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Heilige Klickjagd

Asoziale Medien“: Professor warnt vor KI-Moses und Digital-Jesus

Asoziale Medien“: Professor warnt vor KI-Moses und Digital-Jesus
FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Biblische Figuren als TikTok-Stars: KI-generierte Videos zeigen Jesus und Moses als moderne Influencer – ein Trend, der Ethikexperten alarmiert.

Künstliche Intelligenz verwandelt biblische Gestalten in digitale Influencer – ein Phänomen, das derzeit die sozialen Netzwerke dominiert. Die KI-generierten Videos zeigen Figuren wie Jesus, Noah oder Moses als zeitgemäße Content-Creator, die mit Selfie-Kamera, jugendlichem Vokabular und publikumswirksamer Selbstdarstellung auftreten. Diese Darstellungen im Stil typischer Gen-Z-Inhalte verbreiten sich aktuell massenhaft auf TikTok und Instagram.

Der Ethikexperte Peter G. Kirchschläger von der Universität Luzern äußert im Gespräch mit Blick erhebliche Bedenken gegenüber solchen Formaten: „Sogenannte ‚Social Media‘ wurden von Beginn an so konzipiert und geschaffen, dass sie süchtig und abhängig machen.“ Er verwendet daher bewusst den Begriff „asoziale Medien“. Die KI-generierten Bibelvideos verkörpern für ihn mustergültig diese Mechanik – sie nutzen vertraute religiöse Motive, um maximale Aufmerksamkeit zu generieren.

KI-Slop-Phänomen

Der aktuelle Trend stößt nicht nur auf Verwunderung, sondern auch auf erheblichen Widerstand. Hinter der scheinbar harmlosen KI-Unterhaltung verbergen sich fundamentale Probleme. Die Videos sind Teil einer umfassenden Welle sogenannter „KI-Slop“-Produktionen: maschinell erstellte Inhalte von meist minderwertiger Qualität, aber hohem Verbreitungspotenzial.

Das einzige Ziel besteht darin, maximale Reichweite zu erzielen – häufig unter Missachtung faktischer Korrektheit oder ethischer Grundsätze. Bereits im vergangenen Jahr wurden Plattformen wie Facebook mit teils absurden religiösen KI-Bildern überschwemmt.

@holyvlogsz

Ethische Bedenken

Kirchschläger unterstreicht die Problematik dieser Entwicklung, da sie die Grenzen zwischen Unterhaltung, Glauben und Wirklichkeit verschwimmen lässt. Die massenhafte Verbreitung KI-generierter Botschaften über automatisierte Accounts erschwere zusehends die Unterscheidung zwischen authentischen Inhalten und digitalen Simulationen.

Was oberflächlich als spielerisches Internetphänomen erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als weiteres Symptom der durch Likes angetriebenen KI-Inhaltsflut – mit schwer abschätzbaren Konsequenzen für gesellschaftliche Diskurse, ethische Standards und die Medienkompetenz der Bevölkerung.

Religionsgemeinschaften in der Verantwortung

In aktuellen Fachbeiträgen fordert Kirchschläger, dass Kirchen und Religionsgemeinschaften eine aktive Rolle im Umgang mit den gesellschaftlichen Folgen von Künstlicher Intelligenz einnehmen sollten. Besonders bei Fragen der sozialen Gerechtigkeit und Menschenrechte im digitalen Raum sieht er religiöse Institutionen in der Pflicht.

Der Ethikprofessor plädiert zudem für eine internationale Regulierung von KI-Anwendungen, um Missbrauch und ethische Grenzüberschreitungen zu verhindern. Er betont, dass KI-Systeme nicht moralfähig sind und daher einer klaren menschlichen Verantwortung und Kontrolle bedürfen. Für die konkrete Umsetzung schlägt Kirchschläger die Schaffung einer globalen Agentur vor, die sicherstellen soll, dass datenbasierte Systeme grundsätzlich menschenrechtskonform und nachhaltig eingesetzt werden.

@jesuthepreacher
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KO KOSMO-Redaktion
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