Journalisten aus Deutschland führten eine tiefgehende Investigativ-Recherche bei der rechtsextremen Identitären Bewegung durch. Über einen Zeitraum von vier Monaten unternahmen Reporter des Fernsehsenders RTL den gefährlichen Schritt, in die abgeschotteten Kreise der IB einzudringen.
Das Ziel war ein authentisches Bild dieser Gruppierung zu dokumentieren. Dabei gelang es ihnen, unzensierte Einblicke in die Praktiken und Ideologien der Mitglieder zu gewinnen. Ein besonderer Fokus lag dabei immer wieder auf der österreichischen Hauptstadt Wien.

Gewaltverherrlichung bei Events in Wien
Während eines sogenannten „Aktivisten-Wochenendes“ in Wien wurden brutale Kämpfe in einem improvisierten Boxring dokumentiert. Martin Sellner, eine zentrale Figur der Identitären Bewegung, heizte die Menge für eine „Remigrations“-Demonstration am nächsten Tag an. Diese Veranstaltung zeigte eine latent vorhandene Gewaltbereitschaft der Extremisten.
Aufruf zu erneuten Genoziden
Wirklich schockierend und besorgniserregend waren die Einblicke, die die Journalisten bei einer Party in Wien erhielten. Dort äußerte ein Mann, dass das Jahr 1995 „gut“ gewesen sei, da es das Jahr des Massakers von Srebrenica war, bei dem Tausende von Muslimen ermordet wurden. Eine Frau mit engen Verbindungen zur AfD forderte: „Deutschland braucht ein Srebrenica 2.0!“ Ein weiterer Teilnehmer der Party äußerte bewundernde Worte für das Massaker: „War sehr geil. 8888 Opfer angeblich.“ „88“ steht in Neo-Nazi-Kreisen für „Heil Hitler“, da der Buchstabe H der 8. im Alphabet ist.
Auf der Party der Identitären Bewegung in Wien: „Deutschland braucht ein Srebrenica 2.0“! Hört einfach selbst pic.twitter.com/DMJ51jtb91
— Muhammed Yüksek (@m_yueksek) August 27, 2024
Das Massaker von Srebrenica
Das Massaker von Srebrenica im Jahr 1995 markiert eines der düstersten Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte. In der als UNO-Schutzzone deklarierten bosniakischen Stadt wurden etwa 8000 muslimische Männer und Jungen von bosnisch-serbischen Truppen brutal ermordet. Der Internationale Gerichtshof (IGH) hat das Verbrechen 2007 als Völkermord anerkannt.
Politische Verbindungen zur FPÖ
Bei der „Remigrations“-Demonstration in Wien trafen die Journalisten auch auf mehrere Mitglieder der AfD. Die Rechten wünschen sich dabei illegale Massendeportationen von Ausländern. Während der Demonstration wurden erneut erschreckende Aussagen gemacht, wie die Relativierung des Holocausts durch die bereits erwähnte Frau: „Es waren keine sechs Millionen Juden. Es waren ja höchstens 175.000 vergaste Juden. Der Holocaust hat anders stattgefunden.“
[crp box=“1″ limit=“3″ heading=“1″ offset=“0″]
Die Recherchen zeigten auch Verbindungen der Identitären Bewegung zur FPÖ. Herbert Kickl, der Parteichef der FPÖ, hat sich in der Vergangenheit wiederholt positiv über die Identitären Bewegung geäußert und sie als „interessantes und unterstützenswertes Projekt“ bezeichnet, vergleichbar mit einer Version von Greenpeace – nur eben „von rechts“.
Im #orfsg23 setzt FPÖ-Chef Herbert Kickl die Identitären mit Greenpeace gleich. Für ihn seien die Identitären eine NGO von rechts. @winter_jakob mit dem Faktencheck: „Das ist eindeutig falsch.“ #ORFIIIaktuell #Faktenmitprofil pic.twitter.com/bq5I2wqzKM
— ORF III (@OrfDrei) September 11, 2023
Die Partei hat Teile der Rhetorik der Identitären Bewegung in ihr Wahlprogramm aufgenommen.