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Wohnungsmangel

Bevölkerung wächst, Baustellen sterben – Wien vor Wohnungskrise

Bevölkerung wächst, Baustellen sterben – Wien vor Wohnungskrise
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Wien wächst – doch der Wohnungsbau kommt nicht hinterher. Ein neuer Bericht zeigt, wie groß die Lücke wirklich ist.

In Wien wächst die Bevölkerung – doch der Wohnungsbau hält mit diesem Tempo längst nicht mehr Schritt. Das geht aus dem Neubaubericht hervor, den die Wirtschaftskammer am Donnerstag vorstellte. Ursprünglich war für das laufende Jahr eine Fertigstellung von 12.600 Wohneinheiten allein in Wien vorgesehen. Tatsächlich dürften es nur rund 9.400 werden. „Wir erwarten, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird“, sagte Michael Pisecky, Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WK Wien.

Aus dem Bericht geht zudem hervor, in welchen Teilen der Stadt gebaut wird. „Die meisten Neubauprojekte entfallen weiterhin auf die äußeren Bezirke, allen voran Wien-Donaustadt. Im innerstädtischen Gebiet ist das Angebot deutlich geringer“, sagte Alexander Bosak, Geschäftsführer von „Exploreal“, einer Servicefirma für die Immobilienwirtschaft, die die Zahlen für den Bericht erhoben hat. Gemessen am prognostizierten Bevölkerungswachstum bis 2030 ist das Angebot vor allem in Wien-Mariahilf, Wien-Neubau und Wien-Josefstadt besonders dünn.

Wohnungsgrößen & Ausstattung

Der Neubaubericht gibt darüber hinaus Aufschluss darüber, wie die Wienerinnen und Wiener im Jahr 2026 wohnen werden: 55 Prozent der neu errichteten Wohnungen sind Ein- bis Zwei-Zimmer-Einheiten, rund ein Drittel entfällt auf Drei-Zimmer-Wohnungen. Vier oder mehr Zimmer bieten lediglich 14 Prozent der Neubauten. Die durchschnittliche Wohnungsgröße liegt bei 59 Quadratmetern. Nahezu alle neu gebauten Objekte verfügen zudem über Freiflächen – in der Regel in Form einer Loggia, eines Balkons oder einer Terrasse.

Als wesentliche Ursache für den Rückgang benennt der Bericht die Auswirkungen globaler Krisen auf den Wohnbau. „Zahlreiche Projekte sind in der Krise der vergangenen drei Jahre ,gestrandet‘. Wir hatten schon einen Krieg, der in der Ukraine begonnen hat, und wir hatten die KIM-Verordnung“, erklärte Pisecky. Bei der KIM-Verordnung handelt es sich um die Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung, eine strenge Richtlinie zur Vergabe von Immobilienkrediten, die von Mitte 2022 bis Ende Juni 2025 in Kraft war und seit ihrem Auslaufen am 30. Juni 2025 nicht mehr gesetzlich bindend ist. Beide Faktoren hätten den Markt erheblich belastet, so der WK-Experte.

Reformbedarf erkannt

Grundsätzlich werden in Wien 70 Prozent der Neubauten von gewerblichen Bauträgern errichtet, 30 Prozent von gemeinnützigen Bauvereinigungen. Angesichts des anhaltenden Bevölkerungswachstums sei es dringend notwendig, gezielte Maßnahmen zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum zu ergreifen, betonte Pisecky. Die geltende Flächenwidmung etwa stamme noch aus einer Zeit, in der Wien deutlich weniger Einwohner zählte.

Auch das bestehende Abbruchverbot sieht Pisecky als reformbedürftig an. „Das bestehende Abbruchverbot verhindert in vielen Fällen sinnvolle Weiterentwicklung. Es ist die Frage, ob jedes Gebäude, das als Arbeiterwohnung vor dem Ersten Weltkrieg gebaut wurde, auch erhalten werden muss“, so der Obmann der Fachgruppe. Es brauche mehr Flexibilität, um neuen Wohnraum zu schaffen.

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KO KOSMO-Redaktion
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