Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
DEBATTE

Aus für steuerfreie Trinkgelder in der Gastronomie & Co.?

Aus für steuerfreie Trinkgelder in der Gastronomie & Co.?
(FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Die Debatte um die Steuerfreiheit von Trinkgeldern in Österreich spitzt sich zu. Anpassungen der Gesundheitskasse drohen, die Gastrobranche zu belasten.

In einem Interview mit der APA sprach Mario Pulker, der Gastronomie-Spartenobmann der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), über die Dringlichkeit, Trinkgelder weiterhin steuer- und abgabenfrei zu halten. Diese Forderung entsteht vor dem Hintergrund der Kritik von Marko Fischer, dem Vorsitzenden des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes in Wien. Fischer betonte, dass die ursprüngliche Absicht der Trinkgeldpauschale darin lag, Unternehmen von der komplizierten Führung von Trinkgeldlisten zu befreien. Er kritisierte die Österreichische Gesundheitskasse scharf für Anpassungen, die zu erheblichen Rückforderungen an Unternehmen führen, was er als untragbar bezeichnete. Solche Anpassungen sollten die Besonderheiten der Branche berücksichtigen und die Betriebe nicht unnötig belasten.

Hauptsächlich sind die Betriebe von den Nachforderungen der Gesundheitskasse betroffen, jedoch auch Ein-Personen-Unternehmen. Mario Pulker erklärte, dass bei Lohnsteuerprüfungen über die Registrierkasse ersichtlich wird, wie viel Trinkgeld eingenommen wurde, da zunehmend mit Karte bezahlt wird. Aus der Steiermark gibt es Berichte über verstärkte Prüfungen in der Gastronomie, wobei Nachforderungen teilweise bis in den fünfstelligen Bereich reichen.

Pulker betont, dass weder das Finanzministerium noch die Krankenkasse den Mitarbeitern das Geld für gute Leistungen am Gast wegnehmen dürfen. Trotz der Zunahme von Kartenzahlungen müsse die Steuerfreiheit von Trinkgeldern erhalten bleiben. Nach einer internen Abstimmung der Wirtschaftskammer mit Vertretern anderer betroffener Branchen führt Pulker derzeit Verhandlungen mit der Krankenkasse. Das Thema sei komplex, und es bedarf einer Lösung, damit Mitarbeiter für ihre Leistung am Gast belohnt und nicht bestraft werden, indem sie ihre Topleistung versteuern oder Sozialversicherungsabgaben zahlen müssen.

Trinkgeld als Steuerquelle

Die Freiheitliche Wirtschaft äußerte in einer Stellungnahme die Sorge, dass zusätzliche finanzielle Lasten für Unternehmen zu Preiserhöhungen führen könnten. Simon Schnell, Gastrosprecher der Freiheitlichen Wirtschaft, sieht in den Maßnahmen der Gesundheitskasse einen „gezielten Angriff“ auf die Zusatzeinnahmen des Gastro-Personals und kritisierte die staatliche Sichtweise auf Trinkgelder als zusätzliche Steuerquelle. Er fordert, dass Trinkgelder vollständig steuerfrei bleiben und als „Gastgeschenk“ angesehen werden sollten, nicht als versteckte Steuerquelle.

[crp box=“1″ limit=“3″ heading=“1″ offset=“0″]

Weitere Preiserhöhung

Martina Haslinger-Spitzer, Tourismuschefin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes in Wien, warnte, dass die neuen Forderungen Ein-Personen-Unternehmen und Familienbetriebe in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährden könnten. Gulten Karagoz, Friseurchefin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes, wies darauf hin, dass erhöhte Abgaben auf Trinkgelder zu Preiserhöhungen führen und den Anreiz für Mitarbeitende senken, in Branchen zu arbeiten, in denen Trinkgeld ein wesentlicher Lohnbestandteil ist.

Eine Lösung für das Problem ist noch nicht gefunden, und laut Pulker könnte diese auch ohne Gesetzesänderung erreicht werden.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen