direktorin wird eine Weisung bekommen, das anders zu machen.“ Eine Klasseneinteilung nach Religionszugehörigkeit sei „schulrechtlich nicht vorgesehen und auch pädagogisch verwerflich“.
Politische Ablehnung
Auch aus der Salzburger Stadtpolitik kam deutliche Ablehnung. „Ich halte dieses Aufteilen für ganz schlecht. Es ist wichtig, sich auf Augenhöhe kennenzulernen und in Dialog zu treten“, betonte Sozialstadträtin Andrea Brandner. Kinder sollten nicht bereits in der Volksschule voneinander getrennt werden.
Fachleute aus dem Bildungsbereich teilen diese Einschätzung: Vielfalt im Klassenzimmer biete die Möglichkeit, voneinander zu lernen und Weltoffenheit zu entwickeln. Eine Trennung entlang religiöser Zugehörigkeit laufe diesem Ziel grundlegend zuwider.