Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Kriegsverbrecherprozess

Nach Thaçi-Urteil: Proteste, Trauer und Zusammenstöße mit Polizei

Nach Thaçi-Urteil: Proteste, Trauer und Zusammenstöße mit Polizei
FOTO: Screenshot/EPA
3 Min. Lesezeit |

25 Jahre Haft für einen Ex-Präsidenten – das Urteil aus Den Haag spaltet den Kosovo bis auf die Straße.

Hashim Thaci, ehemaliger Präsident des Kosovo, ist von den Kosovo-Sonderkammern in Den Haag zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Das von der Europäischen Union unterstützte Gericht befand den 58-Jährigen des Mordes, der Folter, grausamen Behandlung sowie willkürlicher Inhaftierung für schuldig – sieben Jahre nach seinem Rücktritt vom Präsidentenamt.

Neben Thaci wurden auch die früheren UCK-Anführer Kadri Veseli, Rexhep Selimi und Jakup Krasniqi verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Höchststrafe von 45 Jahren beantragt. Ein Berufungsverfahren ist möglich.

Reaktionen in Pristina

In Pristina verfolgten Tausende die Urteilsverkündung auf einer Großleinwand. Außenminister Glauk Konjufca reagierte mit scharfer Kritik: „Dies ist ein schreckliches Urteil für den Kosovo, für unser Volk und für unseren Befreiungskrieg.“ Auch unter Unterstützern in Den Haag regte sich Widerstand.

Bekim Fetahu warf dem Gericht vor, die Richter hätten „die Opfer mit den Aggressoren gleichgesetzt“ – eine Einschätzung, die internationale Beobachter zurückweisen. Das Urteil delegitimiere die Kosovo-Befreiungsarmee als solche nicht, betonten sie.

Thaci selbst hatte sich bis zuletzt als Verteidiger seines Volkes verstanden. „Mein ganzes Leben lang stand ich an der Seite des Volkes des Kosovo und verteidigte Freiheit, Leben und Würde“, erklärte er. Der vorsitzende Richter Charles Smith hielt dem entgegen, dass es „in Wirklichkeit keine Hinweise darauf gibt, dass die Opfer in diesem Fall Spione oder Kollaborateure waren.“

Thacis politisches Erbe

Thaci gilt als eine der prägendsten Figuren des kosovarischen Unabhängigkeitskampfes. Er führte die UCK im Krieg gegen Serbien an, der erst nach einer NATO-Intervention 1999 endete.

2008 erklärte der Kosovo seine Unabhängigkeit – ein Schritt, den Belgrad bis heute nicht anerkennt. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern bleiben bis heute belastet.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen