Weltbekannte Musiker, Proteste vor der Stadthalle, Länder die absagen: Der ESC 2026 in Wien steht unter massivem Druck.
Zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern des Aufrufs mit dem Titel „No Music For Genocide“ zählen namhafte Persönlichkeiten aus der internationalen Musikszene: Pink-Floyd-Mitgründer Roger Waters, der frühere Genesis-Sänger Peter Gabriel, die britische Elektronikband Massive Attack, der US-amerikanische Rapper Macklemore, das schottische Indiekollektiv Mogwai, die isländische Band Of Monsters And Men sowie die nordirische Rapgruppe Kneecap. Darüber hinaus haben auch Kultkomponist Brian Eno, die Rockband Sigur Rós und die dänische ESC-Gewinnerin Emmelie de Forest den Aufruf unterzeichnet.
Ein Teil der beteiligten Künstlerinnen und Künstler engagiert sich bereits seit Jahren in Boykottbewegungen gegen Israel und israelfeindlichen Kampagnen.
Forderungen & Boykott
Die Kampagne „No Music For Genocide“ verlangt den Ausschluss des israelischen Fernsehsenders Kan vom Eurovision Song Contest mit der Begründung, dieser habe sich „an den von Israel begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit mitschuldig gemacht“. Überdies werde der ESC dazu missbraucht, „den Völkermord, die Belagerung und die brutale militärische Besatzung“ des Gazastreifens durch Israel „reinzuwaschen und zu normalisieren“. Ausgangspunkt der anhaltenden Debatte über Israels ESC-Teilnahme ist der israelische Militäreinsatz im Gazastreifen, der als Reaktion auf den Angriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 erfolgte.
Aufgrund der israelischen Teilnahme werden die Niederlande, Spanien, Irland, Slowenien und Island dem Wiener ESC in diesem Jahr fernbleiben. Damit nehmen im Mai lediglich Sendeanstalten aus 35 Ländern an der 70. Ausgabe des Musikwettbewerbs teil – es handelt sich damit um den weitreichendsten Boykott in der gesamten Geschichte des Bewerbs. Am Rande sei erwähnt, dass gegen einen Musiker der Gruppe Kneecap britische Behörden wegen Terrorismusverdachts ermittelt hatten, nachdem er sich bei einem Auftritt in eine Fahne der libanesischen Hisbollah-Miliz gehüllt hatte.
Demos in Wien
Für den 16. Mai ist in Wien bereits eine Großdemonstration gegen die Teilnahme Israels am ESC angemeldet. Unter dem Motto „Keine Bühne zur Legitimation des Völkermords – Freiheit für Palästina“ wollen die Veranstalter der „Propagandashow eine Massendemonstration entgegenstellen“. Der geplante Demonstrationszug soll vom Christian-Broder-Platz in Wien-Mariahilf über den Gürtel zur Hütteldorferstraße führen und mit einer Abschlusskundgebung im Vogelweidpark vor der Wiener Stadthalle, dem Austragungsort des ESC, enden.
Einen Tag vor dem ESC-Finale findet in der Venediger Au ein Gegenevent statt: Beim „Song Protest“ treten verschiedene Künstlerinnen und Künstler auf, darunter der Musiker Dinis Mota, der als möglicher portugiesischer ESC-Beitrag gehandelt worden war, jedoch im Vorfeld erklärte, wegen der israelischen Teilnahme nicht beim Wettbewerb antreten zu wollen.