Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Polizisten verletzt

Ausschreitungen in europäischen Städten nach Marokkos WM-Aus (VIDEOS)

Ausschreitungen in europäischen Städten nach Marokkos WM-Aus (VIDEOS)
FOTO: Screenshots X
4 Min. Lesezeit |

Frankreich im Halbfinale – doch der Jubel hatte in einigen Städten Europas einen harten Nachklang.

Frankreich steht im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft. Die Équipe Tricolore bezwang Marokko am Donnerstagabend mit 2:0 – Kylian Mbappe und Ousmane Dembele trafen für den Favoriten. Das WM-Aus der Nordafrikaner hatte jedoch Folgen, die weit über den Platz hinausgingen: In mehreren europäischen Städten kam es nach dem Abpfiff zu teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizei.

Ausschreitungen in London

Am schlimmsten traf es London und Düsseldorf. Paris hingegen blieb trotz massiver Befürchtungen weitgehend ruhig. Die gravierendsten Szenen spielten sich in der britischen Hauptstadt ab: Auf der Edgware Road in London-Marylebone strömten nach Spielende größere Menschenmengen zusammen.

Zunächst blockierten die Anwesenden den Straßenverkehr, doch die Lage eskalierte rasch. Laut Polizeiangaben flogen Flaschen in Richtung der Beamten, dazu wurden Feuerwerkskörper und pyrotechnisches Material gezündet. Die Einsatzkräfte rückten mit Verstärkung und Schutzausrüstung an und drängten die Menge zurück – auf Videoaufnahmen ist dichter Rauch in den Straßen zu sehen.

Ein Polizist zog sich bei den Zusammenstößen eine Kopfverletzung zu und musste im Krankenhaus behandelt werden. Vier Personen wurden wegen des Verdachts auf gewalttätige Ausschreitungen in Gewahrsam genommen.

Auch in Düsseldorf schlug die Stimmung nach der Niederlage Marokkos um. Rund 1.500 Menschen hatten sich in der Nähe des Hauptbahnhofs versammelt, zunächst ohne nennenswerte Vorkommnisse. Doch dann sollen Einzelne gezielt Böller und Glasflaschen auf Polizisten geworfen haben. Drei Beamte wurden verletzt, einer von ihnen so schwer, dass er den Dienst abbrechen musste. Die Polizei nahm zwei Männer fest und leitete mehrere Strafverfahren ein.

Paris bleibt ruhig

In Frankreich hatten die Sicherheitsbehörden das Schlimmste befürchtet und sich entsprechend vorbereitet. Mehr als 20.000 Polizisten und Gendarmen standen landesweit bereit, allein in Paris waren rund 8.000 Einsatzkräfte im Einsatz. Zentrale Straßen und potenzielle Treffpunkte wurden engmaschig überwacht, rund um die Champs-Élysées galten Verkehrsbeschränkungen, zusätzlich kamen Drohnen zur Lagebeobachtung zum Einsatz.

Die befürchtete Eskalation blieb weitestgehend jedoch aus. Zahlreiche Menschen feierten den Einzug ins Halbfinale, größere Ausschreitungen wurden zunächst nicht gemeldet. Es blieb bei vereinzelten Spannungen und kleineren Zwischenfällen.

Das Aufeinandertreffen beider Mannschaften galt von vornherein als besonders sensibel. Frankreich beheimatet eine große marokkanische Community, viele Familien sind eng mit beiden Ländern verbunden. Die Behörden rechneten deshalb mit starken Menschenansammlungen nach dem Abpfiff – und mit der Möglichkeit, dass gewaltbereite Gruppen die Feiern für Angriffe oder politische Provokationen nutzen könnten.

Ähnliche Vorfälle hatte es bereits bei früheren Spielen der marokkanischen Nationalmannschaft gegeben: In niederländischen Städten waren Einsatzkräfte nach Begegnungen mit Feuerwerk und Steinen attackiert worden. Mehrere Städte hatten ihre Sicherheitskonzepte für das Viertelfinale daher bereits im Vorfeld verschärft.

In der großen Mehrheit der Städte verliefen die Zusammenkünfte ohne Zwischenfälle. Die Ausschreitungen gingen offenbar von kleineren Gruppen innerhalb weit größerer Menschenmengen aus – die überwiegende Mehrheit der französischen wie marokkanischen Fans feierte oder verließ die Treffpunkte friedlich. Die Polizei in den betroffenen Städten wertet derzeit Videoaufnahmen aus.

Weitere Festnahmen sind nicht ausgeschlossen.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen