Ein Jahr wartete Österreichs Handelsvertreterin auf ihr Visum, nun muss sie Moskau verlassen. Der diplomatische Frost wird spürbar.
Elisabeth Mindlberger, Österreichs Wirtschaftsdelegierte in Moskau, muss die russische Hauptstadt noch in dieser Woche verlassen. Aus Wien heißt es, die russische Seite habe die Maßnahme bereits zuvor beschlossen und mitgeteilt.
Das Außenministerium bestätigte den entsprechenden Bericht und hielt fest, für den Schritt gebe es „keinerlei Rechtfertigung“. Auch die Wirtschaftskammer Österreich sprach gegenüber einer Zeitung von einer Entscheidung, die Russland schon früher getroffen habe. Demnach fiel der Beschluss, noch bevor Österreich unlängst vier russische Diplomaten wegen Spionageverdachts auswies.
Visa-Streit
Wie die „Presse“ berichtet, war Mindlberger erst seit dem Vorjahr in Russland tätig. Diplomatische Hürden hätten dazu geführt, dass sie ein ganzes Jahr auf ihr Einreisevisum warten musste. Auch Österreich verweigerte dem designierten russischen Handelsdelegierten rund ein Jahr lang die Einreise.
Moskau stellte Mindlberger schließlich ein Visum aus, weil Wien zugesagt habe, dem russischen Handelsdelegierten ebenfalls eines zu gewähren. Dieser wartet bislang allerdings noch auf sein Visum.
Kneissls Sorge
Die Wirtschaftskammer Österreich bestätigte die Maßnahme gegenüber der Zeitung und verwies darauf, dass Russland die Ausweisung bereits vor mehr als zwei Wochen beschlossen beziehungsweise kommuniziert habe.
Die frühere Außenministerin Karin Kneissl, die in Russland arbeitet, zeigte sich gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti besorgt: „Diplomatische Kanäle sollte man immer aufrechterhalten. In schwierigen Zeiten braucht man sie noch mehr. An sonnigen Tagen braucht man sie nicht – an regnerischen schon.“