Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Halbfinale

Elfmeterdrama, Knöchel auf Eis: Frankreich träumt nach Sieg vom WM-Hattrick

Elfmeterdrama, Knöchel auf Eis: Frankreich träumt nach Sieg vom WM-Hattrick
FOTO: EPA/WILL OLIVER
4 Min. Lesezeit |

Ein verschossener Elfmeter, ein Geniestreich und eine Verletzungssorge: Frankreichs WM-Halbfinale hat alles, was ein Drama braucht.

Kylian Mbappé hat Frankreich als erstes Team ins WM-Halbfinale geschossen. Mit einem wunderbaren Schlenzer erledigte der Superstar die Arbeit, die ein verschossener Elfmeter zunächst offen gelassen hatte – am Ende stand ein verdienter 2:0-Erfolg gegen Afrikameister Marokko, der über weite Strecken einseitig blieb. Der Traum vom dritten WM-Titel nach 1998 und 2018 lebt.

Lange mussten Les Bleus trotz klarer Feldüberlegenheit auf den Führungstreffer warten. In der 28. Minute scheiterte Mbappé mit einem Strafstoß direkt in die Arme von Yassine Bounou.

Doch der Torjäger antwortete mit Klasse: Nach einer Stunde traf er aus der Distanz traumhaft zur Führung – sein achter Turniertreffer, gleichzeitig das 20. WM-Tor im 20. WM-Spiel. Sechs Minuten später legte Ousmane Dembele mit seinem fünften Turniertor das 2:0 nach.

Halbfinale wartet

Im Halbfinale wartet am Dienstag um 21.00 Uhr MESZ in Dallas Spanien oder Belgien auf die Mannschaft von Didier Deschamps, der mit seinem 25. WM-Spiel am Donnerstag mit Helmut Schön als Rekordtrainer gleichzog. Dann winkt das dritte WM-Finale in Folge – ein Final-Hattrick, den bislang nur Deutschland zwischen 1982 und 1990 sowie Brasilien zwischen 1994 und 2002 geschafft haben.

Marokkos Defensivstrategie hielt in der Neuauflage des WM-Halbfinals von 2022 – damals ebenfalls 2:0 für Frankreich – immerhin eine Stunde lang stand. Bounou war es, der die Franzosen mit mehreren starken Paraden lange auf Abstand hielt, bevor Mbappés verschossener Elfmeter den Tiefpunkt der französischen Bemühungen markierte.

Am Ende durften die Franzosen in Foxborough jubeln, jenem Ort, der einst das deutsche Fiasko gegen Paraguay gesehen hatte. Allerdings trübte eine Verletzungssorge die Stimmung: Mbappé musste in der 77. Minute ausgewechselt werden, sein Knöchel wurde anschließend mit Eis behandelt.

Marokkos bitteres Aus

Für Marokko wurde das Duell mit der eigenen Geschichte zum Alptraum. Statt zum zweiten Mal in Serie ins Halbfinale einzuziehen, zerschellten die Hoffnungen auf den ersten WM-Titel einer afrikanischen Nation erneut – ausgerechnet an der früheren Kolonialmacht Frankreich, in der sechs Spieler des aktuellen marokkanischen Kaders geboren wurden. Mit dem Ausscheiden der „Löwen vom Atlas“ verabschiedete sich auch das letzte afrikanische Team aus dem Turnier.

Einen herben Rückschlag gab es für Marokko bereits vor dem Anpfiff: Bayerns Star-Neuzugang Ismael Saibari, der sein Team mit drei Treffern ins Achtelfinale geführt hatte, konnte wegen einer Muskelverletzung aus dem Achtelfinale gegen Kanada nicht in der Startelf stehen. Auf französischer Seite begann Mittelfeldmotor Aurelien Tchouameni nach seinem Achtelfinal-Ausfall zunächst auf der Bank.

Trainer Ouahbis kämpferische Ansage vor dem Spiel – „Wir spielen mit dem Messer zwischen den Zähnen“ – verhallte auf dem Rasen des Gillette Stadium im Boston-Vorort Foxborough weitgehend wirkungslos. Die erste Halbzeit gehörte klar der Équipe Tricolore. Mbappé eröffnete das Feuerwerk mit einem Warnschuss aus rund 18 Metern, nach dem folgenden Eckball köpfte Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano aus vier Metern völlig freistehend jedoch viel zu unplatziert ins Nichts.

Marokko fand offensiv kaum statt. Alle elf Akteure standen tief gestaffelt und lauerten im erst zweiten Pflichtspiel beider Teams auf Kontermomente – die nicht kamen. Frankreich blieb drückend überlegen: Dembele verfehlte das Tor mit einem Schlenzer knapp, kurz darauf scheiterte auch Desire Doue nach feinem Dribbling an Bounou. Einen Fernschuss von Lucas Digne lenkte der marokkanische Keeper in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit noch an die Latte.

Bounou. Der Name stand in dieser Partie für alles, was Marokko am Leben hielt. Mit dem parierten Elfmeter gegen Mbappé schraubte der Keeper seine beeindruckende Quote weiter nach oben: Von neun Strafstößen bei Weltmeisterschaften – Elfmeterschießen eingerechnet – kassierte er lediglich zwei Gegentore. Doch auch er war letztlich machtlos. Gegen Doue rettete Bounou in der 55. Minute noch einmal glänzend.

Dann traf Mbappé – und das Spiel war entschieden.

Entwarnung bei Mbappé

Nach dem Spiel gab Mbappé Entwarnung: Er habe einen Schlag auf den rechten Knöchel erhalten, die Verletzung stelle nach eigenen Angaben aber kein größeres Problem dar. Für das WM-Halbfinale bestehe kein Einsatzrisiko, nach medizinischer Behandlung sei er wieder einsatzfähig.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen