Ein Glas Wasser aus der Leitung – und schon wird die Rechnung länger. Wie teuer das in Wiens Lokalen wirklich wird, hat die AK nun nachgemessen.
Kostenloses Leitungswasser ist in der Wiener Gastronomie zur Ausnahme geworden – das belegt ein aktueller Preismonitor der Arbeiterkammer. Im Rahmen einer Stichprobenerhebung wurden zwischen dem 19. Juni und dem 8. Juli die Wasserpreise in 30 Restaurants und Kaffeehäusern Wiens erfasst. Lediglich drei dieser Betriebe stellen Leitungswasser grundsätzlich ohne Aufpreis zur Verfügung.
In 23 der 30 kontrollierten Lokale wird Leitungswasser in Rechnung gestellt – unabhängig davon, ob die Gäste speisen oder weitere Getränke konsumieren. Für einen halben Liter werden je nach Betrieb zwischen 0,80 und 3,60 Euro fällig, für einen Viertelliter zwischen 0,40 und 1,80 Euro.
Verwirrende Preisregeln
Noch unübersichtlicher gestaltet sich die Situation in einer Reihe weiterer Lokale: Vier Betriebe servieren ein Glas Leitungswasser kostenlos, sobald ein anderes Getränk bestellt wird – wer jedoch einen Apfel- oder Orangensaft mit Leitungswasser auf einen halben Liter aufspritzen lässt, zahlt dafür extra. In drei anderen Gaststätten verhält es sich genau umgekehrt: Dort kostet das Glas Leitungswasser etwas, das Aufspritzen einer Limonade hingegen nicht.
Insgesamt verlangen 24 der 30 untersuchten Lokale einen Aufpreis, wenn eine Limonade mit Leitungswasser auf einen halben Liter aufgespritzt wird. Dieser beträgt je nach Betrieb zwischen 0,30 und zwei Euro.
Deutlicher Preisanstieg
Auch der Langzeitvergleich zeigt eine deutliche Preisentwicklung: Bei einer AK-Erhebung aus dem Jahr 2014 lag der Durchschnittspreis für einen halben Liter Leitungswasser noch bei 1,39 Euro. Aktuell sind es laut dem vorliegenden Preismonitor 2,05 Euro – ein Anstieg von 47,5 Prozent. Die allgemeine Inflation legte im selben Zeitraum laut AK um 44 Prozent zu.
Nur drei der untersuchten Betriebe verzichten vollständig auf eine Verrechnung von Leitungswasser. In diesen Lokalen fällt laut AK auch beim Aufspritzen von Limonaden kein zusätzlicher Betrag an.
Die Arbeiterkammer plädiert dafür, dass Gäste nicht gesondert für Leitungswasser zur Kasse gebeten werden, wenn sie im Lokal ohnehin konsumieren. „Leitungswasser soll gratis bleiben, wenn im Lokal gegessen wird oder andere Getränke bestellt werden“, fordert Gabriele Zgubic, Leiterin der AK-Abteilung Konsument.
Auch einzelne Preise hält sie für schwer nachvollziehbar: „Bei Kosten von nur 2,27 Euro für 1.000 Liter Wasser aus der Leitung sollte zumindest ein angemessener Preis verlangt werden.“
Grundsätzlich ist es Gastronomen in Österreich erlaubt, Leitungswasser zu verrechnen, sofern der Preis in der Speisekarte ausgewiesen ist. Die AK hat nun erhoben, wie verbreitet diese Praxis in Wien tatsächlich ist – und welche Preise dabei zur Anwendung kommen.