Freundschaft kennt keine Grenzen – außer vielleicht das WM-Viertelfinale. Haaland gegen Bellingham: Das Duell zweier Vertrauter.
Diesen Samstag, 11. Juli 2026, steht um 23:00 Uhr MEZ im Hard Rock Stadium in Miami das dritte Viertelfinale der Weltmeisterschaft auf dem Programm – und es dürfte das mit der größten Nebengeschichte sein. Norwegen gegen England: Auf dem Papier ein Duell zweier Nationen, in der Realität auch ein Wiedersehen zweier Männer, die einander besser kennen als die meisten ihrer Gegenspieler. Erling Haaland und Jude Bellingham stehen im Mittelpunkt – nicht nur in den Sportteilen der Zeitungen, sondern bis hinein in Modemagazine wie die Vogue. Beide sind tragende Figuren ihrer Mannschaften, beide verbindet neben ihrem außergewöhnlichen Talent eine echte Freundschaft.
Dortmunder Anfänge
Ihren Anfang nahm alles in Dortmund. Als Haaland im Jänner 2020 im Alter von 19 Jahren zu Borussia Dortmund stieß, war der Verein bereits für seine Offensivphilosophie bekannt. Wenige Monate später kam Bellingham – gerade einmal 17 Jahre alt. Was folgte, waren zwei Spielzeiten von 2020 bis 2022, in denen Borussia Dortmund zu einem der aufregendsten Angriffsteams des Kontinents wurde. Die Zahlen sprechen für sich: Laut dem Portal Transfermarkt absolvierten die beiden 63 gemeinsame Pflichtspiele, standen insgesamt 4.301 Minuten zusammen auf dem Rasen, erzielten dabei sieben gemeinsame Tore und krönten ihre erste gemeinsame Saison 2020/21 mit dem Gewinn des DFB-Pokals.
Doch was in Dortmund entstand, war mehr als ein funktionierendes Zusammenspiel. Aus dem sportlichen Verständnis wurde eine Freundschaft, die über den Platz hinausreichte. „Er ist ein guter Junge und ein großes Talent. Ich verstehe mich mit ihm auf und neben dem Platz hervorragend“, sagte Haaland damals über seinen jungen Teamkollegen. Einen besonders unvergesslichen Moment lieferte Bellingham in einem Interview, als er einfach zu Haaland trat, ihm einen Kuss auf die Wange drückte und damit eines der bekanntesten Bilder ihrer Freundschaft schuf.
Rivalen, keine Fremden
Die gemeinsame Zeit in Schwarz-Gelb war kurz – aber sie hinterließ Spuren. Haaland verließ Borussia Dortmund im Sommer 2022 in Richtung Manchester City, ein Jahr darauf zog es Bellingham zu Real Madrid. Den Abschied seines Freundes verarbeitete der Engländer mit ungewohnter Offenheit: „Ich habe unsere alte Nummer 9 geliebt. Wir sprechen von einem außergewöhnlichen Spieler, aber auch von einem wunderbaren Menschen. Ich vermisse ihn“, sagte er nach Haalands Wechsel nach Manchester.
Seitdem begegnen sie sich auf der großen europäischen Bühne – nicht mehr als Teamkollegen, sondern als Rivalen. An ihrer Freundschaft hat das nichts geändert. Neu ist das Aufeinandertreffen für beide nicht: Schon in der vergangenen Saison kreuzten sich ihre Wege mehrfach in neuen Trikots. Und doch prägen Umarmungen vor dem Anpfiff, lockere Sprüche und gemeinsames Lachen ihre Begegnungen – selbst dann, wenn auf dem Platz kein Pardon gegeben wird.
Ob Norwegen erstmals WM-Geschichte schreibt oder England eine jahrzehntelange Durststrecke beendet – für Haaland und Bellingham zählt an diesem Abend nur der Einzug ins Halbfinale. Respekt ist garantiert, Nachsicht hingegen nicht zu erwarten.