Balkanesische Sprachschmankerl

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Balkanesische Sprachschmankerl

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„Deutsche Sprache schwere Sprache
Jugo-Deutsch ist ein Teil von Wien, den viele nicht missen wollen. (FOTO: Pixabay)

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iDieses Mal geht es leider nicht um unsere Süd-Ost-Europäischen Gelüste nach Vegeta, sondern um SPRACHSchmankerl und davon haben wir genug.

„Deutsche Sprache schwere Sprache“ wie man so schön sagt. Ein echter Balkanese weiß sich aber zu helfen und so entstand einst das Jugo-Deutsch mit all seinen Abstufungen und Facetten. Um euch diese virtuose Ausdrucksweise näher zu bringen, möchte ich etwas aus meinem Familienleben erzählen.

Mistkibla

Jedes Jugo-Kind kennt ihn – der berühmte „Mistkibla“! Umlaute sind nicht gerade unsere Freunde und besonders meine Eltern haben sich mit Ü und Ö bis heute nicht anfreunden können.

Es treten die gängigen Ausdrucksweisen wie „Esstarajch“, „Gemise“, „Zwolf“ und „bese sein“ auf. Damit habe ich mich irgendwann abgefunden weil ich zu „mide“ war sie ständig zu korrigieren.

Irgendwann weißt du es als „gut integriertes Kind“ einfach besser. Dann wirst du in deiner Familie zur „Švabica“ ernannt, was liebevoll und beleidigend zugleich für „Deutsche“ steht. Aber auch ich hatte zu Beginn meine Probleme mit der deutsch-österreichischen Sprache.

So glaubte ich lange genug, dass das Bauchfleisch eigentlich „Baufleisch“ heißt. In meiner Familie nannte man das eben so und da alle Männer (stereo)typischerweise “Bauarbajta“ waren, machte Baufleisch auch Sinn – das Essen für die Baustelle eben!

Die Gebrüder iti und ati

Ab dem „A pa du bist jetzt Švabo oda was?“ – Level entwickelst du die Gewohnheit Wörter in deiner Muttersprache zu vergessen und greifst wieder auf dein Jugo-Deutsch-Repertoir zurück.

Dabei sind die Gebrüder iti und ati stets an deiner Seite und helfen dir. Meine Mama rät mir beispielsweise immer Pare „sparovati“, mehr Povrće, also „Gemise“ „essati“ und ihre Whatsapp-Poruke „leseniti“. Mein Papa versucht das auch, aber er möchte nicht Sprachen „mixovati“.

Wenn ihn der Sinn für die deutsche Sprache dann komplett verlässt, versinkt er teilweise in einen chaotischen, zungenbrecherischen Zustand.

Pure Verzweiflung

Aus diesem Zustand befreit sich mein Vater gerne mit der gut eingeübten Wort-Kollision „Ajde sagst du majne Dochta ich nix gut reden!“

Dabei wird die jugoslawische Satzstellung übernommen und mit mehr oder weniger deutschen Wörtern befüllt. Diese Reihung existiert in vielen Fällen und kommt meist unerwartet rausgeschossen sobald der Sprecher unsicher wird.

Jugo ist Kult

Der Deutsch-Balkan-Mix ist von den Straßen nicht mehr wegzudenken und prägt mittlerweile den jugendlichen Sprachstil. Das Kultwort „Ajde“ hat sogar eine eigene Facebook-Community, einen Youtube-Channel und bedient gleich mehrere Kulturkreise. Jugo-Deutsch wird besonders in unserer schönen Stadt stark gelebt und geliebt. Es ist ein Teil von Wien, den viele nicht missen möchten. Also Ajde, warum wollen wir nicht alle bisschen Jugo-Deutsch lernati?

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