Wer die Mutter aus der Verantwortung entlässt, lässt das Mädchen im Stich
Das ändert nichts daran, dass die Hauptverantwortung bei denen liegt, die ausgrenzen, und den jeweiligen staatlichen Behörden.
Es zeigt aber, dass das Problem komplexer ist.
Und dass es Eltern nicht der Verantwortung gegenüber den eigenen Kindern entbindet.
So borniert die Serben sind, die anziganistische Einstellungen haben, so borniert ist die Mutter des Roma-Mädchens in der Skardalija.
So sehr man die verantwortlichen Behörden hassen muss, die wegsehen, wenn Kinder spätnachts betteln gehen, so sehr muss man die Mutter hassen, die die Kinder auf die Straße schickt.
Wer das entschuldigt mit dem unbestreitbaren Elend der Mutter, und ihren unbestreitbaren Ausgrenzungserfahrungen, wer staatlichen Zwang ablehnt, dieses Mädchen in die Schule zu schicken, der schaut weg, wie ein kleines Mädchen misshandelt wird, der schaut weg, wie es verdammt wird, im gleichen Elend zu leben wie die Eltern.
Nia hat das nicht getan.
Vielleicht versteht sie in ein paar Jahren, dass sie an der Aufgabe nur scheitern konnte.
Aber dass ihr Versuch mehr wert ist als alle salbungsvollen Reden gegen Antiziganismus zusammen.
Hoffentlich wird sie diese Erfahrung dazu bringen, weiter aufzustehen, wenn sie Unrecht sieht, und dazu, die Umstände zu analysieren, die das Unrecht erzeugen.
Sei es im Königreich des Aleksandar oder anderswo.
Balkan Stories, Christoph Baumgarten
Christoph Baumgarten ist Journalist und Balkanreisender aus Leidenschaft. Seit 2015 verbindet er beide Leidenschaften auf seinem Blog Balkan Stories. Dort versucht er, Geschichten zu erzählen, für die es in größeren Medien meist keinen Platz gibt und stellt die Menschen in den Mittelpunkt.
Mehr von Christoph könnt ihr unter balkanstories.net nachlesen.