Sieben Stunden bleiben den Bewohnern, dann ist ihr schwimmendes Zuhause Geschichte. Im Hafen von Sihanoukville endet ein teurer Lebenstraum.
Das Kreuzfahrtschiff „MV Odyssey“ liegt still: Die Betreiberfirma Villa Vie Residences hat den Betrieb im kambodschanischen Hafen von Sihanoukville kurzfristig eingestellt. Als Grund nennt das Unternehmen deutlich höhere Treibstoffkosten, die das Projekt finanziell überfordern.
Um 7 Uhr erfuhren die Passagiere von der Entscheidung, um 14 Uhr mussten sie das Schiff verlassen haben. Zuletzt befanden sich 203 Passagiere und 156 Besatzungsmitglieder an Bord.
Für viele ist der Traum vom Leben auf See damit jäh zu Ende gegangen. Offen bleibt, wie es mit dem Schiff und seinen Bewohnern weitergeht.
Der Stopp traf zahlreiche Bewohner unvorbereitet. Manche hatten ihre Kabinen für beträchtliche Summen gekauft und sich auf eine Reise über mehrere Jahre eingerichtet. Weil binnen weniger Stunden sowohl eine Unterkunft als auch die Weiterreise organisiert werden mussten, löste die knappe Frist große Verunsicherung aus.
Mehrere Passagiere schilderten, kaum Hilfe bekommen zu haben. Sie hätten sich selbst um ein Quartier und um Flüge nach Hause kümmern müssen.
Hohe Treibstoffkosten
Als Ursache der Stilllegung gibt Villa Vie Residences die stark gestiegenen Treibstoffpreise an. Laut dem Betreiber beliefen sich die Kraftstoffkosten pro Kabine zuvor auf rund 1.800 Dollar im Monat, zuletzt seien sie in Teilen Asiens auf geschätzte 6.000 bis 8.000 Dollar geklettert.
Das Unternehmen führt diese Entwicklung auf höhere Preise am Ölmarkt zurück und bringt sie mit regionalen Spannungen in Zusammenhang. Für die Bewohner bedeutete das den abrupten Schlusspunkt unter ihren Alltag an Bord. Auch in der Besatzung gibt es Unmut, einige Crewmitglieder ziehen die Finanzplanung des Projekts in Zweifel.
Schiff mit Geschichte
Gebaut wurde das Schiff 1993, seither war es unter verschiedenen Namen für mehrere Kreuzfahrtunternehmen unterwegs. 2023 erwarb Villa Vie Residences die „MV Odyssey“, um sie als dauerhaftes Zuhause für Weltreisende zu vermarkten.
Eine Suite auf Lebenszeit des Schiffs war ab etwa 230.000 Dollar zu haben, umgerechnet sind das rund 206.000 Euro. Daneben gab es günstigere Modelle. Die 69-jährige US-Amerikanerin Carol Larson zahlte nach eigenen Angaben 120.000 Dollar in Raten, zuzüglich laufender Gebühren, und sicherte sich damit bis zu 15 Jahre an Bord.
Reparaturen und Renovierungen hatten den geplanten Start bereits um vier Monate nach hinten verschoben.
Mit der Stilllegung in Kambodscha folgt nun ein weiterer herber Rückschlag.