Flaggen, Glaube und politische Spannungen: Die WM 2025 liefert schon in der Gruppenphase mehr als nur Fußball.
Noch bevor der Schiedsrichter zur Partie zwischen Saudi-Arabien und Uruguay pfiff, fiel eine Besonderheit ins Auge: Die riesigen Nationalflaggen beider Länder lagen nicht auf dem Rasen, sondern wurden von Volunteers in die Höhe gehalten. Hintergrund ist eine religiöse Vorschrift Saudi-Arabiens, die verbietet, dass die Schahada – das auf der Flagge abgebildete islamische Glaubensbekenntnis – den Boden berührt. Diese Regelung gilt für alle WM-Spiele der Saudis, und aus Gründen der optischen Einheitlichkeit wird auch die jeweilige Gegner-Flagge auf dieselbe Weise präsentiert.
Der Einmarsch der Teams, das Aufstellen der Spieler rund um das blau-goldene WM-Banner in der Platzmitte, das Erklingen der Nationalhymnen – bei der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada folgt die Zeremonie vor jedem Anpfiff einem festen Ablauf. Beim Auftaktspiel der Gruppe H zwischen Saudi-Arabien und Uruguay gab es jedoch diese eine sichtbare Abweichung: Beide Fahnen wurden von Freiwilligen gehalten, statt wie üblich auf dem Rasen ausgebreitet zu sein.
Sportliches Remis
Sportlich holten die Saudis in ihrer Auftaktpartie einen achtbaren Punkt gegen den Favoriten aus Uruguay. Abdulelah Al-Amri brachte die Mannschaft in der 41. Minute in Führung und weckte damit Erinnerungen an den legendären Coup bei der WM 2022, als Saudi-Arabien den späteren Weltmeister Argentinien bezwungen hatte. Doch nach der Pause übernahm La Celeste das Kommando und drängte auf den Ausgleich, den Maxi Araujo in der 80. Minute schließlich erzielte.
Flaggen-Streit Iran
Flaggen-Wirbel gab es an diesem Tag auch beim 2:2 zwischen Neuseeland und dem Iran. Rund um das Stadion in Inglewood und in der Arena selbst machten Fans und Aktivisten auf den anhaltenden Krieg zwischen den USA und Israel auf der einen sowie dem Iran auf der anderen Seite aufmerksam. Im Inneren des Stadions trafen dabei Unterstützer und Gegner des Teheraner Regimes aufeinander.
Zu sehen waren sowohl die aktuelle Staatsflagge des Iran als auch die ältere Fahne aus der Zeit vor der Islamischen Revolution, die als Symbol der Oppositionsbewegung gilt und in der iranischen Diaspora Südkaliforniens besonders viele Anhängerinnen und Anhänger hat. Die Fifa hatte sich per Gerichtsbeschluss das Recht gesichert, die sogenannte „Löwe-und-Sonne“-Flagge einzuziehen – Ordner waren im Verlauf des Spiels mehrfach entsprechend im Einsatz.