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Naturheilkunde

Altertümliche Hausmittel aus Bosnien und Herzegowina

(FOTO: iStock/undefined undefined)
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Besonders in der kalten Jahreszeit stehen Zwiebelsocken und Wadenwickel hoch im Kurs. Auch am Balkan sind Naturheilmittel schon immer eine Alternative zur wissenschaftlichen Medizin gewesen. KOSMO hat sich bosnische Naturheilrezepte aus dem Jahr 1894 angesehen und verrät, welche Hausmittel noch heute verwendet werden.

In den medizinhistorischen Beständen der Universitätsbibliothek der Medizinischen Fakultät in Wien befindet sich ein Buch, dessen Inhalt eine Fundgrube an altertümlicher Naturheilkunde darstellt. „Skizzen ans der Volksmedicin und dem medicinisehen Aberglauben in Bosnien und der Hercegovina“ von Dr. Leopold Glück aus dem Jahr 1894. Herausgegeben in Wien.

Ein angesehener Dermatologe aus Polen, der seine medizinische Karriere in Prnjavor (Bosnien und Herzegowina) begann. Zwölf Jahre später leitete er – bis zu seinem Tod – das damals größte Krankenhaus im Land, das sich in Sarajevo befand. Ebenso war Glück maßgeblich für den Aufbau und die Organisation der medizinischen Verwaltung im Land verantwortlich.

Ein Medikus, der es sich zur Aufgabe machte, Bosnien und Herzegowina aus ärztlicher Sicht zu erforschen. Dabei fand er viel Aberglauben, Dämonen, Hexen, Zauberer, Neider aber auch ein wenig Naturheilkunde. KOSMO hat eine Liste der bekanntesten und sinnvollsten Hausmittel nach Leopold Glück erstellt, die nicht nur zur Winterzeit hilfreich sein können.

Knoblauch und Zwiebel (bijeli i crveni luk)

Laut Lück waren die beliebtesten Volksheilmittel in Bosnien und Herzegowina damals – so wie wohl heute – Zwiebel und Knoblauch. So wurde im 19. Jahrhundert das Wurzelgemüse mit Rautengewächsen und Honig vermengt, um die Bisse von tollwütigen Hunden zu heilen. Heute würden man eine Tollwut-Impfung verabreichen – was allerdings auch kein Garant für die Genesung wäre. Denn sobald man Krankheitssymptome entwickelt, gibt es keine große Überlebenschance. Da helfen dann auch keine Zwiebel und auch kein Knoblauch.

(FOTO: iStock/Dash_med)
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Ein typisches Hausmittel gegen Keuchhusten (rikavac) ist Knoblauch. Dazu muss Knoblauch zerrieben und mit Wermuth und Fett vermischt werden. Mit der zusammengerührten Paste reibt man sich die Fußsohlen ein. Das soll die Symptome lindern und die Heilung anregen. Auch gegen chronische Eczeme (majasin) hat Glück ein Rezept. Hier soll eine Salbe aus Knoblauchpulver, Öl, saurer Milch oder Seife helfen. Und auch bei Fieber findet die Knoblauchzehe ihre Anwendung: zerstoßener Knoblauch auf den Fußsohlen sollte die Temperatur sinken lassen.

Anschwellungen des Gesichtes kann man gut mit einer Mischung aus saurer Milch, Salz und zerriebenen Zwiebeln heilen. Auch Ohrenschmerzen sind für die Wunderknollen kein Problem: geröstete Zwiebelschnitte warm auf das Ohr auflegen. Und wer eine prächtige Haarmähne möchte, der kann sich Zwiebelsaft auf die Kopfhaut reiben, denn das soll den Haarwuchs fördern, wie Glück berichtet.

Kopfkohl (kupus)

Mhhh…. Sarma. Besonders zur kalten Jahreszeit liegen Sarma und alle Kohlgerichte am Balkan hoch im Kurs. Schon im 19. Jahrhundert legten die Menschen am Balkan wehrt darauf, immer Kohl im Haus zu haben, beschreibt Glück in seinen Aufzeichnungen. Auch um sich bestimmte Hausmittel zusammenzuführen. So sollen gekochte Kohlsprossen gut gegen Koliken helfen.

(FOTO: iStock/Angelika Heine)
(FOTO: iStock/Angelika Heine)

Leidet man unter Brandwunden, so soll man die Blätter oder Wurzeln des Kopfkohles zerstoßen und mit Eiweiß zu einer Paste verrühren. Als Abführmittel soll Kohl aber ebenso geeignet sein, denn schon altgriechische Ärzte verschrieben Kohl als Mittel, um den Stuhlgang zu erleichtern. Neben seiner abführenden Wirkung hat Kohl auch die Fähigkeit Wunden zu heilen. Dazu die gesäuberten Krautblätter einfach auf die Wunde legen, steht in dem 128 Jahre alten Text. Heutzutage würde man das wohl nicht mehr so machen.

In der wissenschaftlichen Medizin hat Kohl allerdings nie eine wirkliche Verwendung gefunden, schreibt Glück.

Hanf (Konoplja)

Hanf. Eine der ältesten Nutzpflanzen der Menschheit. Seit jeher auf der ganzen Welt beliebt dient die Hanfpflanze gleichzeitig als Medizin und als Rohstoffquelle. Kleidung, Stoff, Baumaterial und Rauschmittel – alles aus einer Quelle. Doch werden nicht nur Fasern und Blühten verwendet. Für jeden Teil der Haftpflanze gibt es seine eigene Anwendungsart.

(FOTO: iStock/panida wijitpanya)
(FOTO: iStock/panida wijitpanya)

Der Hanfsamen und das Hanföl werden äußerlich bei Verbrennungen und innerlich als Prophylaxe gegeben, erklärt der altertümliche Dermatologe. Zudem kann Hanföl abführend und wurmabtreibend wirken.

Bei Wechselfieber (Malaria) verabreichte man Haftsamen in zerriebener Form und goss das Pulver mit Couperin Wein auf. Gegen Bandwürmer war ein kalter Hanfsamenaufgruss heilwirkend – ja auch das war vor 128 Jahren wichtig. Aber wie man diesen Aufguss verwenden sollte, wird im Text leider nicht beschrieben. Sollte es ein Bad sein? Einreiben? Trinken? Irgendetwas davon wird schon richtig sein.

Man muss gestehen, viele Rezepte bleiben in ihrer Anwendung unklar beschrieben. Allerdings sind solche Quellen auch die Ursprünge der heutigen Naturheilkunde. Und man weiß ja, die Hausmittel von Oma helfen immer.

meduniwien
meduniwien

Quelle: 1894 – Dr. Leopold Glück, Skizzen ans der Volksmedicin und dem medicinisehen Aberglauben in Bosnien und der Hercegovina