Die beiden Schwestern mit auffällig aufgespritzten Lippen und straff gezogener Stirnhaut sollen über Jahre hinweg eine nicht genehmigte Beauty-Klinik im Zentrum Wiens betrieben haben. Jetzt muss eine der beiden Frauen, die sich als Medizinerin ausgab, wegen Betrugsvorwürfen und schwerer Körperverletzung in zahlreichen Fällen vor den Richter treten.
Im Verfahren werden 66 teils erheblich geschädigte Opfer sowie die gesondert verfolgte Schwester als Zeugen auftreten. Die Angeklagte mit deutsch-persischem Hintergrund muss sich zusätzlich wegen betrügerischer Krida verantworten, da sie Geldgeber, Geschäftspartner und Firmen um erhebliche Beträge geprellt haben soll – der Gesamtschaden übersteigt 300.000 Euro.
Die verheerendsten Folgen tragen jedoch die zahlreichen Geschädigten. Darunter eine Kundin, die durch eine Hyaluronsäure-Behandlung beinahe ihre Nase einbüßte und lebenslang entstellt bleibt. Weitere Geschädigte berichteten von Gewebeverhärtungen oder sogar Lähmungserscheinungen.
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Nach deren Aussagen trägt allein die ausgebildete Architektin und Visagistin die Verantwortung, die in dem offiziell als Kosmetikstudio geführten Betrieb medizinische Eingriffe durchführte – was sie abstreitet. Trotzdem präsentierte sie sich im Internet als „Frau Dr.“ und warb mit einem Foto, das sie mit Handschuhen sekttrinkend vor einer bereits für den Eingriff vorbereiteten Kundin zeigt. „Bei uns sind sie in besten Händen“, lautet der fast spöttisch wirkende Bildtext.
Zudem posierte die Beschuldigte mit ihrer Schwester für ein Fachmagazin und ließ sich im Gespräch als „Schönheitschirurgin“ titulieren. Nach einer Durchsuchung ihres Beauty-Salons beteuerte sie auf Instagram vor tausenden Followern ihre Unschuld.
Gewalttätiger Vorfall
Dass beide Beauty-Schwestern keineswegs harmlos sind, verdeutlicht ein weiterer mitangeklagter Vorfall vom 29. November 2023. Dabei soll die Beschuldigte einer Anwohnerin der Klinik, die ihre Hunde im Hof ausführte, mit der Faust ins Auge geschlagen haben. Ihre Schwester traktierte das Opfer laut Anklagebehörde mit ihrem Mobiltelefon auf die Lippe.
Dennoch erwirkte Staranwalt Rudi Mayer für die 45-Jährige nach kurzer Untersuchungshaft die Entlassung aus der Frauenjustizanstalt. Seither befindet sich die Mutter eines Sohnes in Freiheit.
Luxusleben trotz Anklage
Das Leben außerhalb der Gefängnismauern scheint sie zu genießen: Trotz der schwerwiegenden Anschuldigungen gönnte sie sich kürzlich eine Luxusreise nach Paris und flanierte selbständig in Gucci-Stiefeln über die Rue Rambuteau. Demnächst wird sie jedoch das Graue Haus statt den Eiffelturm zu sehen bekommen – der Termin für den umfangreichen Prozess steht allerdings noch nicht fest, eine mehrjährige Haftstrafe droht.
Es gilt die Unschuldsvermutung.