Kroatien setzt Maßstäbe beim digitalen Grenzschutz – und das weit früher als von Brüssel gefordert.
Kroatien gilt innerhalb der Europäischen Union derzeit als Musterschüler bei der Einführung des Entry/Exit Systems – kurz EES. Das bestätigte EU-Kommissar für Inneres und Migration Magnus Brunner am Donnerstag bei einer gemeinsamen Präsentation mit dem kroatischen Innenminister Davor Bozinovic am Flughafen Split. Das EES ist ein digitales Erfassungssystem der EU, das Ein- und Ausreisedaten von Drittstaatsangehörigen sowie Daten über abgewiesene Einreisen an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten automatisiert dokumentiert.
„Kroatien ist führend in Europa, wenn es um die Implementierung des Entry/Exit-Systems geht“, erklärte Brunner und würdigte die Leistung des Landes bei der Umsetzung ausdrücklich. Besonders hervorgehoben wurde, dass das System mittlerweile an allen 77 internationalen Grenzübergängen Kroatiens in Betrieb ist.
Einreiseverweigerungen gestiegen
Brunner unterstrich die sicherheitspolitische Bedeutung des Systems für die EU-Bürgerinnen und -Bürger. Auf europäischer Ebene wurden demnach bislang rund 50.000 Einreiseverweigerungen registriert. Allein in Kroatien wurden seit der Einführung bis zum Vortag 7.771 Personen die Einreise verweigert – das entspricht etwa 15 Prozent aller Einreiseverweigerungen im gesamten EU-Raum, wie Bozinovic ausführte.
Der Innenminister erinnerte daran, dass Kroatien mit der schrittweisen Einführung des Systems im Oktober 2025 begonnen habe und die vollständige Umsetzung an allen 77 Grenzübergängen bereits am 1. März 2026 abgeschlossen war – mehr als einen Monat vor der von der Europäischen Kommission gesetzten Frist am 10. April 2026. „Bisher konnten wir mehr als 2,3 Millionen individuelle Datensätze von Reisenden aus Drittstaaten anlegen und über 9 Millionen Überprüfungen beziehungsweise Verifizierungen durchführen. Das zeigt, dass dieses Modell moderner digitaler Infrastruktur für das Grenzmanagement all seine Vorteile entfaltet“, so Bozinovic.
Vorbild Flughafen Split
Als besonders gelungenes Beispiel nannte er den Flughafen Split, der täglich zwischen 90 und 110 Flüge abwickelt – also mehr als 200 Ankünfte und Abflüge – und dabei ohne Staus bei der Grenzkontrolle auskommt. „Sie haben selbst gesehen, und auch der Kommissar konnte unsere funktionierenden Kioske für die Vorregistrierung besichtigen sowie die sogenannten ABC-Gates (automatisierte Grenzkontrollen), die den Polizeibeamten am Grenzübergang praktisch ersetzen. Bei dieser Vorregistrierung wird ein Teil der Daten – vor allem biometrische Informationen – getrennt vom eigentlichen Einreiseort auf kroatisches beziehungsweise EU-Gebiet erfasst“, erläuterte Bozinovic.
Neben EU-Bürgerinnen und -Bürgern nutzen auch Staatsangehörige Südkoreas, Großbritanniens und Kanadas die ABC-Gates. Derzeit werde daran gearbeitet, auch Reisende aus den Vereinigten Staaten einzubeziehen, die verschiedene Passtypen verwenden. An Landgrenzübergängen kommen mobile Lesegeräte für biometrische Daten zum Einsatz. „Diesen Bereich haben wir beschleunigt, und mit Unterstützung der Kommission rechnen wir mit weiteren Verbesserungen – konkret geht es dabei um die Gesichtserfassung aller Fahrzeuginsassen durch Kameras“, fügte der Minister hinzu.