ADHS bleibt bei vielen Erwachsenen unerkannt, was zu Missverständnissen und Stress führt. Eine Diagnose kann Klarheit und Erleichterung bringen.
Symptome bei Erwachsenen
Die Diagnose von ADHS bei Erwachsenen kann oft eine große Erleichterung darstellen, da die Störung häufig lange unerkannt bleibt. Typische Symptome wie Unkonzentriertheit, Schwierigkeiten bei der Organisation und ständige Verspätungen führen oft zu Stress im privaten und beruflichen Umfeld. Diese Verhaltensweisen werden häufig als Charaktereigenschaften missverstanden, obwohl sie auf eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hinweisen können, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene betrifft.
Erwachsene mit ADHS haben oft Probleme, sich längere Zeit zu konzentrieren, verlieren häufig Dinge und verzetteln sich leicht. Herausforderungen wie das Einhalten von Fristen und das Strukturieren von Aufgaben sind für sie besonders groß. Eine ausgeprägte Impulsivität zeigt sich in Ungeduld und Schwierigkeiten, andere ausreden zu lassen. Während ADHS bei Kindern oft durch Hyperaktivität auffällt, die sich in Rastlosigkeit und Unruhe äußert, sind die Symptome bei Erwachsenen zwar anders, aber nicht weniger bedeutend.
Unerkannte ADHS
Viele Betroffene haben das Gefühl, nicht ins System zu passen. Dr. Gernot Langs, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik und Psychotherapie der Schön Klinik in Bad Bramstedt, beschreibt die Probleme, die durch Prokrastination und Schwierigkeiten bei der Strukturierung des Alltags entstehen können. Diese Probleme können sowohl im Berufsleben als auch in zwischenmenschlichen Beziehungen zu erheblichen Schwierigkeiten führen. Obwohl ADHS lange Zeit als Kinderkrankheit galt, ist inzwischen bekannt, dass viele Erwachsene betroffen sind. „Laut einer internationalen Übersichtsarbeit bleibt bei etwa 40 bis 60 Prozent der im Kindesalter diagnostizierten Betroffenen ADHS auch im Erwachsenenalter bestehen“, so Dr. Langs.
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Viele Erwachsene sind sich ihrer ADHS nicht bewusst und empfinden sich lediglich als chaotisch oder disziplinlos. Roxanne Emery schildert in ihrem Buch „Die Spitze des Wäschebergs“ ihre Erfahrungen mit unerkannter ADHS. Sie schämte sich jahrelang für ihre Unfähigkeit, den Alltag zu bewältigen, was für viele ADHS-Betroffene Alltag ist. Die Diagnose kann ein Wendepunkt sein, da sie eine Erklärung für die Probleme bietet. Oft erkennen Erwachsene ADHS bei sich selbst erst, nachdem es bei ihren Kindern diagnostiziert wurde. Da ADHS eine starke genetische Komponente hat, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein Kind betroffen ist, wenn ein Elternteil ADHS hat. Roxanne Emery ist mit ihren Videos über den Alltag mit ADHS auf TikTok bekannt geworden.
Behandlung und Alltag
Erwachsene, die den Verdacht haben, an ADHS zu leiden, sollten einen Psychiater oder Psychotherapeuten konsultieren. Für die Diagnose ist es erforderlich, dass die Symptome bereits in der Kindheit bestanden haben. Oft wird ADHS jedoch mit anderen psychischen Erkrankungen verwechselt. Zusätzliche Probleme wie Depressionen, Angststörungen oder Suchtverhalten können die Diagnose erschweren.
Die Behandlung richtet sich nach der Ausprägung der Symptome und umfasst Therapie, Coaching und Ergotherapie, wie Dr. Langs betont. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann ebenfalls hilfreich sein. Medikamente wie Methylphenidat oder Atomoxetin können die Konzentrationsfähigkeit verbessern.
Um den Alltag besser zu strukturieren, helfen Routinen und klare Aufgabenlisten. Ein offener Umgang mit der Diagnose kann in Partnerschaften und im Beruf entlastend wirken. „Gegebenenfalls ist auch ein Wechsel des Aufgabenbereichs sinnvoll“, so Dr. Langs. Für viele bedeutet die Diagnose vor allem Erleichterung und bietet eine Erklärung für jahrelange Schwierigkeiten.
Auch Erziehung und der Umgang mit ADHS in der Entwicklungsphase spielen eine Rolle. Praktische Hilfsmittel wie Noise-Cancelling-Kopfhörer oder eine Trinkflasche mit Zeitmarkierungen können helfen, Ablenkungen zu minimieren und sich besser zu konzentrieren. ADHS hat auch positive Aspekte wie Kreativität, Begeisterungsfähigkeit und schnelles Denken.
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„Erwachsene haben oft nicht mehr das Vollbild der ADHS wie Kinder“, erklärt Dr. Langs. „Was aber immer bleibt, ist die Kreativität.“
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