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Nahostkonflikt

USA und Iran: Wer ist der große Gewinner des neuen Friedensdeals?

USA und Iran: Wer ist der große Gewinner des neuen Friedensdeals?
FOTO: iStock/Motortion
4 Min. Lesezeit |

Waffenruhe, offene Hormus-Straße, Atomgespräche – zwischen den USA und Iran gilt ein fragiler Deal. Doch die härtesten Fragen bleiben ungelöst.

Das Wort „Frieden“ klingt in diesem Fall größer, als die bisher bekannten Fakten es hergeben. Zwischen den USA und Iran liegt nach aktuellen Berichten kein endgültiger Friedensvertrag auf dem Tisch, sondern ein vorläufiges Rahmenabkommen: 60 Tage Waffenruhe, Wiederöffnung der Straße von Hormus, Gespräche über Sanktionen und das iranische Nuklearprogramm. Genau deshalb ist die zentrale Frage nicht nur, wer gewonnen hat, sondern ob dieser Deal überhaupt stark genug ist, um länger als zwei Monate zu halten.

Irans wirtschaftliche Entlastung

Für Iran ist das Abkommen kurzfristig ein wirtschaftlicher Befreiungsschlag. Das Land war vor der Einigung durch massive US-Sanktionen belastet: Öl- und Petrochemie Exporte, Banken, Schifffahrt, Finanznetzwerke und internationale Geschäftspartner standen unter Druck. Wenn Teheran nun wieder mehr Öl verkaufen darf, keine neuen Sanktionen während der Verhandlungsphase drohen und eingefrorene Gelder teilweise freigegeben werden, verschafft das dem Regime dringend benötigte Luft.

Doch dieser Vorteil hat seinen Preis. Iran muss sich beim Nuklearprogramm bewegen — zumindest politisch. Nach den bisher bekannten Details soll Teheran zusichern, keine Atomwaffen zu bauen oder zu erwerben. Weitere Fragen, etwa zur Urananreicherung und zu den bestehenden Beständen, sollen erst in den kommenden 60 Tagen geklärt werden. Genau darin liegt die größte Schwäche des Deals: Die schwierigsten Punkte sind nicht gelöst, sondern vertagt.

Auch die USA können den Deal als Erfolg verkaufen. Washington erreicht vorerst drei Ziele: Die Straße von Hormus soll wieder geöffnet werden, der militärische Konflikt wird eingefroren und Iran sitzt wieder am Verhandlungstisch. Für die US-Regierung ist das politisch wertvoll, weil sie Deeskalation präsentieren kann, ohne sofort alle Sanktionen aufzugeben. Aber auch hier gilt: Der Erfolg bleibt nur dann bestehen, wenn Iran überprüfbare Zugeständnisse macht.

Straße von Hormus

Der unmittelbarste Gewinner ist kurzfristig die Weltwirtschaft. Die Straße von Hormus zählt zu den bedeutendsten Energiekorridoren des Planeten. Nach Angaben der US-Energieinformationsbehörde (EIA) wurden im Jahr 2023 täglich rund 21 Millionen Barrel Rohöl und kondensierte Flüssigkeiten über die Straße von Hormus transportiert, was laut EIA etwa 20 bis 30 Prozent des weltweiten Seehandels mit Öl entspricht. Für Flüssigerdgas (LNG) geben EIA und IEA an, dass im Jahr 2023 etwa 20 Prozent der global per Schiff transportierten LNG-Mengen durch die Straße von Hormus liefen. Schon die Aussicht auf eine Wiederöffnung ließ die Ölpreise fallen und die Märkte aufatmen. Für Europa, Asien und energieabhängige Volkswirtschaften ist weniger Spannung am Persischen Golf ein unmittelbarer Vorteil.

Eine besonders heikle Frage ist, ob Iran künftig Gebühren oder „Zölle“ für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus einheben darf. Die kurze Antwort lautet: nicht einfach so. Völkerrechtlich ist die Straße von Hormus eine internationale Meerenge. Für solche Seewege gilt das Prinzip der Transitpassage. Eine allgemeine Gebühr nur dafür, dass ein Schiff hindurchfährt, ist rechtlich höchst problematisch. Zulässig wären höchstens Entgelte für konkrete Dienstleistungen, etwa Hafen-, Lotsen- oder Sicherheitsdienste.

Eine politisch motivierte Maut für den Welthandel wäre daher kein gewöhnlicher Zoll, sondern ein massiver Konfliktherd.

Wer ist also der große Gewinner? Iran gewinnt kurzfristig wirtschaftlich. Die USA gewinnen diplomatisch, wenn der Deal hält. Die Weltwirtschaft gewinnt sofort durch sinkende Risiken und stabilere Energieflüsse. Strategisch aber gibt es noch keinen endgültigen Sieger. Denn dieser Deal ist weniger ein Friedensschluss als ein Test: 60 Tage werden zeigen, ob aus einer Pause im Konflikt tatsächlich ein neues politisches Gleichgewicht entsteht, oder nur die nächste Eskalation vorbereitet wird.

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KO KOSMO-Redaktion
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