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Vernachlässigung

Mutter und Oma ließen Autisten verhungern – Zwilling in Lebensgefahr

Mutter und Oma ließen Autisten verhungern – Zwilling in Lebensgefahr
FOTO: iStock/VladZymovin
3 Min. Lesezeit |

Ein 16-jähriger Autist stirbt mit 27 Kilogramm – seine Mutter und Großmutter stehen nun vor Gericht.

In der Bronx (New York City) sind eine Mutter und eine Großmutter wegen des Hungertods eines autistischen Teenagers angeklagt worden. Der 16-jährige Adonis Jarvis wurde am 19. März in einem Krankenhaus für tot erklärt, nachdem er mit schwerer Unterernährung eingeliefert worden war. Der Gerichtsmediziner stufte seinen Tod als Tötungsdelikt ein.

Die 36-jährige Geneva Jarvis und ihre Mutter Denise Jarvis, 62, wurden am Donnerstag verhaftet und mit mehreren schwerwiegenden Anklagepunkten konfrontiert: Mord zweiten Grades, Totschlag, schwere Körperverletzung aus gleichgültiger Gesinnung sowie Gefährdung einer hilflosen Person. Laut Obduktionsbefund ist der Jugendliche schlicht verhungert – zum Zeitpunkt seines Todes soll er gerade einmal 27 Kilogramm gewogen haben.

Adonis hatte einen Zwillingsbruder, der ebenfalls wegen Unterernährung ins Krankenhaus eingeliefert wurde, aber überlebte. Beide Buben waren nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden nicht in der Lage zu sprechen. Bei ihrer Einlieferung wiesen sie Zeichen chronischer Vernachlässigung auf – Unterernährung, Dehydrierung sowie Wunden an den Beinen und am ganzen Körper.

Erschütternde Zustände

Die Bronxer Bezirksstaatsanwältin Darcel Clark fand deutliche Worte: „Diese beiden Frauen haben in ihrer Pflicht und Verantwortung versagt, sich um diese Buben zu kümmern. Ein Kind ist gestorben. Das andere steht vor einer langen Genesung.“

Die Familie lebte in einer Wohnung im dritten Stock eines Hauses in der East 147th Street in der Bronx – ohne Lift. Dennis, der Hausmeister des Gebäudes, schilderte gegenüber dem Sender Eyewitness News, in welchem Zustand die Wohnung gewesen sei: „Sie ist voller Müll, überall liegen Kleider herum. Ich wollte rein, um Reparaturen zu machen – sie hat immer wieder ‚OK, morgen‘ gesagt und uns nie reingelassen.“ Er erinnerte sich auch an die Nacht, in der Adonis starb: Die Familie habe den Buben in den Flur getragen, bevor der Rettungswagen eintraf. „Sie haben ihn in den Flur gelegt. Warum haben sie ihn nicht in der Wohnung gelassen?“, fragte er sich.

Nachbarn in Schock

Nachbarn zeigten sich erschüttert – von Warnsignalen hatte offenbar niemand etwas bemerkt. Die Familie sei stets für sich geblieben. Nachbarin Christine Valentin sagte, sie habe die Zwillinge im vergangenen Jahr noch mit demselben Schulbus wie ihre eigene Tochter, die ebenfalls besondere Bedürfnisse hat, fahren sehen. „Ich dachte nur, sie hätten besondere Bedürfnisse – ein bisschen mehr als meine Tochter, aber es läuteten keine Alarmglocken, nichts, worüber man sich hätte Sorgen machen müssen“, so Valentin. „Ich bin schockiert und traurig. So etwas darf niemals passieren. Niemals.“

Beide Frauen wurden noch am Donnerstagnachmittag einem Richter vorgeführt und ohne Möglichkeit einer Kaution in Haft behalten. Die städtische Behörde für Kinderdienste erklärte, man untersuche den tragischen Vorfall gemeinsam mit der Polizei – die Sicherheit und das Wohlergehen der Kinder in New York City hätten oberste Priorität.

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KO KOSMO-Redaktion
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