Bagger rollen, Milliarden fließen – zwischen Bijeljina und Brcko entsteht ein Stück jener Route, die Belgrad mit Banja Luka verbinden soll.
In Velika Obarska bei Bijeljina ist am Freitag offiziell der Startschuss für den Bau eines 17 Kilometer langen Autobahnabschnitts zwischen Bijeljina und Brcko gefallen. Mit der Grundsteinlegung beginnt das sechste große Infrastrukturvorhaben in der Republika Srpska, das von einem chinesischen Unternehmen realisiert wird. Ausführende Firma ist die „China Overseas Engineering Group“, finanziert wird das Projekt mit Unterstützung führender chinesischer Banken.
Der Bauvertrag war bereits im Februar 2023 unterzeichnet worden, die finanziellen Rahmenbedingungen wurden im vergangenen Jahr festgelegt. Das Auftragsvolumen beläuft sich laut dem Portal Biznisinfo auf 274 Millionen Konvertible Mark ohne Mehrwertsteuer, die Bauzeit ist auf drei Jahre veranschlagt.
Belgrad–Banja Luka
Der neue Abschnitt ist Teil einer künftigen Autobahnverbindung, die Sarajevo und Banja Luka mit Belgrad verknüpfen soll. Derzeit befinden sich drei Schlüsselstrecken durch den Norden der Republika Srpska in verschiedenen Realisierungsphasen: Der 31,5 Kilometer lange Abschnitt Vukosavlje–Brcko steht kurz vor dem Baubeginn, der nun gestartete Abschnitt Brcko–Bijeljina umfasst 17 Kilometer, während der 20 Kilometer lange Abschnitt Raca–Bijeljina bereits weit fortgeschritten ist. Parallel dazu errichtet Serbien den Abschnitt Kuzmin–Raca, womit die durchgehende Autobahnverbindung zwischen Belgrad und Banja Luka Stück für Stück Gestalt annimmt.
Wang Hongming, stellvertretender Generaldirektor der „China Overseas Engineering Group“, unterstrich bei der Zeremonie die strategische Dimension des Projekts. „Diese künftige Autobahn wird nicht nur ein praktischer und leistungsfähiger Verkehrskorridor sein, sondern auch ein Band der Freundschaft, das Zusammenarbeit fördert und unsere gemeinsame Entwicklung vorantreibt“, sagte er laut RTRS. Im Namen des Konsortiums dankte er der Regierung der Republika Srpska sowie allen weiteren Beteiligten für ihre Unterstützung.
Die chinesische Botschafterin in Bosnien und Herzegowina, Li Fan, bezeichnete das Vorhaben als weiteres bedeutendes Infrastrukturprojekt im Rahmen der chinesisch-bosnisch-herzegowinischen Zusammenarbeit unter der Initiative „Gürtel und Straße“. Die neue Autobahn werde die Reisezeit spürbar verkürzen, Logistikkosten senken und entlang der Trasse Beschäftigung sowie wirtschaftliche Entwicklung ankurbeln.
Politische Stimmen
Verkehrsminister Zoran Stevanovic blickte bei der Feier auch auf die eigene Skepsis zurück: Als vor 15 Jahren die Planungen für die Autobahn Prijedor–Raca anliefen, habe er bezweifelt, ob er diese Straße noch selbst befahren würde. „Die Zeit hat mich eines Besseren belehrt. Sehr bald werden wir erleben, dass Banja Luka und Belgrad über die Republika Srpska miteinander verbunden sind“, sagte Stevanovic.
Radovan Viskovic, geschäftsführender Direktor der Autobahnen der Republika Srpska, sprach von einem historischen Tag. Regierungschef Savo Minic erklärte, das Projekt sei „das Bild der Republika Srpska“ – eine Autobahn, über die Menschen zurückkehren und Investitionen ins Land kommen würden.
SNSD-Vorsitzender Milorad Dodik würdigte das Projekt als Beleg für die Fähigkeit der Republika Srpska, mit internationalen Partnern erfolgreich zusammenzuarbeiten. „Mit China verbindet uns ein gemeinsames Verständnis: durch die Initiative ‚Gürtel und Straße‘ Kooperation sichtbar zu machen und damit Lebensstandard und Konnektivität zu heben“, sagte Dodik.